Sonntag, 11. Mai 2008

Weinrallye # 11 Nikos grosser Rosé-Spass zusammengefasst

Prägnant, frisch, humorvoll und sommerlich gut gelaunt - wie das traumhafte Pfingstwetter - erfolgte heute die Zusammenfassung der 11. rosigen Weinrallye auf Niko's Weinwelten.
Nicht nur Thomas Günther von weinverkostungen.de, sondern auch Niko hat den neuen Trend 2008 in Sachen Wein erkannt und ist rechtzeitig auf den fahrenden Zug gesprungen. Eindeutig ist diesmal der Rosé in all seinen Herstellungs- und Ländervarianten der ultimative Sommerwein. Dies hat die diesmalige Weinrallye gezeigt, auch wenn einige Rosés aus dem nichtdeutschsprachigen Raum 'reingerutscht sind. Mit einigen Ausnahmen waren alle Teilnehmer mehr oder weniger sehr angetan von ihren ausgesuchten Weinen.
Der Sommer kann nun in all seiner Bandbreite kommen und wird mit einem gut gekühlten Glas Rosé begrüsst!

Samstag, 10. Mai 2008

Weinrallye #11 Träume in Rosé

I. Roséweine und andere Träume

Niko's Aufgabe für die 11. Ausgabe der Weinrallye passte hervorragend zu dem traumhaften Maiwetter und brachte wieder mal neue fundamentale Erkenntnisse.
Was war das spannende Thema und was sollte verkostet werden? Passend zu rosigen Frühlingsgefühlen fragte Niko nach den besten Rosés aus Deutschland, Österreich und Südtirol.
Zunächst sollte man sich daher bewusst machen, was denn überhaupt ein Rosé-Wein ist. Denn nicht alles wo es rosé glänzt, ist auch rosé 'drin.
In der grosszügig bestückten Weinabteilung vom Kaufhof stehen z.B. neben den tatsächlichen Rosé-Weinen auch "rosa" Weine, die nicht wegen der Art der Vinifizierung diese Farbe, sondern aufgrund des Verschneidens von weißen und roten Trauben diese Farbe erhalten haben. Eine derartiger Rotling vom fränkischen Juliusspital ist daher eine leckere, spassige und kräftig roséfarbene Geschichte, die am Gaumen stark an sommerliche Erdbeerbowlen erinnert. Passt bestimmt gekühlt super zu einem romantischen Picknick im Grünen. Aber ein tauglicher Weinrallye-Wein ist es eben nicht.
Daher schweifte der Blick weiter und blieb bei einem Rosé-Wein Spätburgunder Weißherbst von Meyer-Näkel von der Ahr hängen.
Zum Vergleich wurde noch ein Cuvee Roséwein vom Weingut Knipser aus der Pfalz herangezogen.

II.
Meyer-Näkel
Spätburgunder Weißherbst 2007
Ahr
12,5 %

1. Sowohl in der Flasche als auch im Glas ist der Weißherbst farblich ziemlich blass und erinnert mehr an Abricot mit ein wenig Lachs als an Rosé.
2. In die Nase weht dann ein Aroma, das farblich olfaktorisch frischen roten Äpfel ähnelt und einen Hauch Erdbeerbowle intus hat. Hinzu kommen grüne Stachelbeeren.
3. Am Gaumen erinnert zum Glück nichts mehr an penetrante Bowlen, sondern der Schluck füllt den Gaumen mit einer frischen, mineralischen und prickelnden Mandelnote und jungen grünen Stachelbeeren. Der Wein ist am Gaumen mineralisch ziemlich ausbalanciert, obwohl man nicht behaupten könne, er sei vollkommen rund. Dafür hat er zuviele Ecken und Kanten im Geschmack.
4. Problematisch ist aus meiner Sicht, dass der Wein beim Abgang einen leicht chininartige Säure hinterlässt, die allerdings auch an den Geschmack von Pomelos oder Grapefruits erinnert.


III.
Weingut Knipser
Rosé Cuvée Cabernet & Co. 2007
Pfalz
12,0%

1. Farblich ist dieser Cuvée intensiver und strahlt im Glas eher lachsfarben.
2. Hier dominiert in der Nase eindeutig stärker als beim Weißherbst die Erdbeeraromatik, jedoch keinesfalls in penetranter Süsse, sondern eher in frühlingshafter Frische. Hinzu kommt ein bunter Strauss an weiteren Aromen wie Himbeeren, Waldbeeren und sommerlich feuchtem Gras.
3. Am Gaumen hat der Rosé ebenfalls eine leichte Mandelaromatik, die jedoch schwächer ausgeprägt ist. Stärker kommt das Himbeeraroma hier zur Geltung.
4. Der Abgang ist dann weniger chininlastig, sondern eher buttery und harmonischer. Die Säure ist in jedem Fall wohl ausbalanciert und sehr zart.

IV. Der Ausflug in die Roséwelt ist ein perfekter Einstieg in die Grillsaison 2008. Nur müsste man dazu nun auch noch einen Grill haben.
Mangels urtümlicher Gerätschaften muss ein gewöhnlicher Herdgrill herhalten, um aus einem saftigen Stück Thunfisch einen gegrillten Fisch nach südafrikanischer Art zu zaubern, à la Tunny with tomato sauce braai.Um der ganzen Weinrallye-Geschichte gerecht zu werden, wird der Fisch mit einer homemade Sauce in Alufolie gewickelt auf dem Grill ausreichend und saftig gegrillt. Der Kick an der Sauce ist, dass sie mit einem Schilcher Roséwein-Essig von Gölles angereichert wurde. Allerdings stammt er nicht aus Deutschland, sondern aus Österreich.
Dieser Roséwein-Essig wird aus der Traube Blauer Wildbacher hergestellt, schmeckt aber - meinem ungeschulten Gaumen sei verzieh'n - auch nicht großartig anders als andere Weinessige. Zweifellos ist er jedoch im Aroma sehr mild und fruchtig. Und um nicht gestellte Fragen gleich zu beantworten: er ist farblich nicht roséfarben, sondern gelblich!
Um die notwendigen und ernährungstechnisch wichtigen Vitamine nicht zu vergessen, gab's zum Tunny einen Salat mit Rucola, Pinienkernen und Parmesan.
Sowohl zum Meyer-Näkel als auch zum Knipser passte der gegrillte Fisch sehr gut. Allerdings würde ich diese Kombination nicht als perfekt bezeichnen, sondern ihr eher die Note 2 geben, da der Wein sowohl durch den Fisch nicht harmonischer wurde und der Fisch nicht am Gaumen mehr zerschmolz. Das nächste Mal würde ich wahrscheinlich die Tomatensauce weglassen und den Thunfisch leicht gewürzt gegrillt zum Roséwein essen.
Traumhaft war allerdings die Verbindung zwischen dem Parmesan vom Rucolasalat und insbesondere dem Knipser-Rosé. Diese Kombination schrie einfach nach mehr! Beim Meyer-Näkel Rosé verstärkte sich dagegen das Mandelaroma.

V. Conclusio
Deutschland bringt wunderbare Roséweine zustande, die durchaus elegant und säureausbalanciert sind, ohne gleich zu einem süffigen, jedermannstauglichen Partywein auszuarten, der mehr süss als Wein ist.
Auch wenn es erstaunte, dass der Unterschied zwischen einem Spätburgunder Weißherbst und einem Cabernet & Co. Cuvée Rosé sehr gering war und er erst im bewussten Verkosten ersichtlich wurde. Und das, obwohl unterschiedliche Rebsorten und Lagen im Spiel waren. Aber auch diese geschmackliche Auffälligkeit bzw. Unauffälligkeit kann nur dem ungeschulten, aber hart trainierenden Gaumen verschuldet sein.
In diesem Sinne: Bon appétit!



Donnerstag, 8. Mai 2008

Erste Live-Weinrallye in den Startlöchern

Bevor der anstehende 11. Weinrallye-Veröffentlichungstermin am 10.05.2008 vor der Tür steht, gibt's noch mal zu dem Thema "Live-Weinrallye" eine kleine Zusammenfassung:
Nachdem sich einige Interessierte zu verschiedenen Daten geäussert hatten, wird jetzt einfach ein Termin festgesetzt.
Nach Rücksprache mit Lars von schreiberswein wird die Live-Weinrallye nun am Wochenende
21./22. Juni 2008 in Berlin
stattfinden.
Der Ort und das Thema des gemeinsamen Verkostens und das weitere Rahmenprogramm werden von der Anzahl der teilnehmenden "Weinrallye-Fahrern" abhängig gemacht.
Es wäre daher wünschenswert, wenn bis Ende Mai feststünde, wer den weiten Weg in die hoffentlich dann sonnige Hauptstadt auf sich nehmen würde, um an dem 1. Live-Weinrallye-Event teilzunehmen.

Freitag, 2. Mai 2008

Gallery weekend 2008: Von Bondage über Bierdosen bis zur VEB-Umwandlung

Man könnte meinen, die Berliner Highsociety und seine internationalen amerikanischen und japanischen Besucher sind kulturell ausgehungert. Jedenfalls hatte man gestern diesen Eindruck beim dem Start ins Gallery weekend.
Insgesamt 34 Gallerien öffneten in diesem Rahmen ihre Türen und mindestens doppelt soviele Galerien haben sich im näheren Umkreis undercover diesem Ereignis angeschlossen.
Scharenweise strömten kunstgierige Menschen in die Gallerien. Zwischen Kochstrasse und Leipziger Strasse blieb zum Teil der Straßenverkehr liegen, da ein Durchkommen kaum möglich war.
Der Höhepunkt des "Gallery weekend" Starts war zweifellos das Opening in der Jablonka Gallerie. Mr. Jablonka lud zur Vernissage der diskutablen Ausstellung Kinbaku der Photos des Ikebana-Künstlers Nobuyoshi Araki.
Der Meister selbst war anwesend, wurde von Bodyguards begleitet und zeichnete fleissig Autogramme in dem verkäuflichen Katalog. Jeder einzelne seiner Schritte wurde von einer Traube Journalisten und Besucher begleitet. Auffällig war, daß sich insbesondere die eleganten und wohlsituierten mit teuren Tüchern, Hermès-Tasche oder auch mal simpler mit Barbour-Jacke ausgestatteten Besucher stark für den kleinen japanischen Gast mit schwarzer und runder Sonnenbrille interessierten.
Wie sich gegenseitig anziehende Moleküle bewegte sich Araki und seine Anhänger im Raum - ein Kunstwerk für sich.
Womit hat er soviel Aufmerksamkeit verdient? In diesem Fall mit 100 kontroversen Schwarz-Weiss-Fotografien aus der Serie Kinbaku. "Kinbaku ist eine traditionelle Kunstform in Japan, die Elemente aus der Kunst der Verpackung und der Kunst des Blumensteckens (Ikebana) miteinander vereint. Araki selbst betont den Unterschied zur westlichen Bondage: „Kinbaku (Knoten mit Schnüren) unterscheiden sich von Bondage. Ich fessele den Körper einer Frau nur deshalb, weil ich ihr Herz nicht fesseln kann. Nur ihre physischen Körperteile können gefesselt werden. Das Fesseln einer Frau wird zu einer Umarmung.“
Soweit die Pressemitteilung. Der Betrachter kann sicherlich auch anderer Meinung sein, insbesondere, wenn sich schwangere Frauen so verknotet zum Teil freiwillig abbilden lassen.

Zugleich verwundert ob der Ausstellung war klar, dass dieses Opening wohl kaum durch die anderen Galerien getoppt werden könnte.
Und doch, insgesamt gab es viele kleine spannende Momente, die festgehalten werden sollten.

In der Galerie Crone wurden in der Ausstellung "Sei gerecht!" großformatige Ölgemälde von Peter Stauss ausgestellt, die - wie das Bild Séance 2008 - einen Preis bis zu 42.500 € erzielen sollen. Auffallend an den Bildern war, die ein buntes Verwirrspiel zwischen Mensch und Tier darstellen, wie farbenfroh sie sind. Hin und wieder blitzte auch mal ein Wappen oder eine Gitarre auf. Insgesamt erweckten die Bilder einen mittelamerikanischen bunten Eindruck.

Die Galerie Tammen präsentierte gleich Kunstwerke mehrerer Künstler.
Sehr romantisch, ohne kitschig zu sein, waren die grossformatigen Bilder von der jungen Künstlerin Kerstin Serz. Thema der Bilder sind oftmals Liebende, Personen, Schwäne und Schmetterlinge. Wunderschön.
In der gleichen Galerie wurden auch spektakuläre Fotografien von Ernst Volland, Maximilian Meisse und Jewgenij Chaldej ausgestellt. Während die beiden ersten Künstler noch leben, ist der Kriegsfotograf Chaldej 1997 verstorben. Der Ukrainer hat an vorderster Front während und nach dem 2. Weltkrieg Aufnahmen von und in Berlin gemacht und von dem dazugehörigen Kriegsgreuel. Dabei suchter er nicht heroische Posen, sondern fotografierte quasi im Vorbeigehen. Wie z.B. die "Nazi-Familie", die auf einer Parkbank in Wien Selbstmord begangen hat. Grausam.
Eine Ausstellung zu Ehren von Jewgenij Chaldej "Der bedeutende Augenblick - Eine Retrospektive" ist vom 9. Mai bis zum 28. Juli 2008 im Martin-Gropius-Bau in Berlin geplant.
Passend zur letzten Volksentscheid wurden auch nostalgische Fotografien des Flughafens Tempelhof ausgestellt. Bald ist dieser Flughafen in dieser Form wohl nur noch Geschichte - festgehalten von dem Fotografen Maximilian Meisse.

Die DAAD-Galerie offerierte mal wieder expressive Installationskunst.
In diesem Fall waren es gestapelte Säcke, auf denen Gras wuchs. Die palästinensische und britische Künstlerin Mona Hatoum, die 1952 in Beirut geboren wurde, stellt mit ihrer Skulptur einen hängenden Garten dar, der sich im Verlauf der Ausstellung permanent verändern wird.

Nebenan in der Galerie Barbara Weiss wurden in Piktogrammsprache, Scherenschnitten und in knallig roten Grafiken die Wandlung und Umstrukturierung der ostdeutschen Produktionsgenossenschaften in das westliche System von Andreas Siekmann dargestellt. Insbesondere die Schnelligkeit, in der die Umwandlung durch die Treuhandanstalt erfolgte, faszinierten Siekmann. Daraus ist die Ausstellung "Verhandlungen unter Zeitdruck" entstanden.

Ebenfalls im gleichen Gebäude gelegen, wird in der Galerie Max Hetzler eine Art Recycling-Kunst von Frank Nitsche ausgestellt. Mehrere Säulen aus Bier-, Coladosen, etc. aufgeschichtet und mit den verrücktesten Aufklebern verziert, sind sie in der Galerie schon wegen der Grelligkeit ein Augenfang. Die Ölbilder an den Wänden erstrahlten dagegen im Gegensatz zu den Säulen in zarten Pastelltönen.

Die Galerie Upstairs Berlin präsentierte zwar keine neue Ausstellung, stellte aber einen Querschnitt der Bilder der Galeriekünstler wie Veronika Veit, Anna Genger, Emma Stibbon, Simon Schubert, Ilias Papailiakis, Christine Schulz und Marisa Favretto, die gerade kürzlich den diesjährigen International Painting Prize der Guasch-Coranty Foundation erhalten hatte, der mit 20.000 € dotiert ist, aus.

Die zum Galleryweekend neueröffnete Galerie Carlier Gebauer in der Markgrafenstr. 67 präsentierte gleich drei Künstler: Marcellvs L., Erik Schmidt und Tomasz Kowalski. Während Marcellvs L. eine Videoinstallation aufstellte, die Menschen zeigen, die in den "Korridoren" des jüdischen Mahnmals am Tiergarten entlanglaufen, präsentierte der Pole Tomasz Kowalski Malerei, die auf verwunschene und märchenhafte Art die Lebenszeitläufe darstellen. Erik Schmidt's Malerei ist dagegen greller und naturverbunden. Immer wieder werden von ihm Weingüter und die Landschaft als Medium dargestellt, wobei er seine Eindrücke, die er 2007 in Ella Valley, einem Weingut zwischen Jerusalem und Tel Aviv, verarbeitete.

In der ebenfalls neu eröffneten Galerie Bourouina in der Charlottenstr. 1-2, wurde eine auf den ersten Blick lustige, auf den zweiten Blick zum Nachdenken bringende Einzelausstellung des Finnen Riiko Sakkinen ausgestellt.
In Comicform betrachtet er u.a. die 68er Slogans und parodiert sie. Dabei schreckt er auch nicht zurück und stellt in Comicform dar, wie man eine Bomba Indendiaria Coctel Molotof herstellt.

All das und vieles mehr bei der
Gallery weekend Berlin 2008
2. - 4.5.2008

Vergessene Freundschaft zwischen Russland und Preussen

Bevor im schnelllebigen Berlin wieder die Ausstellung Macht und Freundschaft Berlin - St. Petersburg 1800 - 1860 Ende Mai die Toren schliesst und seine Schätze in irgendwelchen Archiven oder anderen Sammlungen verteilt werden, sollte man dieser im Martin-Gropius-Bau in Berlin seine Aufwartung machen.
Gezeigt werden neben Porträts von Napoleon I auch die Gemälde von Alexander I, Friedrich Wilhelm III, Prinzessin Charlotte von Preußen (später Alexandra Fjodorowna), Kaiserin Maria Fjodorowna, etc.
Die Ausstellung beschränkt sich allerdings nicht nur auf die Porträts der Herrscher, sondern zeigt anhand von Bildern der russischen und preussischen Schlossgemächer, den Gastgeschenken, luxuriösen Souvenirs (überdimensionale Erinnerungspokale and das Fest "Der Zauber der Weißen Rose" mit Wappen sämtlicher deutscher Adelshäuser), den Darstellungen der gegenseitigen kulturellen Veranstaltungen, von Kirchenbauten in St. Petersburg und Potsdam, Bau von Alexandrowka in Potsdam und des Schlosses Orianda auf der Krim durch Schinkel wie eng der Dialog zwischen den beiden Kulturen war. Aufgrund von Heiraten waren das preussische Haus mit der Zarenfamilie eng verwandt, so dass die enge - auch kulturelle - Verbindung nicht verwundert.
Ein Ausstellungs-Prunkstück der besonderen Art ist eine Violine des Komponisten Michail Iwanowitsch Glinka, der 1804 in einem Dorf in der Smolensker Gubernija geboren wurde und in Berlin 1857 starb. Zwar wurde er zunächst in Berlin auf dem russischen Friedhof in Tegel beigesetzt, wurde jedoch später nach St. Petersburg übergesetzt.
Zwei Stunden sollte man sich in jedem Fall für den Rundgang im Martin-Gropius-Bau mitsamt dem Audiosystem Zeit nehmen. Auch ist es nicht schädlich, ein wenig Kenntnis der jeweiligen Herrscherhäuser mit zur Ausstellung zu nehmen. So ist der Genuss ungetrübt und man kann die herrschaftlichen familiären Verwicklungen besser verstehen.
In Erinnerung bleibend ist jedoch die heute verdrängte Tatsache, dass einstmals zwischen Deutschland, d.h. Preussen, und dem russischen Reich eine enge Freundschaft bestand auf die man sich heute wieder besinnen sollte.
So fern sind sich beide Kulturen eben doch nicht.

Noch bis zum 26.5.2008
Macht und Freundschaft Berlin - St. Petersburg 1800 - 1860
Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstr. 7
10963 Berlin

Sonntag, 27. April 2008

Fröhliche Ostern!

Ja, ja! Richtig gelesen.

Heute ist Ostersonntag - Hochfest Christi Auferstehung - und zwar nach dem russisch-orthodoxen Kalender.
Und zu diesem Fest werden zwei wichtige Speisen schon seit Donnerstag vorbereitet, Kulitschi und Pas-cha, und ab heute verzehrt.
Kulitsch ist eine Art Hefebrot, welches mit Rosinen und anderen Gewürzen, u.a. mit Safran und Ingwer, zubereitet wird. Eine weisse Haube aus Zuckerguss erhält der Kulitsch zum Schluss und wird mit den Zeichen XB bemalt - für ХРИСТОС ВОСКРЕСЕ! (Christi Auferstehung).
Pas-cha ist eine Quarkspeise, die ebenfalls Rosinen beinhaltet und pyramidenförmig aufgestellt wird.
Beide Speisen werden traditionell in grossen Mengen vorbereitet, damit man Verwandte, Nachbarn, Freunde und Fremde beglücken kann.

Samstag, 26. April 2008

Die Zauberflöte in der U-Bahn

Berlin hat drei große Opernhäuser.
Ein Viertes ist für einen Zeitraum von einem Monat nun hinzugekommen.
Im Berliner Untergrund, in dem fertiggestellten U-Bahnhof Bundestag der zukünftigen Bahnlinie U55, wird bis zum 25. Mai 2008 Wolfgang Amadeus Mozart's Die Zauberflöte aufgeführt. Die Inszenierung von Christoph Hagel orientiert sich weniger an der klassischen Version dieses Opernstücks. Hagel nimmt sich der Oper so an, wie seiner Meinung nach Mozart die Oper heute inszeniert hätte.
Papageno ist ein junger Mann, der im Bahnhof vom Betteln lebt. Die sehnsüchtig erwünschte Papagena stellt sich als ein ebenfalls auf der Straße lebendes Mädchen dar, die ein hervorragendes Pendant zu Papageno darstellt.
Dementsprechend wurde auch der Text der Oper verändert und in das Jahr 2008 gebeamt. Zwar ist die Musik die gleiche geblieben und die Sänger werden von den Berliner Symphonikern und dem Karl-Forster Chor begleitet. Und dennoch hat man den Eindruck, nicht in einer Oper, sondern eher in einer Musical-Aufführung zu sitzen.
Die Idee, die Oper neu zu inszenieren und in einem noch nicht in Betrieb genommenen U-Bahnhof zu spielen, ist eine phantastische Idee.
Wenn nun auch noch die Stimmen der Sänger und Sängerinnen besser wären, könnte man von einer vollauf geglückten Inszenierung sprechen. So ist das Vergnügen allerdings ein wenig getrübt, auch wenn man der Idee in dem vom Architekten Axel Schultes entworfenen Bahnhof seinen Tribut zollen sollte.
Denn einen ungewöhnlicheren Ort für eine Opernaufführung als einen mit Sichtbeton verkleideten U-Bahnhof kann man sich wohl kaum vorstellen.

Die Zauberflöte in der U Bahn
Musikalische Leitung und Inszenierung:
Christoph Hagel
Ort: U-Bahnhof Bundestag zwischen Paul-Löbe-Haus und Bundeskanzleramt, Berlin Mitte
27. April - 25. Mai 2008
www.zf-u.de

Mittwoch, 23. April 2008

Traditionsbewusste belgische Fritten am St. Katelijne von Decorte

Mario Scheuermann gab letztens einen weisen Rat:
"drei dinge muss man gegessen haben: fritten in brüssel, pizza in napoli und curry in madras. kein tipp, eher ein muss: frittes an der place st.cathérine"
Napoli und Madras werden definitiv noch folgen, der Ratschlag für Brüssel konnte tatkräftig und prompt umgesetzt werden.Am St. Cathérine oder St. Katelijne Platz in Brüssel steht mittig platziert eine riesiger Wagen, der eher wie eine nostalgische Jahrmarktsbude aus dem vorletzten Jahrhundert aussieht als eine gewöhnliche Frittenbude. Genau dort werden aber herrliche knusprige belgische Fritten mit zahlreichen verschiedenen Saucen angeboten. Die kleinste Portion ist schon so groß, dass auch zwei Personen sich für 2 € daran satt essen können.
Patrick Decorte verkauft seine Fritten in fünfter Generation.
Wer sich diese traditionsbeladene Kost in Brüssel zu Gemüte führen möchte, sollte allerdings wissen, dass Decorte ein Schausteller ist und "seine Zelte" daher in regelmässigen Abständen an einem anderen Ort aufschlägt. Den "Tourneeplan" entnimmt man am besten seiner Internetseite, um nicht die köstlichen Fritten zu verpassen.

Dienstag, 22. April 2008

Sentimentalität am Flughafen Tempelhof

Ein voraussichtlich zukünftig seltener Augenblick.
Auch wenn beim Volksentscheid am 27. April 2008 eventuell aus purer Sentimentalität und Praktikabilität gegen eine Schliessung des Flughafens Tempelhofs in Berlin abgestimmt wird.

Montag, 21. April 2008

Fischstand deluxe am St. Katelijne in Brüssel

Egal, ob man morgens um 9 Uhr oder abends kurz vor Geschäftsschluss um 18 Uhr am Place Sainte Catherine vorbeikommt, immer stehen Scharen von Hungrigen und Durstigen am Noordzee-Stand an der Ecke zur Rue Sainte Catherine. Gierig verschlingen sie die wunderbare frische Bouillabaisse, fritierte Fische und trinken dazu entweder Champagner oder spanischen weißen Wein. Die Bouillabaisse ist besonders aromatisch und die in ihr verarbeiteten Fische sind einfach umwerfend lecker. Insbesondere überzeugte der Fisch durch seine Qualität. Man hatte manchmal gar den Eindruck, man esse keine Fischsuppe, sondern asiatische Hühnchensuppe.Um allerdings überhaupt etwas von den Köstlichkeiten abzubekommen, muss man sich bei den sonst sehr charmanten und fixen Damen und Herren vom La Mer du Nord lauthals bemerkbar machen.
Dies beherzigen die vielen Besucher und ordern fleissig bei Regen oder Sonnenschein kiloweise Fisch und literweise gut gekühlten Wein. Denn, wo könnte man wohl sonst besser Fisch essen als am alten Fischmarkt in Brüssel? Auf zur Noordzee!

La Mer du Nord (De Noordzee)

Rue Sainte Catherine 45,
1000 Bruxelles
Belgien