Samstag, 22. Dezember 2007

Due Forni

Die letzte Bastion des revolutionären Italiens ist wohl in Berlin - im Restaurant Due Forni am Senefelder Platz. Ob wohl die letzten Kommunisten Italiens hier Zuflucht gefunden haben?
In einer wunderschönen Villa hat sich das Restaurant einquartiert und bietet in einem sehr großen und mit unzähligen Tischen zugestellten Raum unzählige (glaube, es müssten so an die dreißig Stück sein), individuelle, riesige Pizzas mit Zutaten an, die man sonst in Berlin seltener auf einer Pizza erlebt, z.B. Mascarpone....
Das Restaurant und seine Atmosphäre erinnert an ein alternatives und punkiges Hofbräuhaus oder an einen riesigen Aufenthaltsraum in einer uralten Jugendherberge. Che Guevara hängt neben anderen Revolutionären und Postern für Konzertankündigungen. Dazwischen sind die Wände vollgeschrieben. Jeder hat sich da wohl schon mal verewigt. Die Grundfarbe der Wand ist schon nicht mehr richtig erkennbar.
Mittags ist es im Gegensatz zum Abend nicht übervoll, so dass man sich seinen Lieblingstisch aussuchen kann, der schnell von der Bedienung mit einem karierten Tischtuch bedeckt wird.
Die Bedienung könnte einem Musikclip entsprungen sein. Vielleicht sind sie auch in einem zweiten Leben Musiker einer Punkband... Sänger oder Drummer, wer weiss.
Die Bäcker und Köche verstehen jedenfalls ihr Handwerk und präsentieren traumhafte, dünne Pizzas aus ihrem Steinofen, die im Mund nur so zerschmelzen.
Jedenfalls um gut zu essen, braucht man nicht mehr nach Italien zu fahren, ....das kann man auch wunderbar in Berlin.

Due Forni
Schönhauser Allee 12
10119 Berlin

Dienstag, 18. Dezember 2007

Weinrallye # 6: Der alte Fritz und seine Perle

Die Weinrallye begibt sich auf Abwege und beschäftigt sich Dank schreiberswein Lars Breidenbach auf Stop 6 mit dem perligen Schaumwein.
Zwei Wochen vor den stattfindenden Sylvesterparties ist dieses Thema mehr als passend. Jeder versucht sich mit Sekt, Cava, Prosecco, Champagner oder Crémant ausreichend einzudecken, um das neue Jahr entsprechend zu begrüssen.
Welches perlende Tröpchen soll nun dieses Jahr am besten getrunken werden? In einer Zeit, in der das Thema Klima die Öffentlichkeit, Medien und Politik beschäftigt, sollte man daher zum Jahreswechsel - quasi als Omen und guten Vorsatz zur Senkung des CO2-Verbrauchs - ein heimisches Gewächs trinken.
Meine Wahl fiel daher auf den Fridericus brut vom Werderaner Wachtelberg in Brandenburg, der nur ein paar Kilometer von Berlin entfernt ist. Malerisch an der Havel gelegen, werden vom Winzer Dr. Manfred Lindicke auf dem nördlichsten Weinanbaugebiet von Saale-Unstrut verschiedenste Trauben angebaut wie Dornfelder, Saphira, Kernling, Sauvignon blanc und Regent u.a. Das Schöne an diesem Weinberg ist nicht nur, dass ein Lehrpfad für den interessierten Weinbergsbesucher eingerichtet wurde, sondern man auch in den wärmeren Monaten in der Weintiene eine Brotzeit mit den Wachtelberg-Weinen zu sich nehmen kann....und dabei den wunderbaren Blick über den Weinberg gratis dazu hat. Eine absoluter Luxus und Genuss für den Berliner Stadtmenschen - man könnt' fast meinen, man befände sich in Süddeutschland.
Der Sekt in klassischer Flaschengährung wird aus dem am Wachtelberg angebauten Müller Thurgau in der St. Laurentius Sektkellerei Herres in Leiwen an der Mosel ausgebaut.

Deutschland,
Werderaner Wachtelberg
Dr. Manfred Lindicke
Fridericus
Deutscher Sekt b.A. brut
Müller Thurgau 2004
12,5 % vol.
Restzucker/Säure/Alkohol (in g/l): 11.3/7.0/98.9
DLG-Preis: Silber

Step 1
Öffnen der Flasche....plopp.....und das perlende Nass fließt elegant in das Glas.
Nach dem Absetzen der Flasche schäumt der Sekt noch im Glas nach. Sehr schön. Und perlen tut er auch noch im Glas länger.
Die Farbe ist fast weissgelb und nicht sehr intensiv.
In der Nase ist ein frischer Gras- und zarter Blumengeruch.
Angenehmerweise ist der Sekt sehr mild, so dass beim ersten Schluck nicht gleich die Magenschleimhäute durch starke Säure und Kohlendioxid über Maßen strapaziert werden. Der Sekt ist als brut deklariert und hat ein sehr aromatisches Bouquet. Auf dem Gaumen ist ein leichter Geschmack von Lychee mit einem Hauch von Aprikose zu verzeichnen. Ein richtiges Frauengetränk!

Step 2
Quasi als Test fürs Neujahrsfest gab's zum Fridericus einen Shrimps-Cocktail mit frischem Weißbrot.
Sehr lecker, wenn man insbesondere die Cocktail-Sauce selber zusammenmixt: aus Ketchup, Weißwein, Zitronensaft, Möhren, Merrettich, Tabascosauce, Zwiebeln, Pfeffer und Sellerie. Und dazu recht frische Shrimps und Krebsfleisch nimmt, die im Zweifel aus der Tiefkühltruhe kommen. Ein kleiner, feiner Appetizer.

Step 3
Leider ist die Kombination zwischen dem Shrimps-Cocktail und dem Sekt nicht die Beste. Wenn das Weissbrot nicht gewesen wäre, wäre es eine sehr saure Angelegenheit geworden. Vermutlich war die Sauce vom Ketchup und Merrettich zu säureintensiv. So war es ok, aber nicht unbedingt in der Form wiederholenswert.
Für sich alleine gesehen sind die Shrimps und der Sekt göttlich. Zusammen allerdings nur gewöhnlich.

Wie gut, dass heut' noch nicht Sylvester ist.....dann kann noch am Appetizer gefeilt werden. Vielleicht das nächste mal ein kleines Shrimps-Blätterteig-Petitfour zum Sekt?
Denn eins steht fest: der Sekt bleibt! Hoch lebe der alte Fritz!

Montag, 17. Dezember 2007

Good time im Good time

Good time kann man im Good time verbringen. Und das gleich drei Mal in Berlin: am Hausvogteiplatz, in der Chausseestraße und am Teltower Damm.
In der Chausseestraße hat das Good time erst letztens die Räume neu gestaltet, die nun im kühlen und eleganten Flair erstrahlen. Weiss ist der Grundton. Viel wird an den Wänden mit farbigen Lichtstrahlern gearbeitet.
Unverändert ist das thailändische und indonesische Essen geblieben. Lecker und aromatisch und man erkennt an der Pfefferschotenanzahl in der Karte sofort, ob die Würze die eigenen Sinnesnerven nicht überstrapaziert. Die vielen Huhn-, Enten-, Rind-, Schwein-, Fisch- und Nudelgerichte werden auf die unterschiedlichsten Arten asiatisch gewürzt dargeboten. Wasserkastanien, Nüsse, Kokos, etc. sind häufige Begleiter der Speisen.
Unverändert geblieben sind auch die kleinen Gemüse-Schnitzkunstwerke, die jedes Gericht auf wunderbare Art und Weise verzieren. Und unverändert sind auch die zur Lotusblüte gefalteten Servietten geblieben, die jeden gedeckten Tisch zieren.
Absolut der Renner scheint momentan in allen asiatischen Restaurants der Ingwer-Tee zu sein. Hier wird er in einem grossen Glas mit viel Limettensaft und Honig serviert und heisst "Against Cold". Ein besseres Getränk kann man zur Stärkung der Abwehrkräfte bei Minusgraden wohl kaum bekommen!
Zum Wohl!

Good time
Chausseestraße 1
10115 Berlin
www.goodtime-berlin.de

Sonntag, 16. Dezember 2007

Die geheimnisvolle Welt der Mineralien, Dinosaurier und präparierten Tiere

Mal sind es mehr, mal sind es weniger Leute, die in das Museum für Naturkunde in Berlin strömen. Wenn mal wieder ein kindgerechter Film über Dinosaurier im Kino gezeigt wird, dann kommen mehr faszinierte Besucher. Und da das Museum sich ständig verändert, ergänzt und restauriert wird, bleibt es nicht aus, dass immer wieder Neuerungen neugierige Interessierte anziehen....zuletzt, als im Juli 2007 die Dauerausstellung "Evolution in Aktion" im Dinosauriersaal feierlich eröffnet wurde. Das Besondere an dieser Ausstellung ist, dass man durch mehrere aufgestellte "Ferngläser" und an einem Bildschirm beobachten kann, wie die riesigen Dinosaurier sich in Wesen aus Haut und Fleisch verwandeln und in einer imaginären Vegitation bewegen.
Am Wochenende kommen meist Familien mit ihren Kindern und begeistern sich in den wunderschönen alten Räumen für die mineralische und biologische Geschichte der Erde und des Universums.
Die über 30 Millionen Exponate des Museums sind zwar nicht alle ausgestellt, aber der interessierte Besucher kann einen grossen Teil der Mineralien, Fossilien, Dinosaurier und präparierten Tiere begutachten.
Interaktiv ist jedoch nicht nur der Saal mit den Skeletten der Dinosaurier der Jura-Zeit, sondern auch ein Raum, in dem man sich auf einen Sessel legt und an der Decke in einem sieben Minuten langen Film den Urknall und die Entstehung der Planeten erklärt bekommt. Das ist neben dem Dinosauriersaal der Hit bei kleinen Kinder.
Das Tolle an dem Museum ist aber nicht nur, dass die Exponate, wie die Dinosaurier und die präparierten Tiere, wie die Zebras, Löwen, Antilopen, Rehe, Nilpferde, Vögel, Leoparden, Tiger, Zebra quagga, der Gorilla Bobby etc. eine Armlänge entfernt kindgerecht ausgestellt sind. Auch können schmuckbegeisterte Frauen die Ursprünge und die Rohform ihrer Edel- oder Halbedelsteinen begutachten. In den denkmalgeschützten Vitrinen blinken und funkeln nur so Diamante, Quarze, Malachite, Silber, Gold, Topas, etc.
Und wenn man dann immer noch nicht genug von dem Museum hat, kann man auch für ein Exponat eine Patenschaft übernehmen, wie z.B. für den Diamanten aus Südafrika für eine Patengebühr in Höhe von 1000 €. Das wäre doch mal ein Weihnachtsgeschenk!


Museum für Naturkunde
der Humboldt-Universität zu Berlin

Invalidenstrasse 43
10115 Berlin
www.museum.hu-berlin.de

Samstag, 15. Dezember 2007

Grandiose Mutter Courage und ihre Kinder

GRANDIOS, GRANDIOS und nochmals GRANDIOS!
Andere Worte fallen einem einfach zu der Theateraufführung von Bertolt Brechts
"Mutter Courage und ihre Kinder"
im Berliner Ensemble nicht ein.
Das etwa zweieinhalb Stunden lange Stück, dessen Premiere am 26. November 2005 war, ist nicht nur äusserst kurzweilig und anspruchsvoll, sondern auch mit Witz und Ironie von Claus Peymann inszeniert.
Die Mutter Courage ist eine mit einem Wagen herumziehende Händlerin, die vom Krieg lebt. Pfiffig wie sie ist, versteht sie es, ihre Waren zum richtigen Zeitpunkt an die Leute zu verkaufen. Friedenszeiten sind für sie aus Geschäftszwecken ein Graus. Mit ihr zusammen ziehen ihre drei Kinder.
Soviel Mutter Courage ein Händchen fürs Geschäft hat, soviel Pech hat sie in ihrem privaten Leben. Der Krieg nimmt ihr in Abständen sowohl ihre beiden Söhne, Eilif (von Thomas Niehaus gespielt) und Schweizerkas (von Michael Rothmann gespielt) als auch ihre stumme Tochter Kattrin (von Christina Drechsler gespielt). Alle drei werden getötet und sie bleibt alleine zurück und muss ihren Wagen - in Friedenszeiten verarmt und Hunger leidend - alleine ziehen.
Einmalig und grandios wurde die Mutter Courage von Carmen-Maja Antoni gespielt. Besonders beeindruckend ist es, wie Antoni den innerlichen und äusserlichen Verfall der Mutter Courage darstellt. Die starke durch nichts einzuschüchternde Kauffrau und das Muttertier verwandelt sich, immer mehr durch die Tode ihrer Kinder gezeichnet, in eine gebrochene, alte Frau. Zu Beginn noch pfeifend und tatkräftig, verliert sie immer mehr ihre Lebenskraft, fängt an zu trinken und ist eine mittleiderregende Mutter, die für ihre Kinder ihr Leben gegeben hätte - wenn sie denn könnte.
Nicht minder eindrucksvoll waren auch die darstellerischen Leistungen von Christina Drechsler, die die stumme Kattrin gespielt hat. Drechsler schaffte es mit ihrer Mimik und Gestik das herzerreissende Leiden eines stummen Mädchens so glaubwürdig zu spielen, dass das Publikum zu Tränen gerührt war.
So verwundert es nicht, dass die Zuschauer am Ende begeistert in Applaussstürme ausbrachen und die Darsteller mit minutenlangen Ovationen ehrten.
Das ist wahres Theater, grandios inszeniert!

Berliner Ensemble
Bertolt-Brecht-Platz 1
10117 Berlin

Tel. 030 - 28 408 0
Kartentelefon: 030 - 28 408 155

www.berliner-ensemble.de

Aronia - Das Buch....und was man aus dem Saft machen kann

I. Aronia, das Buch
Aronia
- auf Deutsch Apfelbeere, auf Russisch Рябина черноплодная, auf Polnisch Aronia czarna und auf Englisch Chokeberry - ist ein in Deutschland bisher nur vereinzelt angebautes Kernobst. Um diesen attraktiven Zierstrauch oder Baum in den westeuropäischen Kreisen ein wenig bekannter zu machen, haben sich Sigrid Grün und Jan Neidhardt hingesetzt und alles Wissenswerte über die Aronia in einem kleinen und feinen Büchlein niedergeschrieben, welches kürzlich herausgekommen ist:
ARONIA - Unentdeckte Heilpflanze
In diesem Buch wird nicht nur auf die biologischen Besonderheiten der Apfelbeere, seine aussergewöhnliche medizinische Wirkung, sondern auch viele leckere Rezepte mit diesem Obst festgehalten. Interessanterweise gehört die Apfelbeere in den osteuropäischen Ländern bis hin in das ferne Sibirien zu einer absolut gängigen Obstsorte, die in allen möglichen Varianten, ob nun als Saft, Pille, alkoholisches Getränk oder zu Essen, verwendet wird.
Sachsen ist nach Aussagen von der Kelterei Walther GmbH Co. KG der letzte große Aroniastandort in Deutschland. In Schirgiswalde in der Oberlausitz, rund 50 Kilometer von Dresden entfernt, wurde Mitte der 70er Jahre die erste Aroniaplantage in der ehemaligen DDR aufgezogen. Sie ist ungefährt 16 Hektar groß. Die größte Anlage ist direkt an der Elbe bei Coswig, rund 20 Kilometer elbeabwärts von Dresden mit rund 33 Hektar Fläche. Dort wurde auch eine neue 4,5 Hektar große Fläche in diesem Herbst neu angepflanzt.

II. Aronia, der Saft - und was man damit machen kann
Bei der Kelterei Walther erhält man den Aroniasaft, der in bester Qualität - nämlich als Muttersaft - im 3 l Tetrapack mit Zapfhahn verkauft wird, damit er recht lang hält!

Was macht man nun mit dem Saft?

Trinken, klar.
Der Saft hat eine satte schwarzrote Färbung mit einem Lilastich.
In der Nase ist die Beere (eigentlich biologisch gesehen ein Kernobst) mit einem Hauch frischem Apfel und viel Gehölz dominant.
Vom Geschmack her erinnert der Saft an schwarze Johannisbeere. Wenn man statt des Saftes einen Wein beschreiben würde, müsste man sagen, dass der Saft sehr tanninreich ist. Jedenfalls ist er sehr trocken. Da der Saft auch säuerlich ist, sollte er für den täglichen Gebrauch verdünnt und eventuell gesüsst werden.

Zum einfachen Safttrinken gibt es aber auch Alternativen:

1. Vorschlag: Wild mit Aroniasauce
Die Herbst- und Winterzeit ist Wildzeit.
Warum also mal nicht aus dem Saft eine reduzierte Sauce für einen sanft im Ofen gegarten in Speck ummantelten Rehrücken machen? Hierbei sollte jedoch wiederum darauf geachtet werden, dass der Saft sehr säuerlich ist, so dass die Sauce ein wenig gesüsst werden sollte, damit man zum Reh eine Balance findet.

2. Vorschlag: Aroniasorbet
Statt eines Zitronensorbets kann man auch mal den Aroniasaft für ein Sorbet verwenden. Allerdings sollte man aufgrund des strengen säuerlichen Geschmacks auf die richtige Verdünnung und ggf. Zuckerung achten. Zur Verfeinerung und für eine zusätzliche leichte Säure ist auch die Zugabe von Basilikum und Limette möglich.

Guten Appetit und zum Wohl!


Aronia - unentdeckte Heilpflanze
Verlag edition buntehunde
Regensburg 2007
72 Seiten, 9,90 Euro.
ISBN 978-3-934941-39-7.
Es ist im Buchhandel oder im Webshop der Kelterei Walther zu erwerben.


Kelterei Walther GmbH Co. KG
Am Gewerbegebiet 2
01477 Arnsdorf bei Dresden
www.walthers.de

Donnerstag, 13. Dezember 2007

Eat Pray Love

EAT PRAY LOVE - dieser Titel eines Buches von Elizabeth Gilbert hörte sich sehr vielversprechend an.
Wenn man die Geschichte einer dreissigjährigen - aus europäischer Sicht klischeehaften - Amerikanerin, die nach einer traumatischen Scheidung auf Selbstfindungskurs durch Italien, Indien und Indonesien tingelt, lesen möchte, dann ist man bei diesem Buch genau richtig.
Besonders typisch amerikanisch ist an diesem Buch, dass alles was die Protagonistin macht, unbedingt extrem sein muss. Ihr sexuelles Leben in New York war extrem, ihre während der Ehediskrepanzen gefundene Religiosität war extrem, ihre Essens-Genusssucht in Italien war extrem, ihre ihr selbst auferlegte sexuelle Enthaltsamkeit war extrem und ihr meditatives Leben in einem indischen Ashram war extrem. Erst in Indonesien fand sie dank des Brasilianers Felipe und des Medizinmannes Ketut nicht nur das Mittelmaß, sondern auch ihr inneres Gleichgewicht wieder.
Das Buch liest sich sehr leicht und flüssig und die Autorin versteht es auch, über sich und ihre Umgebung lachen zu können. Viele Passagen sind einfach amüsant formuliert.
Auf der anderen Seite sind gerade die Abschnitte, in denen Gilbert über ihre religösen Erscheinungen, ihre Yoga-Meditation, ihren Guru Swamiji und ihre Multireligiosität (Christentum, Buddhismus und Hinduismus) berichtet, nicht nach jedem Geschmack.
Wer sich daher en detail für verschiedene Yoga- und Mediations-Praktiken interessiert, wird bei diesem Buch auf seine Kosten kommen. Wer hierfür weniger Interesse hat, kann sich über die lustigen Geschichtchen, die Gilbert bei ihrem enthaltsamen Selbstfindunsjahr passieren, amüsieren.

Elizabeth Gilbert
EAT PRAY LOVE
Bloomsbury Berlin
1. Aufl. 2006
Berlin

Mittwoch, 12. Dezember 2007

Berlin in SAVEUR

Mittlerweile wird Berlin auch in den fernen USA immer populärer.
Nicht nur in New York ist dank einer gross angelegten Werbekampagne Berlin als neue pulsierende Metropole bekannt geworden.
USA-weit kann man in der neuesten Ausgabe (Number 107) der Zeitschrift SAVEUR über das neue kulinarische und weihnachtliche Berlin auf elf Hochglanzseiten mit wunderbaren Fotos lesen.
Ursula Heinzelmann, die Ehefrau von Stuart Pigott, beschreibt in diesem Artikel ihre Vorbereitungen in Berlin auf ein Weihnachtsessen u.a. mit Werner Blanck, Peter Klann und Stuart Pigott. Sympathischerweise wird gerade nicht von den kommerziellen Weihnachtsmärkten und den super tollen und grossen Kaufhäusern berichtet, sondern das kleine feine Kiezleben im Westen der Stadt beschrieben.
Als Weihnachtsessen-Rezepte werden Rübchen mit Entenschenkeln, Gratinierte Austern auf Sauerkraut, Rotkohl und Rotweingelee mit Schlagsahne vorgeschlagen.
Das Schöne an diesem Artikel ist, dass den Gourmets in den fernen USA bewusst gemacht wird, dass auch in dem fernen, unverständlichen und geschichtlich belasteten Berlin auch eine Art Bohéme wohnt, die sowohl Traditionen, gutes Essen, guten Wein und schöne Acessoires liebt.
Berlin kann sich nach diesem Artikel auf einen Ansturm von US-amerikanischen Gourmettouristen gefasst machen!

Weinrallye # 6

Nur noch wenige Tage und die nächste Flut von Weinrallye-Berichten zum Thema Schaumwein wird das Internet überschwemmen, oder?
Am 18. Dezember 2007 ist es bei Lars Breidenbach vom schreiberswein wieder soweit:
"Mit welchem Schaumwein feiert ihr ins neue Jahr?"
Jeder kann mitmachen, ob mehr oder weniger blutige Laie oder Profi.... alle können ihre Erfahrungen und Erlebnisse zu dem Thema beschreiben.
Wie, erfährt man beim winzerblog.
Und das beste ist, es kostet nix, ausser den selbst gesuchten und selbst erworbenen oder vielleicht auch selbstgemachten(?) Schaumwein!!!

Indische Restaurantketten auf dem Vormarsch

Seine ersten Schritte auf dem Weltmarkt hat Indien nicht unbedingt auf dem IT-Markt gemacht. Erstes Exportgut der neueren Zeit war wohl eher die indische Küche, die von Großbritannien aus sich allmählich in ganz Europa ausbreitete.
Mittlerweile finden dank Bollywood indische Restaurants immer mehr Zulauf von jung und alt.
Die ursprünglichen indischen Restaurants, die noch einen miefigen und verstaubten Charme haben, sterben immer mehr aus. Auf dem Vormarsch ist die neue Generation von Erlebnisrestaurants - wie das Amrit in Berlin. Mittlerweile als eine Kette organisiert, findet man diese Restaurants in vielen Szene-Stadtteilen Berlins. Während in der Oranienburger Straße die meisten Gäste Touristen sind, hat man sowohl am Winterfeldplatz als auch in der Oranienstraße seine Ruhe und kann das leckere Essen geniessen.
Mittags gibt es regelmässig wechselnde günstige Specials, die aus einer Suppe, einem Salat und einem Hauptgericht bestehen.
Mein Lamb korma war wie angekündigt sehr mild und reichhaltig. Der Chai war für meinen Geschmack zu stark gesüsst, aber sonst sehr lecker. Das Batura-Brot war zwar auch lecker, aber der Teig war zu dick und fest. Ein lockeres, mit der rechten Hand abreissen, war daher kaum möglich. Auch war das Brot aufgrund seiner Dicke schwer als Gabelersatz zu benutzen, so dass man dann doch auf die europäische Messer- und Gabel-Variante zurückgreifen musste.
Die Küche ist eben auf den europäischen Geschmack und die europäischen Tischsitten abgestimmt.
Aber die indische Bedienung und die kitschige und farbenfrohe Einrichtung helfen sehr, die graue und kalte Berliner Jahreszeit zu vergessen und sich an den manchmal recht scharfen Gewürzen zu erhitzen. Der in sich ruhende Buddha und die indischen Götter in den Waschräumen fördern schlussendlich das Wohlbefinden und ermöglichen auch ohne Yoga und Meditation eine innere Ausgeglichenheit.

Amrit - Restaurant
Winterfeldstraße 40
10781 Berlin
Öffnungszeiten: 12 am - 1am
www.amrit.de

Dienstag, 11. Dezember 2007

Mein bester Freund

Ein Kinobesuch ist immer etwas Besonderes.
Insbesondere, wenn man es sich nach einem Spaziergang in der winterlichen Jahreszeit in großen und gemütlichen Sesseln vor einer riesigen Leinwand bequem machen kann.
Und dann auch noch ein Film gezeigt wird, der nicht nur amüsant ist, sondern anspruchsvoll und dennoch auf lockere Weise das wichtigste, was ein Mensch in seinem Leben braucht - nämlich Freundschaft - , thematisiert.
In Mein bester Freund (Originaltitel: Mon meilleur ami) von dem Regisseur Patrice Leconte wird der Galerist François, der von Daniel Auteuil gespielt wird, damit konfrontiert, dass er keinen besten Freund hat. Angespornt von seiner Geschäftspartnerin geht er eine Wette ein, dass er innerhalb von 10 Tagen seinen besten Freund präsentiert. Wetteinsatz ist eine antike Vase im Wert von über 200.000 €. Zuerst ziemlich zuversichtlich klappert er Geschäftsfreunde und alte Klassenkameraden ab, die ihn allerdings gnadenlos abblitzen lassen. Nach und nach merkt er, dass er es nie erlernt hatte, Freundschaften zu schliessen. Er ist einfach sozial inkompatibel. Verzweifelt wendet er sich an den Taxifahrer Bruno (Dany Boon), der ihn aufgrund seiner offenen, kommunikativen Art als der ideale Lehrmeister im Freundschaftenschliessen erschien. Dass schlussendlich gerade Bruno, der sich fast sein ganzes Leben darauf vorbereitet hatte, in Quizsendungen aufzutreten, sein wahrer und bester Freund wird, erahnte François zu dem Zeitpunkt noch nicht.
Der Film ist gerade in einer Zeit, in der der Familienzusammenhalt immer lockerer wird und Freundschaften als Ersatz für ein nichtvorhandenes Familienleben herhalten müssen, sehr zu Herzen gehend.
Der Film macht einem auf charmante Art und Weise klar, dass man Kollegen oder Geschäftspartner nicht mit Freunden verwechseln darf und sich die Freundschaft von Menschen nicht erkaufen kann, sondern jedesmal von Neuem erarbeiten muss. Es gibt für Freundschaften keine Formel, sondern sie kommt von Herzen. Wie die Liebe.

Sonntag, 9. Dezember 2007

la fraise rouge

Der Gang über die Weihnachtsmärkte ist gerade in der schneearmen Vorweihnachtszeit Pflicht, um sich ein wenig in weihnachtliche Stimmung zu bringen. Gerade der Geruch von Zimt, Glühwein und Tanne vermittelt einem ein wenig die Illusion, dass bald der Weihnachtsmann vor der Haustür steht und Geschenke bringt.
Und ungewöhnliche und einzigartige Geschenke kann man gerade auf Weihnachtsmärkten in Berlin wunderbar finden.
Ein kleiner, aber feiner Markt, der nicht nur die Nachbarschaft, sondern auch Besucher aus anderen Bezirken begeistert, ist der alljährlich stattfindende Weihnachtsmarkt am Mexikoplatz in Zehlendorf.
Viele Künstler und Handwerker bieten hier ihre Waren an. Den sonst üblichen kommerziellen Kram wird man hier kaum finden.
Der Markt wird daher von individuellen Jungunternehmern genutzt, um ihre sonst nur über das Internet erhältlichen Waren einem breiteren Publikum anzubieten.
Eine dieser, wie von der heutigen Welt am Sonntag bezeichneten Minifirmen, ist la fraise rouge der beiden Berliner Designerinnen Manuela Tesic und Ariane Dykiert. Die märchenhaften Taschen, Shirts, Bodies, Spieluhren, Schesel (ein Stofftiermix aus Schaf und Esel), Kissen und vieles andere Nützliche für Baby, Kind und Mutter werden von den beiden attraktiven jungen Damen in Eigenregie hergestellt und weltweit - zumeist über das Internet - verkauft. Und diese Weihnachten eben auch auf dem Weihnachtsmarkt am Mexikoplatz.
Und weil alles in liebevoller Handarbeit hergestellt wird, können und sollen Kunden auch eigene Wünsche äussern. So erhalten Geschenke für die Liebsten - verziehrt mit dem Namen - einen persönlichen Zug. Das ist doch mal ein individuelles Geschenk! So läuft der liebe kleine Nachwuchs nicht mit den selben und in den selben Sachen herum wie alle anderen!

Konditorei Auguszt

Es ist nicht schwierig in Budapest eine Konditorei oder ein Café ausfindig zu machen, in der man seine Energiereserven in Form von kalorienhaltigen Leckereien auftanken kann.
Ein kleiner Geheimtip ist jedoch die Auguszt cukrászda, die etwas abseits der üblichen Touristenwege im II. Bezirk, versteckt hinter einem großen Einkaufszentrum liegt. Die Konditorei existiert schon seit 1870 und bietet seine Köstlichkeiten nicht nur zum Ausserhaus-Verkauf an. In der zweiten Etage kann man auch ganz gediegen und in herrschaftlichem Ambiente die phantastischen Torten und andere sündhaften Kleinigkeiten essen und sich wie zu Kaisers Zeiten fühlen.
Besonders zur Weihnachtszeit finden die Bejgli, für die die Konditorei berühmt ist, reissenden Absatz. Bejgli sind Teigrollen, die entweder mit einer Mohn- oder Walnussmischung gefüllt sind und traditionell zum Weihnachtsessen serviert werden.
So ist es nicht unwahrscheinlich auch mal eine ungarische Prominenz in dem Laden zu treffen, die sich gerade zur Weihnachtszeit mit den Hausspezialitäten eindeckt. Wenn man denn die Stars der ungarischen Szene erkennt.....

Auguszt cukrászda
1024 Fény utca 8
Budapest
www.augusztcukraszda.hu

Samstag, 8. Dezember 2007

Indiai Étterem

Die meisten Ungarn vermeiden es, in Restaurants mit heimischer Küche zu gehen, weil ihnen diese einfach zu schwer und fettig ist. Wenn man daher so wenig wie möglich Touristen treffen möchte, sollte man es mit den Ungarn halten und in deren Lieblingslokale gehen.
Von der ungarischen Künstlerin Rózsa Raab, die Gobelins herstellt, wurde wärmstens ein indisches Restaurant empfohlen, welches ein wenig versteckt in einer kleinen Seitenstraßen nähe vom Oktogon - fussläufig entfernt vom Opernhaus - liegt.
Das Indigo bietet in eleganter und nicht überladener Atmosphäre variantenreiche indische Küche an. Man kann auf zwei Ebenen speisen, entweder im oberen Stock in Sesseln oder unten im Restaurantbereich an Tischen oder an der Bar.
Als Vorspeise wurden kleine fritierte vegetarische Appetizers mit zwei verschiedenen dips serviert, die angenehmerweise nicht vor Fett trieften. Gefüllt waren die Teilchen entweder mit Bohnenmischungen, Käse oder Zwiebelfüllungen.
Als Hauptspeise ist das Chicken Korma sehr zu empfehlen. Obwohl die Portion sehr üppig war, nimmt man sich einfach die Zeit alles aufzuessen, weil es schlicht und einfach lecker ist.
Die freundliche ungarische Bedienung ist dabei so höflich und serviert bei Bedarf gerne Tees, Säfte und Lassis und beantwortet gerne jede noch so blöde Frage auf ungarisch, englisch oder hindi.
Als Dessert und auf Einladung des Hauses wurde dann ein phantastisches Eis mit Mandeln und Pistazien serviert.
Gesättigt, kugelrund und glücklich verlässt man das Étterem und begibt sich auf neue Entdeckungstouren durch Budapest.
Köszönöm Indigo!

Indigo
Indiai Étterem
1066 Budapest,
Jókai utca 13
www.indigo-restaurant.hu

Freitag, 7. Dezember 2007

Kunstmarkt im Iparművészeti Múzeum

Wie auch in anderen europäischen Städten haben auch in der Vorweihnachtszeit die Kunstmärkte auf den Strassen und in den Museen Budapests Hochkonkjunktur.
Ein besonders grosser und angesehener Kunstmarkt öffnete heute im Kunstgewerbemuseum Budapests und wird noch bis Sonntag (07.12. bis 09.12.2007) den Besuchern von 10 bis 17 Uhr Gelegenheit geben, das eine oder andere Weihnachtsgeschenk zu kaufen. Neben unzähligen mehr oder weniger hübschen oder nützlichen Sachen, kann man auch der im grossen Atrium aufgeführten Musik samt Gesang lauschen und dabei leckere Kuchen oder andere Teilchen mit Kaffee verdrücken.
Die zum Verkauf angebotenen Sachen umfassen u.a. Kleidung, Schmuck, Porzellan, Taschen, Kopfkissen, Weihnachtsschmuck und alle möglichen anderen Sachen und Nippes, die nicht unbedingt jedermanns Geschmack sind.
Und wenn man vielleicht nicht fündig wird, kann man sich einfach das architektonisch beeindruckende Museum anschauen, in dem in der ständigen Ausstellung Möbel, Kunst, Geschirr und religiöse Gegenstände sämtlicher Epochen ausgestellt werden.
Das Museum selber wurde 1896 im Jugendstil von Ödön Lechner erbaut und gilt als eines der schönsten öffentlichen Gebäude Budapests.
Gerade bei diesem Gebäude wird besonders deutlich, dass die türkische Zeit gravierende Spuren in Ungarn hinterlassen hat, die sich insbesondere in der hellen, luftigen und zierreichen Architektur bemerkbar gemacht haben.
Es leben die türkisch-persischen Wurzeln Ungarns!

Iparművészeti múzeum
Budapest, IX,
Üllői út 33-37

Ferenc Liszt in Budapest

Das kulturelle Leben Budapests haben nicht nur die Künstler und Architekten geprägt. Was wäre die Stadt ohne den Czárdás und die musikalischen Genies, die das ungarische und österreichische Leben mit Musik leichter machten.
Einer dieser Genies war Ferenc Liszt (1811 - 1886), der seine letzten sechs Lebensjahre in Budapest verbrachte und hier in einem kleinen Appartment in der Alten Musikakademie wohnte, in dem er auch Unterricht gab.
Diese Wohnung, die in der Vörösmarty utca 35, Ecke Andrássy út liegt, ist heute zu einem Museum umgebaut und gibt dem Besucher einen Eindruck, in welcher Atmosphäre dieser geniale Komponist lebte agierte. Besonders auffällig sind die zahlreichen Flügel und Pianos, die in den Räumen stehen.
Einen Vorläufer des Computertisches hatte der Flügel- und Pianohersteller Bösendorfer für Liszt damals hergestellt: einen wundervollen grossen Schreibtisch, bei dem man aus einer Art unter der Tischplatte angebrachtem Schubfach ein kleines Piano herausziehen kann - fast so als ob man die Tastatur eines Computers bedienen möchte. Einfach der perfekte Schreibtisch für einen Komponisten!
Dieses kleine, aber feine Museum ist leider selbst den Ungarn meist unbekannt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich hauptsächlich asiatische Touristen hierher verirren, die ein wenig den Hauch der klassischen europäischen Musik schnuppern wollen.

Liszt Ferenc Emlékmúzeum
Budapest, VI,
Vörösmarty utca 35

Kogart Ház

Wer nach Budapest kommt, der hat einiges zu tun. Das Ablaufen der üblichen touristischen Ziele nimmt sehr viel Zeit in Anspruch.
Wenn man allerdings ein wenig Interesse für Kunst hat, sollte man sich nicht die zahlreichen Museen in der Stadt entgehen lassen.
Sehr sehenswert ist in jedem Fall das erst kürzlich restaurierte Kogart Ház in der Andrássy út 112, welches von dem Stifter und Geschäftsmann Gábor Kovács gegründet wurde.
In der Villa, in der auch im Erdgeschoss ein exzellentes Restaurant seine Besucher verwöhnt, wird in den oberen Etagen die Sammlung alter und zeitgenössischer Werke ungarischer Künstler gezeigt. Auch wenn dem durchschnittlichen Besucher die meisten Künstlernamen kaum etwas sagen werden, bringen die Bilder einem die ungarische Kultur näher. Neben Gemälden werden auch Zeichnungen auf Glas und eine Art Wandteppich gezeigt.
Dadurch, dass nur wenige Besucher sich in die Ausstellungsräume verirren, kann man unbeschwert und ungestört lange vor den Bildern verweilen, die zum Teil aus der Zeit des Rokoko bis zur heutigen Zeit stammen.

Kogart Ház
Budapest, VI,
Andrássy út 112
www.kogart.hu

WineCafé - die Geschäftsidee schlechthin!

Die neu hinzugekommenen osteuropäischen Länder der EU sprühen nur so vor Tatendrang. Besonders auffällig ist dies im gastronomischen Bereich, der zu sozialistischen Zeiten doch recht stiefmütterlich behandelt wurde.
In der ungarischen Hauptstadt Budapest öffnet momentan ein Lokal nach dem anderen.
Zahlreiche Touristenfallen locken den ahnunglosen Budapestbesucher und ziehen einem so das Geld aus der Tasche. Auf der anderen Seite öffnen mehr und mehr auch coffeeshops, cafés, Bars und Restaurants, die jeder anderen westeuropäischen Stadt definitiv Konkurrenz machen.
Eine dieser tollen gastronomischen Geschäftsideen ist das Wine & Coffee House, welches erst im Februar 2007 öffnete und in der Andrássy út schräg gegenüber der Oper gelegen ist.
Morgens ab 7.30 Uhr ist der Laden als Coffeeshop geöffnet und bietet dem Besucher in einer angenehmen stylischen Atmosphäre neben Kaffee auch kleine Snacks. Um die Mittagszeit herum verwandelt sich der Coffeeshop immer mehr in eine Weinbar, in der man bis in die späte Nacht über 50 verschiedene Weine aus aller Welt glasweise trinken kann. Zur Weihnachtszeit werden auch verschiedene Glühweine angeboten, die alle hinter der Bar auf einer Kochplatte in grossen Kochtöpfen zubereitet werden. Besonders lecker und angenehm mild ist der Glühwein mit einer Studentenfuttermischung aus Haselnüssen, Mandeln, Cashewkernen und Rosinen.
Die überaus freundliche Bedienung berät den Gast gerne auch bei der Wahl der Weine.
Insbesondere bei den ungarischen Weinen ist es schwer einen Wein zu finden, der auch den westeuropäischen Geschmacksnerv trifft.

1.
Ungarn, Egri
Rébus Cuvée, 2003
25 % Kékfrankos,
25 % Cabernet Sauvignon,
25 % Cabernet Franc,
25 % Merlot
Dieser leichte Rotwein aus der Gegend Egri stammt von dem Produzenten Thummerer Pincészet.
Farblich geht der Wein ins Schwarzrot mit einem Violettstich.
In der Nase erinnert der Wein witzigerweise an weisse Schokolade und Erdbeeren gewürzt mit schwarzem Pfeffer.
Auf dem Gaumen ist dann der tanninreiche Wein sehr frisch und leicht. Der Alkohol drängt sich jedoch leider manchmal zu sehr in den Vordergrund, so dass die Frucht es etwas schwer hat, zur Geltung zu kommen. Nach mehrmaligen Nachschmecken kam dann auch ein Hauch von Karamell hervor, der wohl jedoch mehr erahnt als geschmeckt werden konnte.
Der Abgang ist dann etwas verhaltener und hinterläßt keinen bleibenden Eindruck.
Und dennoch ist es ein annehmbarer Wein, der tagsüber zu einem Essen getrunken werden kann ohne störend auf die Speisen zu wirken.

2.
Ungarn, Villány
Capella Cuvée, 2003
Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon
Der zweite Wein kommt aus einer anderen Region Ungarns, nämlich aus Villány.
Dieser Rotwein ist auch um einiges komplexer als der Vorgänger.
Farblich ist der Wein ebenfalls schwarzrot bis violett.
In der Nase kommen dann aber viel interessantere Noten ins Spiel: Blaubeere, schwarze Johannisbeere, leichte gesüsste Mandeln und spannenderweise auch gebratenes Fleisch (keine Angst, das waren nicht die Küchengerüche! Schon deshalb nicht, weil das Lokal auch keine richtige Küche hat!).
Der Gaumen wurde dann ebenfalls mit den verschiedensten Geschmackstönen aufs Schärfste herausgefordert: Kokos vermixte sich mit Minze, Vanille und Süsskirsche.
Der Abgang war dann zwar wieder nicht sehr in Erinnerung bleibend.
Im Grossen und Ganzen hat dieser Wein jedoch einen besseren Eindruck aufgrund seiner Komplexität hinterlassen.
Einen bleibenden Eindruck hat jedenfalls das WineCafé hinterlassen, das mit seiner freundlichen und attraktiven Bedienung jedem Gast das Gefühl gibt, willkommen zu sein.

The ultimate WineCafé
1061 Budapest
Andrássy 15
Tel. +36-1-3270100

A Diótörő oder besser bekannt als Der Nussknacker

Budapest.... k.u.k....wo kann man die Luft der alten kaiserlichen und königlichen Zeit besser schnuppern als in der prächtigen Ungarischen Staatsoper?
Pünktlich zur Weihnachtszeit präsentierte am Nikolaustag das Magyar Állami Operaház das Ballett A Diótörő (bekannt unter dem Titel Der Nussknacker).
Das Ballett, das insbesondere Kinder mit der Geschichte von E.T.A. Hoffmann in den Bann zieht, verführte den Zuschauer in die weihnachtliche Traumwelt der Tochter Marie, die in ihren Träumen mit ihrem Nussknacker unzählige Abenteuer erlebte. Übergroße Mäuse und Puppen erschienen neben geheimnisvollen Bauchtänzerinnen, feurigen Flamencotänzerinnen, lustigen chinesischen und lebensfrohen russischen Tanzpaaren. Daneben wurden zusammen mit dem Nussknacker, der sich zum weissgekleideten wunderschönen Prinzen verwandelte, Reisen über das Meer vorgenommen.
Schlussendlich endete das wundervolle Märchen damit, dass das Mädchen Marie von ihrer Gouvernante geweckt wird und glückstrahlend ihren kleinen Nussknacker umarmte.
Das Ballett faszinierte den Zuschauer nicht unbedingt mit hervorragenden tänzerischen Leistungen, sondern eher durch die märchenhaften Kulissen. Von allen Seiten hörte man nur ein Ah! und Oh!, wenn sich die Bühne wieder verwandelte.
Im Gegensatz zu den professionellen Tänzerinnen haben die jungen Balletteleven mit hervorragenden Leistungen geglänzt. Eine zahlreiche Schar junger Ballettschüler begeisterte nicht nur aufgrund ihres tänzerischen Könnens, sondern auch wegen ihrer schauspielerischen Fähigkeiten.
Die Leistungen der erwachsenen Tänzer waren leider zum grössten Teil mehr als durchwachsen. Einige Ballerinen hatten definitiv einige Kilos zu viel, sprangen unkoordiniert über die Bühne oder hatten Probleme mit dem Biegen ihrer Oberkörper.
Einzig die Solistin Aleszja Popova faszinierte mit ihren wunderschönen langen Beinen, ihrem grossen Schritt und ihrem leichten Sprung.
Auch wenn vielleicht nicht alles perfekt war, so ist jedoch die Aufführung vom Nussknacker jedem zu empfehlen, der sich in eine kindliche Traumwelt versetzen und dabei aufgrund des fehlenden Schnees in weihnachtliche Stimmung kommen möchte. Hinzu kommt, daß man sich in den majestätischen Logen als Königin fühlen kann und mit einem erhabenen Gefühl und auf Wolken schwebend das Opernhaus verlassen kann. Vielleicht kommt ja in den nächtlichen Träumen der Nussknacker-Prinz vorbei und nimmt einen mit zu Abenteuerreisen?

Magyar Állami Operaház
1061 Budapest, VI.,
Andrássy út 22

Sonntag, 2. Dezember 2007

Kulinarischer Ausflug nach Sardinien

Milena Agus Buch "Die Frau im Mond" regte mich an, mich näher mit der italienischen Insel Sardinien zu beschäftigen. Insbesondere die kulinarische Seite interessierte mich, da meines Erachtens gerade die Küche einen wichtigen Schlüssel zu einer Region darstellt.
Viele hervorragende Weine werden auf der wenig beachteten Insel produziert und die Küche ist herzhaft und deftig. Man könnte auch sagen, die sardische Küche ist bodenständig und ehrlich. Besonders wichtig ist es daher, Lebensmittel von hervorragender Qualität zu benutzen, damit gerade der den Produkten innewohnende eigene Geschmack sich beim Kochen voll entfalten kann.
In Deutschland sind typisch sardische Lebensmittel etwas schwieriger zu erwerben, aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Die gut sortierte Salumeria von Pino am Stuttgarter Platz in Berlin hilft da einem schon weiter.
So kann man da neben dem Pecorino Sardo und sardischem Wein auch ein typisches Trockenbrot, das Pane Carasatu von Giulio Bulloni von der Insel erwerben. Den gesalzenen Brotfladen kann man dann entweder pur zum Essen anbieten oder auch nach Belieben weiterverarbeiten.
Zum Einsteigen in die sardische Küche ist das Zubereiten von Culingionis (auch culurgiones oder culurcones genannt), eine Art von Ravioli mit einer Käse-Kartoffel-Füllung, perfekt. Zu der dazu zubereiteten leichten Tomatensauce passt ein Costera von Argiolas hervorragend, der aus der Traube Cannonau gekeltert wird. Die Traube wird in Frankreich auch Grenache noir oder in Spanien Garnacha genannt.

Italien, Sardinien
Argiolas
Costera 2003
Cannonau di Sardegna DOC, 13,5 % vol.

Die Farbe des Weins geht fast ins schwarzrote und ist sehr intensiv.
Das Bouquet ist zu Beginn sehr verhalten. Nach einer Weile kommen dann aber die erdbezogenen Töne gemixt mit Johannisbeere hervor. Spannend wird's nach dem dritten Riechen....plötzlich hat man Assoziationen von Äpfeln und Litchi! Seltsam, wenn man gerade an einem roten Wein riecht, es ist aber durchaus nicht unangenehm.
Am Gaumen ist der Wein dann rund und intensiv im Geschmack. Leichte Tannine und ein leises Holzaroma geben dem Wein den nötigen Charakter, ohne jedoch den Beerengeschmack, der in Richtung Blaubeere geht, zu unterdrücken.
Der Abgang ist dann lang, hat aber wenig Überraschungen auf Lager.
Vermutlich liegts daher auch daran, dass dieser Wein als Einsteiger-Wein gilt. Und dennoch ist er ein hervorragender Essenbegleiter, der sich nicht aufspielt, sondern sich bescheiden dem Essen anpasst.
Der kleine sardische Abend war dank des angenehmen Weins und der Culingionis ein voller Erfolg und ermutigte einen, sich auch in Zukunft mit den regionalen kulinarischen Genüssen Sardiniens zu beschäftigen.

Peking Ente

Das unscheinbare Restaurant "Peking Ente" in der Voßstraße Ecke Wilhelmstraße in Berlin Mitte ist sicherlich nicht durch seine Einrichtung oder seine Lage berühmt geworden. Eher dadurch, dass nationale und internationale Prominenz das Lokal aufgrund seiner chinesichen Küche regelmässig aufsucht. Erst im Sommer 2007 feierte Barbara Streisand hier ihren Hochzeitstag.
Und dennoch ist das Restaurant mehr als bodenständig geblieben, sowohl was die Einrichtung angeht als auch die Preise. Das Interieur ist genauso, wie man es von jedem anderen chinesischen Restaurant auch kennt.....man könnte es fast als eine Art Marketing bezeichnen. Egal in welches chinesisches Restaurant man in Deutschland geht, man weiss von Anfang an wie es innen aussieht. Überraschungen sind dahingehend wirklich selten.
Das Essen unterscheidet sich jedoch zum Teil von dem was man sonst in chinesischen Lokalen vorgesetzt bekommt. Man bekommt zwar auch sein Hühnchen kross gebacken in süss-saurer Sauce und seine gebackene Banane.
Aber viel spannender sind die Gerichte, die vom Koch empfohlen werden. Zum Teil werden dabei Gewürze verwendet, die man ansonsten nur aus der arabischen oder indischen Küche kennt, wie z.B. Koriander und Bockshorn. Das mit diesen Kräutern gewürzte Schweinefilet war dann so scharf, dass der später getrunkene Ingwertee wie mildes Öl die Kehle herunterlief.
Gerade die chinesische Küche ist so vielfältig, dass man sich nicht mit den Standardgerichten zufrieden geben, sondern tatkräftig neue Geschmacksrichtungen entdecken sollte. Die Peking Ente ermöglicht es, dem an die europäische Küche Gewohnten, auf behutsame Art und Weise neugierige Schritte in unbekannte geschmackliche Richtungen zu gehen. Guten Appetit!

Peking Ente
Voßstraße 1
10117 Berlin
Tel. +49.(0)30.2294523
www.peking-ente-berlin.de

Samstag, 1. Dezember 2007

Mister Hu und der Westberliner

Der westliche Teil Berlins ist nach der Wiedervereinigung und dem darauffolgenden Prenzlauer Berg- und Mitte-hype ein wenig in Vergessenheit geraten. Die "Westberliner" sind still und heimlich in den alten Kiezen geblieben und haben sich nicht dem Werbe-Lärm und dem "Ich bin hip, Ich wohne im coolen Prenzlberg" angeschlossen. Der typische Westberliner meidet das Protzen und scheut alles, was irgendwie den Anschein von Metropole hat. Und abends zieht er sich in die alten Kneipen, Bars, Cafés zurück, die mittlerweile seit Jahrzehnten bestehen und die er auch seit Schulzeiten kennt. Etwas neues kommt ihm nicht in die Tüte.
Daher ist es auch kein Wunder, dass viele alte gastronomische Institutionen gerade in Westberlin in einer Art Kokon überleben konnten, um allmählich peu à peu aus dem Winterschlaf wieder zu erwachen. Gerade in Schöneberg, um den Winterfeldplatz herum, gibt es unzählige Läden, die schon seit Jahrzehnten bestehen und nicht daran denken zu schliessen.
Die Bar Mister HU in der Goltzstraße existiert zwar nicht schon seit den sechziger Jahren, hat aber auch schon über 13 Jahre auf dem Buckel. Und Kratzer am Lack sind immer noch nicht zu erkennen.
Das Mister HU ist einer der Läden, das nicht durch blendende Coolness und aussergewöhnliche Einrichtung auffällt. Eher überzeugt die Bar durch die hervorragenden Cocktails, die alle mit hochwertigen Spirituosen gemixt werden. Die umfangreiche Cocktail-Liste bereitet einem die Qual der Wahl. Auch wenn so aussergewöhnliche drinks wie eine Art Zahnarzt-Cocktail angeboten werden, greifen die meisten doch zu Altbewährtem wie Mai Tai oder Long Island Ice tea. Gegeizt wird dabei weder mit den Spirituosen noch mit der Grösse der Drinks. Die Cocktails sind klassisch und ausgewogen gemixt, so dass man definitv Lust auf eine Durchprobieren der gesamten Karte bekommt. Vermutlich wollen sich auch die meisten zahlreichen Gäste durch die gesamte Cocktail-Karte trinken.
Kein Wunder, dass der Laden sich schon seit Jahren hält!

Mister HU Bar Berlin
Goltzstraße 39
10781 Berlin
Tel. +49.(0).30.2172111
www.misterhu-berlin.de



Mittwoch, 28. November 2007

Appetito Italiano

Es gibt in Berlin wohl gerade kaum einen Ort, der sich so schnell verändert wie die Umgebung des Checkpoint Charlie.
Ein Geschäft zieht nach dem anderen aus und ein. Gastronomische Lokale öffnen, um nach kurzer Zeit wieder aufzugeben und Platz für ein weiteres Restaurant zu machen. Beständigkeit ist - von seltenen Ausnahmen abgesehen - in diesen Strassenzügen um die Kochstrasse selten auszumachen.
Auf längere Zeit eingerichtet hat sich wohl das Appetito Italiano in der Zimmerstraße. Angenehm warm gestaltet ist das italienische kleine Restaurant mit den etwa 50 Plätzen. Im Vergleich mit den vielen anderen Lokalen in der unmittelbaren Umgebung strahlt das Restaurant mit den Kerzen, Spiegeln und Bildern an der Wand eine Gemütlichkeit und Ruhe aus, ohne jedoch zu vergessen, dass man hier mitten im Geschäftsviertel von Berlin ist.
Dem wird unter anderem dadurch Rechnung getragen, dass erstens ein grosser Fernsehbildschirm an der Wand Nachrichten überträgt und ausserdem Mittagsmenüs angeboten werden.
Der Jahreszeit angepasst gab es z.B. heute Salat oder Gemüsecremesuppe als ersten Gang und als zweiten Gang Gnocchi mit einer Art Hirschragout auf klein geschnippeltem Radicciosalat.
Der Salat - Rucola, Eisberg und Radiccio - kam zwar etwas lieblos mit drei Vierteln Tomaten daher, war aber frisch geschnitten und zusammengestellt und stammte nicht aus einer Tüte mit abgepacktem Salat. Bei Bedarf konnte man den Salat selber mit bereitgestelltem Olivenöl, Balsamico, Salz und Pfeffer würzen. Das dazu servierte Brot war noch als ein geschnittenes Brötchen zu erkennen, so dass man beruhigt sein konnte, dass man nicht die vom Vorgänger aufbewahrten Reste vorgesetzt bekam.
Gnocchi in der richtigen Konsistenz für ein zahlreiches Mittagspublikum herzuzaubern ist sicherlich nicht besonders einfach, da die richtige Garzeit abgepasst werden muss. Die vorgesetzten Gnocchi waren daher mehr als akzeptabel - auch wenn sie für meinen Geschmack eine Sekunde zu lang gegart wurden. Aber das sei verziehen, da das Hirschragout sehr gut zu den Gnocchi passte - und zum Glück nicht gummiartig daherkam. Pfiffig war die Idee, das ganze auf klein geschnittenem Radiccio anzurichten, da die leichten Bitterstoffe des Salats sich sehr gut mit der Schwere und leichten Süsse der Hirsch-Gnocchi arrangierten.
Ebenfalls eine gute Wahl war der sizilianische Nero d'Avola von Cantine Paolini (aus der Region Marsala im Westen Siziliens) aus dem Jahr 2005, der ein gescheiter kirschroter Tafelwein ist und zu dem schweren und würzigen Hirschgericht passte. Im Duett mit dem Hirsch, kamen die verschiedensten Aromen des Weins zum Tragen: überbackene Pflaume, Walnuss, Trockenfrüchte und Süsskirsche.
Einen wunderbaren runden Abschluss bot dann der Espresso, den man ohne die entsprechenden permanent arbeitenden Kaffee-/Espressomaschinen privat wohl so nie hinkriegen würde: klein, kohlrabenschwarz mit einer leichten Schaumkrone und dickflüssig.

Appetito Italiano
Markgrafenstraße 58
(Eingang Zimmerstraße)
10117 Berlin
Tel. +49.(0)30.47088669
Fax: +49.(0)30.47088715
email: info@appetito-italiano.de
www.appetito-italiano.de

Samstag, 24. November 2007

Australischer Coriole Sangiovese Shiraz 2004

Australien, McLaren Vale
Coriole
Contour 4, 2004
Sangiovese Shiraz
14 % vol.

Letztens wurde erst im Rahmen der 5. Weinrallye dieser Wein von hausmannskost verkostet - und ist nicht gerade positiv aufgefallen.

Coriole-Beschreibung
Spannend hat sich der Wein laut Coriole auf jeden Fall angehört, der aus 65% Sangiovese und 35 % Shiraz besteht. Er ist bei Adelaide, nordwestlich von Melbourne gewachsen und das erste Mal 2001 produziert worden.
Der 2004er Wein wurde 2006 abgefüllt.
Sangiovese wird in dieser Region schon seit 1985 angebaut.
Laut Beschreibung hat der Wein ein warmes und reichhaltiges Aroma und soll den Gaumen mit Schokolade, Süsskirsche und Zedernholz füllen.

Hausmannskost-Beschreibung
Haussmannskost's erste Assoziation war dagegen bei seiner multiple-Verkostung muffige Schublade. Eine Beschreibung, die einen nicht in Verzückung bringen konnte.

eigener Eindruck
Flasche ist mit einem Schraubverschluss verschlossen.
Farbe
des Weins ist tiefdunkelrot ins bräunliche gehend.
In der Nase ist tatsächlich ein muffiger Geruch zu erkennen, der mich allerdings weniger an Schublade, denn an feuchten, dunklen Keller erinnert.
Gaumen: Brrrr!......Säuerlich und prickelnd. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich vermuten, dass ich an einen äusserst jungen Wein geraten bin. Allerdings ohne die Erwartung, dass er noch positiv reifen könnte.
Nachdem der Wein länger atmen konnte, beruhigte er sich.
Jedoch statt Süsskirschen, blieben Sauerkirschen dominant.
Statt Schokolade kamen schwarze Pfeffertöne und Johannisbeere zum Tragen.
Allein das erdige Zedernaroma konnte nachvollzogen werden.
Im Nach-/Abgang kamen Bitteraromen hervor, die an Chinin oder auch an Ingwer erinnerten. Seltsam. Der Wein hat etwas von Hustensaft an sich.

Im Ergebnis bleibt festzuhalten, dass der Wein ein sehr eigenes Aroma hat, das vermutlich nicht allzu viele Anhänger hat und finden wird.
Schade, denn die Erwartung an den australischen Sangiovese war - auch schon ob des nicht billigen Preises - hoch geschraubt.
Schade. Schade.

Freitag, 23. November 2007

Mme. Gaborit bringt Bachelet ins Lafayette

Das Lafayette in Berlin profiliert sich immer mehr im Gourmetbereich, in dem das Unternehmen das Beste vom Besten aus Frankreich nach Berlin importiert und präsentiert.
Diesmal ist die junge und prämierte Käsefachfrau des Jahres 2007 (XXIIIème concours national du Meilleur Ouvrier de France catégorie Fromagers - M.O.F.) Laetitia Gaborit vom 22. bis zum 24. November 2007 eingeladen.
Sie hat mit ihrem Assistenten mehrere Schafs-, Kuh- und Ziegenkäsesorten des Produzenten Gabriel Bachelet mitgebracht. Bachelet ist seit 1981 Käsehersteller in Pau, der Hauptstadt von Béarn (Frankreich) und hat sich auf das Verfeinern - das Affinieren - von Käse spezialisiert.
Der Gabiétou ist zum Beispiel ein weicher und milder Kuh- und Schafskäse, der aus den westlichen Pyrenäen stammt. Der Käse ist im Mund zartschmelzend mit einem leicht karamelligen und nussigen Aroma. Gerade die hellbraune bis goldgelbe Rinde, die in Salzlösung gewaschen wurde, erinnert beim Zubeissen stark an Haselnüsse. Der Gegensatz zwischen dem nussigen und dem cremigen, butterigen und karamelligen Innenleben des Käses ist äusserst spannend und beruhigt die Geschmacksnerven.
Dagegen ist der Tomme d'Aydius - ebenfalls von Bachelet und aus den Westpyrenäen stammend - ein eleganter und doch sehr würziger Ziegenkäse. Auch dieser Käse hat ein hellbraune Rinde, die in einer Salzlösung gewaschen wurde. Allerdings hat er - wie Mme Gaborit ankündigte - eine sehr fruchtige Note. Gerade dieses Aroma ist jedoch im Gegensatz zum Gabiétou sehr appetitanregend und daher wohl weniger zum Abschluss einer Mahlzeit geeignet.
Die von Mme. Gaborit vorgestellten Käsesorten erweitern - wenn auch nur für kurze Zeit - das reichhaltige Käseangebot der Galeries Lafayette auf exquisite Art und Weise. Weitere Gastspiele und längere Aufenthalte von Bachelet-Käse sind in Berlin wünschenswert!

Donnerstag, 22. November 2007

Cupcake in Berlin angekommen!

Nach Brownies, Muffins, Bagels, etc. sind nun auch die Cupcakes nach Berlin an den Zionskirchplatz gekommen!
Unter cupcakes versteht man kleine Küchlein aus einem leichten Rührteig, die mit einer reichhaltigen Creme verziert sind und in Papierförmchen gebacken und angeboten werden. Berühmt sind die Cupcakes unter anderem geworden, weil die In-bakery Magnolia in der Bleecker st. in New York mit grösstem Erfolg die verschiedensten Cupcakes produziert und verkauft.
Der zutreffende Name des gemütlichen Cafes in Berlin, wo man vergleichbare Leckereien erhält, lautet schlicht und einfach Cupcake!
Man kommt in den shop hinein und blickt direkt auf die Glastresen, hinter denen die hinreissenden Köstlichkeiten mit viel Geschmack und Liebe dekoriert sind. Unter anderem gibt es verschiedene Cupcakes, die aus einem derart fluffigem Teig bestehen, dass sie im Mund zerfallen. Am späten Abend gab es dann noch Schokoladen-Cupcakes, oder Cupcakes mit einer Erdnussbuttercreme oder ganz auf der Gesundheitswelle reitend auch den Möhren-Cupcake.
Wer etwas Deftigeres mag, ist hier auch nicht verkehrt, da neben verschiedenen lunch-Variationen auch sandwiches angeboten werden.
Insgesamt kann man ohne Scheu behaupten, dass gerade in der kommenden winterlichen Zeit das Cupcake mit seinem gestreiften, geblümten, karomusterartigem, rosanem, blauen, gelben und grünem Interieur ein gemütlicher Ort ist, zu dem man nicht nur wegen der Köstlichkeiten zurückkommen möchte.


Cupcake bakery
Zionskirchstraße 36,
10119 Berlin
Tel.: +49.(0)30.41717653
www.cupcakebakery.de

Mittwoch, 21. November 2007

Vietnams Rice & Roll around Berlin

Immer häufiger trifft man in Berlin auf vietnamesische Restaurants bzw. Imbisse. Allein in der Umgebung des Checkpoint Charlie kann man mittlerweile in zwei Läden seine Neugier auf vietnamesische Küche stillen.
Erst kürzlich hat das Rice & Roll in der Charlottenstraße 76, Ecke Schützenstraße seine Pforten geöffnet. Die Geschäftsleute aus dem ganzen Viertel danken es bisher den fünf emsigen Gastronomen mit zahlreichem Erscheinen - insbesondere zur Mittagszeit. Man kann sowohl an kleineren als auch an langgezogenen Tischen für grössere Gruppen sitzen und bekommt sein Essen und die Getränke in schönen grossen z.T. verzierten weissen Keramikschüsseln und -tassen.
Neben Gerichten aus der regulären Speisekarte (Grundbestandteile: Hühnchen, Garnelen, Reis, Kokosnuss, Ingwer, Curry und Zitronengras) wird auch eine Karte mit täglich wechselnden Mittagsspecials angeboten.
Heute bestand diese u.a. aus Hühnchen mit Möhren, Zitronengras, Kürbis, Rot- und Weißkohl in einer Kokusnuss-Sahnesauce, selbstverständlich mit Reis.
Sehr gewagt und sehr lecker!
Allein die Konsistenz der Möhren war nicht meinem Geschmack entsprechend, da sie zu lange gegart waren. Aber vielleicht gehört das auch zur vietnamesischen Küche? Gewürzt war es jedenfalls sehr gut und das Zitronengras gab dem Essen die notwendige Frische.
Besonders herzuheben ist der gerade in der kälteren Jahreszeit sehr angenehm süssliche und leicht scharf schmeckende Ingwertee mit Zitronengras....deklariert als Special Tea Cup!
Beim nächsten Mal wird dann mal ein "Vietnam Kaffee" probiert....ob der wohl auch mit Zitronengras oder Ingwer angereichert ist?


Rice & Roll
Charlottenstraße 76
10117 Berlin
Tel. +49.(0)30.20616393
sunday closed

Dienstag, 20. November 2007

7. Weinrallye und Alles außer Glas


Die 6. Weinrallye ist erst seit gestern in den Startlöchern und schon sieht man in der Ferne das Ziel der 7. Weinrallye.
Den Weihnachts- und Neujahrsfeiertagen geschuldet, bekommen die Teilnehmer ihre Aufgaben für Dezember und Januar nun rechtzeitig im Doppelpack geschultert.
Um auch mal die Weine des Niedrigpreissegments zu würdigen, ist Aufgabe der 7. Weinrallye, die vom Kaulwein-Weblog für den 10. Januar 2008 angesetzt wurde:
"Alles außer Glas
“Trinkbare” Weine aus Tetra Pak, Bag in box und Co."
Der zur Teilnahme erforderliche Weinerwerb wird wohl diesmal für die Wenigsten eine grosse Herausforderung darstellen.
Einen Wein zu finden, der allerdings auch den Ansprüchen der meisten Teilnehmer entspricht, dann wohl schon eher, nicht wahr?

Jakarta und Wein

Surprise, Surprise!
Sogar im weitentfernten Jakarta gibt es ein blögchen, dass sich hauptsächlich mit deutschem Wein von der Mosel beschäftigt. Wunderbar!
Der Betreiber Rainer Adam des blogs The Man from Mosel River erklärt zwar, dass das Erwerben bestimmter Weine in Indonesien nicht ganz einfach sei. Aber als australischer Weinbergsbesitzer und Produzent prämierten Weines bietet er auf seinem blog nicht nur deutsche Weinerfahrungsberichte, sondern lässt den geneigten Leser auch an Erlebnissen der neuen, asiatischen und australischen Welt teilhaben.

Montag, 19. November 2007

Resumee der 5. und Ankündigung der 6. Weinrallye


Der 5. Stop der Weinrallye beim ausseritalienischen Sangiovese ist nun wieder Vergangenheit. Eine wunderbare Zusammenfassung der 11 teilgenommenen blogs hat hausmannskost zeitnah gestern geliefert. Die erstaunlichste Überraschung war, dass sogar ein deutscher Sangiovese von Dr. Bürklin-Wolf aufgetrieben wurde! Da soll mal einer sagen, dass Deutschland kein Rotweinland sei!
Befürchtungen entgegen wird die weitergehende Weinreise im Dezember und Januar den Teilnehmer nicht bis an die Grenzen seines Erfindungsreichtums treiben.
Lars Breidenbach von schreiberswein beruhigte die vorweihnachtlich eingestimmten Gemüter und schrieb als Frage für den 6. Weinrallye Stop für den 18. Dezember 2007 "Mit welchem Schaumwein feiert ihr ins neue Jahr?" aus. Die einfache Gebrauchsanweisung zur Teilnahme findet man beim winzerblog.
Das Thema ist im Hinblick auf das bevorstehende Neujahrsfest wohl für jeden mehr als interessant, so dass die Teilnehmerzahl hoffentlich ins Unermessliche gesteigert werden kann! Und da laut schreiberswein die Berichterstattung der Verkostung auf den Internationalen Tag der Migranten fällt, wäre es zu wünschen, dass nicht nur Schaumweine aus aller Welt, sondern auch blogs aus aller Welt teilnehmen würden!
Also, ran an die Tassen....ähm....an die Griffel....'tschuldigung....an die Tasten!

Samstag, 17. November 2007

Schwarzwaldstuben

Süddeutsche, besser gesagt Badenser und Schwaben, die in Berlin vor Anker gegangen sind, trifft man gehäuft - wie könnte es anders sein? - in den Schwarzwaldstuben.
Die Schwarzwaldstuben ist keine kleine im Wald versteckte Kate, sondern Bar, Restaurant und Cafe, welches mitten in der Mitte Berlins in der Tucholskystraße Ecke Linienstraße, unweit der Synagoge in der Oranienburger Straße, seinen Platz gefunden hat.
Besonders in der kalten Jahreszeit sind die Schwarzwaldstuben urgemütlich und daher fast immer bis zum Anschlag voll, so dass meist eine abendliche Reservierung nicht unklug ist. Studenten, "Kreativ Schaffende", Geschäftsleute, Szeneleuten, Akademiker findet man hier.... und allen ist gemeinsam: sie geniessen die besondere Atmosphäre der Schwarzwaldstuben.
Dies liegt aber nicht nur an den an der Wand hängenden und röhrende Hirschen, dem riesigen mittig stehenden grünen Kachelofen oder den zum Teil vorhandenen Großmutters Sesseln, sondern vor allem auch an der Küche und den Getränken.
Neben dem üblichen Flammkuchen bietet die Küche auch Maultaschen in allen möglichen Variationen, Spätzle, badischen Wurstsalat und wechselnde Suppen an. Inwieweit die Gerichte authentisch sind, gehen die Meinungen diametral auseinander. Aber eins ist sicher, die Portionen sind nicht gerade bescheiden, sondern erfreuen auch den hungrigen Gast. Und dazu ein Schluck heimischen Grauburgunder oder ein Tannenzäpfle...und die badische Seele ist wieder gewappnet für den Berliner Alltag!

Schwarzwaldstuben
Tucholskystr. 48
10117 Berlin
Tel.: +49.(0)30.28098084

Freitag, 16. November 2007

Weinrallye # 5: Sangiovese from California ./. Argentina


Die 5. Weinrallye-Reise geht wieder auf Weltreise!
Der Veranstalter Wolf Hosbach von dem blog Hausmannskost hat sich für die Teilnehmer eine nicht einfache Aufgabe ausgedacht. Diesmal sollten Sangiovese-Weine verkostet werden, die möglichst nicht aus Italien stammen.

Zum Hintergrund der Sangiovese-Traube
Die rote Traube wird hauptsächlich und en masse in Italien, vor allem in der Toskana angebaut und ist Grundbestandteil des Chianti, Brunello und Vino Nobile de Montepulciano. Diese Weine sind allerdings nicht nur als Billigwein vom Discounter um die Ecke zu erhalten, sondern zählen auch, abhängig von dem Produzenten, neben den Barolo-Weinen zu den absoluten italienischen Spitzenweinen.
Ausserhalb Italiens wird das Blut Jupiters jedoch seltener angebaut.
Und dennoch wagen es einige hartnäckige und innovative Winzer, insbesondere der Neuen Welt, diese Traube anzubauen.
Die notwendige Recherche ergab, dass neben Griechenland, Südafrika, Australien auch Argentinien und Kalifornien Sangiovese anbauen. Weitere Länder und Regionen sind selbstverständlich nicht ausgeschlossen.

Zwei Sangiovese Weine aus Kalifornien und Argentinien wurden einem Tasting unterzogen:

1.
Kalifornien
Bonny Doon Vinyard,
Ca' del Solo "Il Fiasco" 2004 ,
Sangiovese,
14,5% vol.
Die Flasche hat an sich schon ein aussergewöhnlich auffälliges Etikett mit zeichentrickfigurähnlichen Gestalten. Und statt mit einem Korken ist die Flasche mit einem Schraubverschluss verschlossen. Irgendwie kann ich mich noch nicht daran gewöhnen, dass auch hochpreisigere Weine wie ein Apfelsaft geöffnet werden können. Aber nun gut, das hat ja mittlerweile nichts mehr mit der Qualität der Weine zu tun.

Step 1
Was isst man am besten zu einem kalifornischen Sangiovese Wein? Am besten etwas, was keiner dazu erwartet.
Meine Wahl fiel auf Spiegelei auf frisch blanchiertem Blattspinat mit einer mit Martini reduzierten Cremesauce und fein gehobelten Trüffeln.
Ich gebe zu, diese Idee habe ich abgewandelt bzw. vereinfacht einem wunderbaren Rezept von Herrn Witzigmann abgeschaut. Dem geschmacklichen Genuss hat dies jedoch keinen Abbruch getan! Alle zehn Finger samt Teller, Gabel, Messer, Kochlöffel und zuletzt Kochtopf sind abgeleckt!

Step 2
Der Wein strömte beim Öffnen des Schraubverschlusses ein intensives marmeladiges und vanilleartiges Aroma mit einem Hauch Nelken aus. Man könnte schon fast sagen einen typisch amerikanischen Weingeruch. Oder man bezeichnet es entsprechend dem Aroma auch als Bowle. Die Nase ist von der sirupartigen himbeerigen Süsse fast betäubt.
Die Farbe des Weins ist sehr intensiv und geht ins blutrot bzw. violett über.
Am Gaumen ist der Wein dann knochentrocken, leicht säuerlich, aber angenehm schokoladig und kirschig mit einem leicht rauchigen Abgang. Der Abgang hält allerdings nicht lange an, im Gegensatz zu der Trockenheit, die noch lange den Gaumen ausfüllt.

Step 3
Die Kombination zwischen Wein und veredeltem Spinatspiegelei war die absolut perfekte Symbiose. Die reduzierte süss-säuerliche karamellartige und dennoch sehr würzige Cremesauce ergänzte sich hervorragend zu dem fruchtigen und trockenen Sangiovese. Keines von beiden dominierte, sondern unterstützte sich gegenseitig. Der extreme sirupartige Geruch und intensive Geschmack des Weins wurde durch die würzige mit Martini angereicherte Sauce aufgefangen und gemildert. Ein Traum!

Step 4
Im Ergebnis hat diese Verkostung gezeigt, dass man alle Vorurteile über Bord werfen sollte. Ein Spiegelei mit Spinat in Sahnesauce und Trüffeln verträgt eben auch mal statt eines naheliegenden Weissweines auch einen Rotwein! Um maximale Geschmackserlebnisse zu erhalten hilft daher nur eines:....TESTEN, TESTEN, TESTEN!


2.
Argentinien
Andean-Vineyards
Finca de La Montana, 2006
Sangiovese
13,0%
Mein vino-fino Weinhändler, bei dem ich den Wein gekauft hatte, schraubte meine Erwartungen an die Flasche stark zurück. Der Wein sei nicht überragend.
Aber um der Weinrallye gebührend Ehre zu zollen, wollte ich eben auch einen argentinischen Sangiovese verkosten und liess mich nicht verschrecken. Der Wein kommt aus der Provinz Mendoza, die im Mittelwesten Argentiniens liegt. Im Westen wird die Provinz durch die Anden von Chile getrennt. Ansonsten ist das Gebiet zum grössten Teil Steppe und zum Teil Wüste. Der Wein wächst in etwa 650 bis 1200 m über dem Meeresspiegel.
Und um es vorwegzunehmen....er ist durchaus sehr anständig!

Step 1
Argentinien..... das Land des Steaks....
Ob zu einem argentinischen Wein ein italienisches Pilzrisotto passen könnte? Mit frischen weissen und braunen Champignons, Steinpilzen, Trüffeln...abgelöscht mit argentinischem Sangiovese?

Step 2
Die Flasche ist mit einem Plastikkorken verschlossen. Beim Eingiessen in das Glas zeigte der Wein seine Schneewittchen - Blutrotfärbung. Sehr schön.
In der Nase ist einen Hauch von Schokolade mit Kirsche zu erahnen.....also das Aroma geht in die Richtung von Mon Chéri, aber ohne penetrant zu sein. Vanille und Holz ist auch dabei.
Der erste Schluck war angenehm und im Gegensatz zum kalifornischen Kollegen kommen beim Wein ein Waldbeerenmix zum Zuge und der Gaumen trocknet nicht unbedingt gleich aus, auch wenn der Wein zweifellos trocken ist.
Beim zweiten Schluck hat der Wein immer noch was von Wald, aber nun kommt ein Moos- und Nussaroma gewürzt mit schwarzem Pfeffer zur Geltung. Der Abgang ist dann leicht und elegant.

Step 3
Es ist angerichtet, die Spannung steigt.
Wie wird der Wein zu dem Pilzrisotto passen und umgekehrt?
Risotto sieht ja selten appetitlich aus, aber es schmeckt meist vorzüglich. Wie auch diesmal... die gehobelten Trüffelstücke mit dem Schnittlauch gaben dem Risotto eine würzige Frische zu dem ansonsten so schweren und schnell sättigenden Gericht.
Der Finca de la Montana passte sich der Behäbigkeit des Essens an. Der erste Schluck Wein liess einen erst kurz ob der Säure aufzucken. Nach einer Sekunde beruhigten sich die Geschmacksnerven und ein weiches, fruchtiges, z.T. tabakartiges Aroma machte sich am Gaumen breit und vermählte sich mit dem deftigen Risotto. Der Wein wirkte sogar in der Kombination mit dem Essen aufgrund einer nachhallenden Säure appetitanregend, so dass jeder Happen absolut ein Vergnügen war.

Step 4
Im Resultat ist festzuhalten, dass der Sangiovese ein äusserst variable Traube ist, die mit den unterschiedlichsten Gerichten kombiniert werden kann.
Obwohl ich zweimal dieselbe Traubensorte getrunken habe, sind die Weine grundverschieden.
Der kalifornische Wein verströmt ein sehr reiches Aroma und ist solo getrunken sehr dominant, zeigt jedoch wenig Nachhall.
Das argentinische Pendant zieht einen bescheideren Auftritt vor, um sich dann aber voll zu entfalten und elegant in Erinnerung zu bleiben.
Beide Weine sind auf ihre Art und Weise charmant und werden schon aufgrund ihrer für den Sangiovese besonderen Anbauorte besonders in Erinnerung bleiben.

Was passiert weiter?
Bin gespannt, wohin die 6. Weinrallye die Teilnehmer führen wird....vielleicht zu weinanbauenden Eskimos? Oder zu Wein der unter besonders schwerwiegenden Umständen zustande gekommen ist, z.B. unter Tage mit künstlicher Sonnenbestrahlung gewachsen ist?
In jedem Fall wird die Jagd nach den entsprechenden Weinen wieder hochspannend. Und um den maximalen Genuss zu erhalten, ist dem Weinrallye-Teilnehmer kein Wein-Weg zu weit, kein finanzielles Risiko zu hoch und keine Traube zu abwegig, oder?!.....

Dienstag, 13. November 2007

Isabel Allende "Zorro"

Z wie Zorro.....wer kennt nicht den heldenhaften Zorro, der für die Gerechtigkeit kämpft und den Buchstaben Z als Zeichen seiner Anwesenheit in Wände oder auch mal eine Wange tollkühn mit seinem Degen ritzt?!
Spätestens seit dem 1998 erschienenen Kinofilm The Mask of Zorro mit Antonio Banderas und Catherine Zeta-Jones müsste der Mann mit dem schwarzen Umhang, dem schwarzen Hut, der schwarzen Maske und dem Degen ein Begriff sein.
Die ursprüngliche Geschichte des Zorro wurde von dem US-Amerikaner Johnston McCulley schon 1919 erfunden und in Form von Groschenheften herausgegeben.
Zahlreiche erfolgreiche Verfilmungen folgten, bis sich auch Isabel Allende 2005 des geheimnisvollen Doppellebens des Diego de la Vega in Kalifornien und Spanien annahm. Der Roman erschien auf Englisch bei Harper Collins ebenfalls unter dem Titel Zorro. Titel der ebenfalls 2005 erschienenen spanischen Originalausgabe ist El Zorro. Comienza la leyenda.
Allendes Roman ist eine starke Anlehnung an die Originalgeschichte von McCulley. Kleine Veränderungen der Erzählung konnte Isabel Allende sich jedoch nicht verkneifen. Zwar spielt die Geschichte immer noch in Kalifornien und Spanien Ende des 18. Jahrhunderts und Anfang des 19. Jahrhunderts. Jedoch werden im Unterschied zu dem Original auch die Jugendjahre des Diego de la Vega erzählt, der bei Allende halb spanischen halb indianischen Blutes ist.
Unverändert übernommen sind jedoch zumeist die Heldentaten des Zorro. Ausführlich und detailgenau schildert Allende jeden Handgriff Zorro's, jede Bewegung beim Duell.
Allendes besonderer Stil, die Protagonisten und ihre Handlungen genau zu beschreiben, sind auch schon in ihren vorangegangen Romanen zum Tragen gekommen. Gerade diese präzisen Bechreibungen sind jedoch für den Leser von Zorro an manchen Stellen ein wenig ermüdend. Es fehlen auch die ansonsten bei Allendes Romanen vorhandenen wundersamen Geistergeschichten, die ihre Bücher und Filme so berühmt gemacht haben. Auch will sich nicht so richtig die Spannung einstellen, obwohl sich der Roman sehr wohl flüssig liesst.
Und dennoch bleibt das Buch lesenswert,....denn wer mag nicht die Geschichte eines Helden lesen, der galant, durch sein Kostüm geschützt, Frauen rettet und küsst?

Isabel Allende
Zorro
Suhrkamp Verlag
1. Auflage 2005
Frankfurt am Main

Montag, 12. November 2007

Luca Mundaca and day By Day

Schon vor einiger Zeit bin ich übers Internet auf eine sehr individuelle brasilianische junge Musikerin und Sängerin gestossen, die Brazil Jazz par ecxellence bietet.
Beeinflusst von Grössen wie Astrud Gilberto, Stan Getz, Bebel Gilberto hat Luca Mundaca aber einen ihr ganz eigenen Stil entwickelt. Die Musik hat ihren besonderen Charme, der nicht zuletzt aufgrund der sehr weiblichen, klaren und doch nicht metallisch klingenden Stimme, die manchmal auch eine gewisse Rauhigkeit hat, beruht. Deshalb verwundert es auch nicht, dass Luca Finalistin des the 7th annual independent music awards in der Kategorie World Fusion geworden ist. Die endgültige Entscheidung, wer Preisträger wird, soll im Dezember 2007 bekanntgegeben werden. Bis dahin kann jeder übers Internet mit abstimmen.
Für Liebhaber des Brazil Jazz sind Luca Mundacas Lieder einfach ein Muss. Wer sie noch nicht kennt, sollte dies spätestens ab heute nachholen.
Mit Minha Flor, Cidades und Ha Dias hat die CD day By Day drei Tophits, die jedem Jazzmusik-Fan im Ohr klingen bleiben und süchtig nach mehr von Luca's Musik machen. Immerhin wurde das Lied Ha Dias auf Luca's myspace-site bisher schon 9222 abgerufen.
Freue mich schon darauf, wenn Luca Mundaca auch mal in Europa ihre Musik präsentieren wird. Bis dahin bleibt mir die CD....

Luca Mundaca
day By Day
Lumeni Productions, LLC

Samstag, 10. November 2007

Bettina Krieg - Arbeiten auf Papier

Der Countdown läuft....in wenigen Stunden wird die Ausstellung "Bettina Krieg - Arbeiten auf Papier" in der Galerie Spesshardt & Klein eröffnet. Um 17 Uhr ist es dann soweit. Dann steigt die Party.
Bis dahin legt die Künstlerin noch eine Nachtschicht ein und feilt ein letztes Mal an ihren wunderschönen überdimensional grossen Werken.
Von weitem sehen die Bilder wie Toile de Jouy-Wandstoffe aus. Bei näherer Betrachtung erkennt man statt der üblichen romantischen Landschaft, Geäst, entwurzelte Bäume, Vögel, Lianen, Schmetterlingsflügel und plötzlich auch Autowracks und Ruinen. Gerade im Detail sind die einfarbigen druckartigen Arbeiten auf Papier besonders spannend.
Spannend bleibt auch, wie die Besucher und potentiellen Käufer heute und die gesamte Ausstellungszeit (13.11.2007 bis 15.12.2007) die Werke aufnehmen werden.

Galerie Spesshardt & Klein GmbH
Kochstraße 55-58
10969 Berlin
www.spesshardt-klein.com

Freitag, 9. November 2007

Vino fino, Carlos Steinmetz und seine süd- und mittelamerikanischen Weine

Wie es der Zufall so wollte, sollte ich mich in ein Berliner Gewerbegebiet verirren, um einen exotischen Weinhändler aufzusuchen. Am Salzufer entlang im Regen laufend fand ich das begehrte Objekt vino fino.
Statt eines Weinhandels mit Publikumsverkehr erwartete mich ein verstecktes Büro in dem Herr Carlos Steinmetz sass. Nach einer unsicheren Begrüssung meinerseits kam man denn schnell auf vertrautes Terrain und unterhielt sich über Wein und die deutsche Weinszene. Das Erwerben des Weines, weswegen man überhaupt den weiten Weg auf sich genommen hatte, verkam schnell zur Nebensache.
Faszinierend ist nicht nur das Weinangebot von vino fino. Wer einen exotischen Wein aus Südamerika sucht, ist hier genau richtig. Weine aus Chile, Argentinien, Brasilien und gar Mexiko werden hier in einer Preisklasse zwischen 3 € und 32 € angeboten, die in der Spitzengastronomie locker mal das 5- bis 10-fache kosten. Sortiert nach Ländern, Weinreben, Weintyp und Preisklasse wird man schnell fündig. Hinzu kommt die fachmännische Beratung von Herrn Steinmetz, der seinen Beruf nun seit über 15 Jahren in Berlin ausübt und äusserst zuvorkommend und charmant ist. Auch wenn er nicht unbedingt darauf eingestellt war, dass man ihn in seinem Büro aufsuchte.
Obwohl damit gerechnet werden musste. Immerhin wurde just am gleichen Tag im Tagesspiegel in dem Artikel Wein des Monats mit dem bei Vino Fino erhältlichen argentinischen 2005 Chañarmuyo Estate Cabernet Sauvignon/Cabernet franc geworben.
Unbeeindruckt hiervon kam in meinen Kasten ein Trapiche Broquel Malbec 2005 und ein Finca Montana Sangiovese 2006....beides aus Argentinien....aber dazu später.....

vino fino
Salzufer 16
10587 Berlin
Tel. +49.(0)30.39039066
www.vino-fino.de


Pizza Magique

Ehrlich gesagt würde ich gerne mal wissen, wieviele Pizzerien, Focaccerien, Pastarien (gibt es das Wort eigentlich?)....schlussendlich Restaurants mit italienischer Küche in Berlin existieren. Es müssen jedenfalls unendlich viele sein.
In der Greifenhagener Str. 54 rühmt sich z.B. A Magica nach Freundes Aussagen mit einem virtuosen Pizzabäcker.
Und tatsächlich, man kommt in einen kleinen Raum mit wenigen Tischen, wird wunderbar freundlich bedient und fühlt sich gleich zu Hause. Im Hintergrund wirft der Küchenchef den Teig nur so um sich und schiebt mal 'ne Ladung vollbepackt mit Köstlichkeiten in den Pizzaofen. Heraus kommt ein aufgegangener goldbrauner Teig, mit den jeweiligen Gemüse-, Fleisch-, Fischzutaten bedeckt und mit zart geschmolzenem Käse überbacken. Nach Gusto gibts noch Grünkraut à la Rucola oder ähnliches drauf. Unkompliziert wird auf weissen Papiertischdecken, die nach jedem Gast ausgewechselt werden, das Essen serviert und der Wein in Wassengläsern eingeschenkt.
Zusammen mit Freunden kann man einen herrlichen, kurzweiligen Abend verbringen und dabei noch gutes italienisches bodenständiges Essen bekommen......VIVA ITALIA!

A Magica
Greifenhagener Str. 54
10437 Berlin
Tel.: +49.(0)30.22808290