Donnerstag, 5. Juni 2008

2007er deutsche Weine

Die Weinhandlung Hardy im schönen Berliner Dahlem lud heute zu einer Weinprobe der deutschen 2007er Weine ein. Es standen zwölf Weißweine aus Rheinhessen, Mosel, Nahe, Franken, Saale-Unstrut und Baden, ein Rotwein von Saale-Unstrut und ein Roséwein von der Nahe, der eigentlich kein Rosé ist, zur Verkostung bereit.
Zur Weinprobe im Garten der Weinhandlung wurden folgende Weine aufgetischt:

Weiss
1) Rheinhessen, Weingut Landgraf, Weißwein QbA trocken
2) Mosel, Weingut Max Ferd. Richter, Mülheimer Riesling QbA trocken
3) Mosel, Weingut Max Ferd. Richter, Brauneberger Juffer Riesling Kabinett trocken
4) Mosel, Weingut Max Ferd. Richter, Mühlheimer Sonnenlay Riesling Kabinett feinherb
5) Mosel, Weingut Max Ferd. Richter, Veldenzer Elisenberg, Kabinett
6) Nahe, Weingut Tesch, Riesling Unplugged Kabinett trocken
7) Nahe, Weingut von Racknitz, Gutsriesling QbA trocken
8) Franken, Weingut Hans Wirsching, Iphöfer Kronsberg Silvaner Kabinett trocken
9) Saale-Unstrut, Weingut Herzer, Naumburger Steinmeister Gutedel QbA trocken
10) Saale-Unstrut, Weingut Herzer, Naumburger Steinmeister Weißburgunder Kabinett trocken
11) Saale-Unstrut, Winzerhof A. Gussek, Naumburger Göttersitz Grauburgunder Kabinett trocken
12) Baden, Weingut Stigler, Ihringer Winklerberg Weißburgunder & Chardonnay Kabinett trocken

Rosé
1) Nahe, Weingut Tesch, Deep Blue Spätlese trocken

Rot
1) Saale-Unstrut, Winzerhof A. Gussek, Naumburger Göttersitz Portugierser QbA trocken

Überraschend war der einfache trockene Weißwein QbA vom Weingut Landgraf. Er besteht hauptsächlich aus Rivaner und Silvaner und einem 10%-Teil Bacchus und ist in der Nase sehr würzig und blumig mit Stachelbeeren vermischt. Gerade diese Intensität des Weines überraschte positiv.
Etwas langweilig gestaltete sich dagegen der Unplugged Teschwein, der in der Nase sehr blumig intensiv, aber am Gaumen zu säurebetont war.
Diese verschlossene Säure machten auch den Mühlheimer Riesling von Richter und den Gutsriesling vom Weingut von Racknitz und den Naumburger Steinmeister Weißburgunder nicht gerade zu einem unkompliziert trinkbaren Wein.
Langweilig und fade waren sogar der Iphöfer Kronsberg Silvaner, der Naumburger Steinmeister Weißburgunder, der Naumburger Steinmeister Gutedel und der Deep Blue von Tesch. Letzterer sollte eigentlich ein Roséwein (Weißburgunder, Spätburgunder und Silvaner) sein, war aber von der Farbe so durchsichtig, dass er noch nicht mal als Weisswein durchgehen würde, sondern eher als Wasser. In der Nase war er zwar sehr angenehm, aber am Gaumen langweilig und nichtssagend.
Allein der Ihringer Winklerberg Weißburgunder & Chardonnay waren nicht nur in der Nase aromatisch (leicht nussig), sondern umspielte auch den Gaumen leicht und elegant.
Angenehm aromatisch waren denn auch der grosse Name Max Ferd. Richter, der einen wunderbaren Brauneberger Juffer Riesling und Mülheimer Sonnenlay Riesling Kabinett feinherb und den Veldenzer Elisenberg Riesling Kabinett hergestellt hat. Der Brauneberger Juffer ist noch der Säuerlichste von allen, er hat jedoch schon ein leicht butterigen angenehmen Abgang. Der Mülheimer Sonnenlay erinnerte gar in der Nase an Ananas und war am Gaumen angenehm säuerlich mineralisch. Der Veldenzer Elisenberg war der "süsseste" von allen, der auch die komplexesten Aromen, wie Stachelbeere und Pfirsich, in sich vereinte.
Langweilig bis nichtssagend war dann auch der Portugieser, der zwar in der Nase Aromen von Johannisbeeren und Waldbeeren hatte, am Gaumen aber verdünnt wirkte.

Im Ergebnis kann man festhalten, dass keine grossen Überraschungen präsentiert wurden und die meisten Weine noch relativ säurebetont und verschlossen waren. Vielleicht sollte man noch ein wenig warten, bis man die deutschen 2007er trinkt. Auch wenn alle allemal trinkbar waren.

Kommentare:

Lars hat gesagt…

Dein Resümee ist doch etwas sehr verallgemeinernd, ich habe schon einige 2007er mit großer Freude verkostet. Beim 2007er Jahrgang in Deutschland scheiden sich insofern die Geister, dass es Betriebe gab, die definitiv zu verfrüht gelesen haben - deshalb die teilweise heftigen Säurewerte. Andere pokerten höher und brachten exzellent ausgewogene und komplexe Weine in die Flaschen. Hier in Baden durfte ich das hautnah erleben und verkoste derzeit die entsprechenden Ergebnisse. Es hängt doch immer sehr vom Betrieb ab und gerade die Trinkreife wird durch die jeweilige Kellertechnik (oxidativer oder reduktiver Ausbau, etc.) bestimmt.

2006 war in Südbaden ein nahezu verheerend schwieriges Jahr, da half ich einem qualitätsfanatischem Winzer aus dem Nachbardorf ein paar Tage bei der Lese, wir selektierten in aufwendigster Handlese und siehe da - die Weine sind trotz aller Widrigkeiten wunderschön geraten.

Das Potential des 2007er Jahrgangs war auf jeden Fall sehr hoch, die Chance konnten aber nicht alle Winzer umsetzen.

Swetlana hat gesagt…

Lieber Lars,
Du hast recht, dass man nicht verallgemeinern sollte.
Allerdings betraf meine mehr oder weniger kritische Einschätzung auch nur die 14 verkosteten Weine. Ich würde mich nicht wundern, wenn der eine oder der andere Wein schon in einem halben Jahr in sich viel ruhender wirken wird.
Herzlichste Sommergrüsse aus Berlin!