Freitag, 16. November 2007

Weinrallye # 5: Sangiovese from California ./. Argentina


Die 5. Weinrallye-Reise geht wieder auf Weltreise!
Der Veranstalter Wolf Hosbach von dem blog Hausmannskost hat sich für die Teilnehmer eine nicht einfache Aufgabe ausgedacht. Diesmal sollten Sangiovese-Weine verkostet werden, die möglichst nicht aus Italien stammen.

Zum Hintergrund der Sangiovese-Traube
Die rote Traube wird hauptsächlich und en masse in Italien, vor allem in der Toskana angebaut und ist Grundbestandteil des Chianti, Brunello und Vino Nobile de Montepulciano. Diese Weine sind allerdings nicht nur als Billigwein vom Discounter um die Ecke zu erhalten, sondern zählen auch, abhängig von dem Produzenten, neben den Barolo-Weinen zu den absoluten italienischen Spitzenweinen.
Ausserhalb Italiens wird das Blut Jupiters jedoch seltener angebaut.
Und dennoch wagen es einige hartnäckige und innovative Winzer, insbesondere der Neuen Welt, diese Traube anzubauen.
Die notwendige Recherche ergab, dass neben Griechenland, Südafrika, Australien auch Argentinien und Kalifornien Sangiovese anbauen. Weitere Länder und Regionen sind selbstverständlich nicht ausgeschlossen.

Zwei Sangiovese Weine aus Kalifornien und Argentinien wurden einem Tasting unterzogen:

1.
Kalifornien
Bonny Doon Vinyard,
Ca' del Solo "Il Fiasco" 2004 ,
Sangiovese,
14,5% vol.
Die Flasche hat an sich schon ein aussergewöhnlich auffälliges Etikett mit zeichentrickfigurähnlichen Gestalten. Und statt mit einem Korken ist die Flasche mit einem Schraubverschluss verschlossen. Irgendwie kann ich mich noch nicht daran gewöhnen, dass auch hochpreisigere Weine wie ein Apfelsaft geöffnet werden können. Aber nun gut, das hat ja mittlerweile nichts mehr mit der Qualität der Weine zu tun.

Step 1
Was isst man am besten zu einem kalifornischen Sangiovese Wein? Am besten etwas, was keiner dazu erwartet.
Meine Wahl fiel auf Spiegelei auf frisch blanchiertem Blattspinat mit einer mit Martini reduzierten Cremesauce und fein gehobelten Trüffeln.
Ich gebe zu, diese Idee habe ich abgewandelt bzw. vereinfacht einem wunderbaren Rezept von Herrn Witzigmann abgeschaut. Dem geschmacklichen Genuss hat dies jedoch keinen Abbruch getan! Alle zehn Finger samt Teller, Gabel, Messer, Kochlöffel und zuletzt Kochtopf sind abgeleckt!

Step 2
Der Wein strömte beim Öffnen des Schraubverschlusses ein intensives marmeladiges und vanilleartiges Aroma mit einem Hauch Nelken aus. Man könnte schon fast sagen einen typisch amerikanischen Weingeruch. Oder man bezeichnet es entsprechend dem Aroma auch als Bowle. Die Nase ist von der sirupartigen himbeerigen Süsse fast betäubt.
Die Farbe des Weins ist sehr intensiv und geht ins blutrot bzw. violett über.
Am Gaumen ist der Wein dann knochentrocken, leicht säuerlich, aber angenehm schokoladig und kirschig mit einem leicht rauchigen Abgang. Der Abgang hält allerdings nicht lange an, im Gegensatz zu der Trockenheit, die noch lange den Gaumen ausfüllt.

Step 3
Die Kombination zwischen Wein und veredeltem Spinatspiegelei war die absolut perfekte Symbiose. Die reduzierte süss-säuerliche karamellartige und dennoch sehr würzige Cremesauce ergänzte sich hervorragend zu dem fruchtigen und trockenen Sangiovese. Keines von beiden dominierte, sondern unterstützte sich gegenseitig. Der extreme sirupartige Geruch und intensive Geschmack des Weins wurde durch die würzige mit Martini angereicherte Sauce aufgefangen und gemildert. Ein Traum!

Step 4
Im Ergebnis hat diese Verkostung gezeigt, dass man alle Vorurteile über Bord werfen sollte. Ein Spiegelei mit Spinat in Sahnesauce und Trüffeln verträgt eben auch mal statt eines naheliegenden Weissweines auch einen Rotwein! Um maximale Geschmackserlebnisse zu erhalten hilft daher nur eines:....TESTEN, TESTEN, TESTEN!


2.
Argentinien
Andean-Vineyards
Finca de La Montana, 2006
Sangiovese
13,0%
Mein vino-fino Weinhändler, bei dem ich den Wein gekauft hatte, schraubte meine Erwartungen an die Flasche stark zurück. Der Wein sei nicht überragend.
Aber um der Weinrallye gebührend Ehre zu zollen, wollte ich eben auch einen argentinischen Sangiovese verkosten und liess mich nicht verschrecken. Der Wein kommt aus der Provinz Mendoza, die im Mittelwesten Argentiniens liegt. Im Westen wird die Provinz durch die Anden von Chile getrennt. Ansonsten ist das Gebiet zum grössten Teil Steppe und zum Teil Wüste. Der Wein wächst in etwa 650 bis 1200 m über dem Meeresspiegel.
Und um es vorwegzunehmen....er ist durchaus sehr anständig!

Step 1
Argentinien..... das Land des Steaks....
Ob zu einem argentinischen Wein ein italienisches Pilzrisotto passen könnte? Mit frischen weissen und braunen Champignons, Steinpilzen, Trüffeln...abgelöscht mit argentinischem Sangiovese?

Step 2
Die Flasche ist mit einem Plastikkorken verschlossen. Beim Eingiessen in das Glas zeigte der Wein seine Schneewittchen - Blutrotfärbung. Sehr schön.
In der Nase ist einen Hauch von Schokolade mit Kirsche zu erahnen.....also das Aroma geht in die Richtung von Mon Chéri, aber ohne penetrant zu sein. Vanille und Holz ist auch dabei.
Der erste Schluck war angenehm und im Gegensatz zum kalifornischen Kollegen kommen beim Wein ein Waldbeerenmix zum Zuge und der Gaumen trocknet nicht unbedingt gleich aus, auch wenn der Wein zweifellos trocken ist.
Beim zweiten Schluck hat der Wein immer noch was von Wald, aber nun kommt ein Moos- und Nussaroma gewürzt mit schwarzem Pfeffer zur Geltung. Der Abgang ist dann leicht und elegant.

Step 3
Es ist angerichtet, die Spannung steigt.
Wie wird der Wein zu dem Pilzrisotto passen und umgekehrt?
Risotto sieht ja selten appetitlich aus, aber es schmeckt meist vorzüglich. Wie auch diesmal... die gehobelten Trüffelstücke mit dem Schnittlauch gaben dem Risotto eine würzige Frische zu dem ansonsten so schweren und schnell sättigenden Gericht.
Der Finca de la Montana passte sich der Behäbigkeit des Essens an. Der erste Schluck Wein liess einen erst kurz ob der Säure aufzucken. Nach einer Sekunde beruhigten sich die Geschmacksnerven und ein weiches, fruchtiges, z.T. tabakartiges Aroma machte sich am Gaumen breit und vermählte sich mit dem deftigen Risotto. Der Wein wirkte sogar in der Kombination mit dem Essen aufgrund einer nachhallenden Säure appetitanregend, so dass jeder Happen absolut ein Vergnügen war.

Step 4
Im Resultat ist festzuhalten, dass der Sangiovese ein äusserst variable Traube ist, die mit den unterschiedlichsten Gerichten kombiniert werden kann.
Obwohl ich zweimal dieselbe Traubensorte getrunken habe, sind die Weine grundverschieden.
Der kalifornische Wein verströmt ein sehr reiches Aroma und ist solo getrunken sehr dominant, zeigt jedoch wenig Nachhall.
Das argentinische Pendant zieht einen bescheideren Auftritt vor, um sich dann aber voll zu entfalten und elegant in Erinnerung zu bleiben.
Beide Weine sind auf ihre Art und Weise charmant und werden schon aufgrund ihrer für den Sangiovese besonderen Anbauorte besonders in Erinnerung bleiben.

Was passiert weiter?
Bin gespannt, wohin die 6. Weinrallye die Teilnehmer führen wird....vielleicht zu weinanbauenden Eskimos? Oder zu Wein der unter besonders schwerwiegenden Umständen zustande gekommen ist, z.B. unter Tage mit künstlicher Sonnenbestrahlung gewachsen ist?
In jedem Fall wird die Jagd nach den entsprechenden Weinen wieder hochspannend. Und um den maximalen Genuss zu erhalten, ist dem Weinrallye-Teilnehmer kein Wein-Weg zu weit, kein finanzielles Risiko zu hoch und keine Traube zu abwegig, oder?!.....

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Sehr mutige Kombinationen! Ich bin auch ein Freund von gewagten Experimenten, aber zur Variante des Witzigmann-Spiegelei´s hätte ich wohl nie einen Roten probiert. Super, auch die Weinbeschreibungen - Mon Chéry war bei einem meiner beiden Sangioveses auch im Spiel :-D
Aus gut informierten Quellen kann ich übrigens schon mal deinen Befürchtungen zur nächsten Rallye etwas entgegensteuern: Es wird diesmal leichter werden mit der Beschaffung der Weine ;-)
Herzliche Grüße, Lars.

Swetlana hat gesagt…

Der Erfolg der Kombination hat mich selber sehr überrascht, weil auch noch viel Cremiges im Spiel war... ;-) Aber mein Wagemut hat sich definitiv gelohnt!!!
Und was Mon Chéri angeht....da musste ich grinsen, weil die Assoziationen anscheinend ähnlich sind, egal ob man nun einen italienischen oder argentinischen Wein vor sich hat...(und dabei kann ich Mon Chéri noch nicht mal was abgewinnen!)

Anonym hat gesagt…

Toller Beitrag, Svetlana - für mich in der absoluten Pôle Position! Schade, dass nicht mehr Frauen über Wein schreiben, aber Du bist schon mal das beste Beispiel dafür, was der Weinblogwelt dadurch entgeht!

Ich freue mich schon auf Deinen Kommentar zur nächsten Rennstrecke!

Swetlana hat gesagt…

Herzlichsten Dank für das mein Herz erwärmendes Lob! Und das auch noch von einer "Weinblog-Kollegin"! Ich gebe zu, dass mir nur wenige blogs bekannt sind, in denen Frauen über Wein schreiben, was überaus schade ist. Und meist sind das dann auch amerikanische blogs. Auf der anderen Seite findet man als ein seltenes Exemplar auch leichter Beachtung, was auch nicht schlecht ist... ;-)
Beste Grüsse aus Berlin!