Donnerstag, 10. Januar 2008

Weinrallye #7 stylish bib by hauswein

Das Jahr 2008 beginnt mit einem Weinrallye-Thema, zu dem wohl jeder sein statement abgeben kann. Peter und Andreas Kaul vom Kaulwein-Weblog stellten bei der Weinrallye # 7 eine Aufgabe, die der Genussmensch in der Regel jedoch nur zwiespältig angeht:

Alles außer Glas
“Trinkbare” Weine aus Tetra Pak, Bag in box und Co.

Lars Breidenbach vom schreiberswein machte genau den Knackpunkt dieser Verkostung aus. Auf der einen Seite gibt es bei jedem Discounter Weine im Tetra Pak, etc. Aber ob man tatsächlich dann die Lust hat, diese Flüssigkeit zu verkosten, ist eine ganz andere Frage.
Es muss also was ausgefallenes her.
Wie es der Zufall so wollte, bin ich vor kurzem durch einen Zeitschriftenartikel auf das kleine Unternehmen hauswein gestoßen.
Und wie es der Zufall weiter wollte, sitzt dieses Unternehmen auch zentral in Berlin und vertreibt von da aus seine sechs bag-in-box Weine über das Internet.

Und wie es der Zufall schlussendlich wollte, bin ich einfach dort vorbeimarschiert und habe einen provencalischen 2004 Syrah-Cabernet aus dem Hause Jerôme Quiot erworben. Mit einem praktischen Tragegriff auf der Rückseite der Box versehen, lassen sich die fünf Liter problemlos transportieren. Ausserdem ist der Kasten an sich auch noch ästhetisch, so dass man die Box nicht unbedingt verstecken muss.

Frankreich
Vin de Pays des Bouche du Rhône
Jerôme Quiot, Domaine Houchart
Syrah-Cabernet 2004

13 % vol.


Der Wein selber wird von hauswein als rustikal beschrieben.
Ein ausgefeiltes und exquisites Mehr-Gänge-Menue wäre wohl eher unangebracht gewesen, um den Genuss dieses Weines zu steigern. Da musste schon eher etwas Bodenständigeres her. Da lag es nahe, der Empfehlung von hauswein zu folgen und ein Ratatouille vorzubereiten, allerdings in der Variante mit leckerem Camargue-Reis und Lammfilets.

Um dem Thema Tetrapak & Co. noch ein wenig mehr Würze zu verleihen, gab es noch eine zusätzliche Verkostungsprobe - frei nach dem Thema, in welchem Glas schmeckt dieser bib-Wein am besten: im normalen Weinglas, im rustikalen dicken Weinpokal oder doch eher im profanen Wasserglas?


step 1: Das Wasserglas

Der Syrah-Cabernet hat im Wasserglas eine tiefe schwarzrote satte Färbung.
In der Nase ist der Wein allerdings verhalten, etwas Sauerkirschenarome umweht die Nase.
Am Gaumen werden die Sauerkirsche zusammen mit schwarzer Johannisbeere deutlicher - mit einer leichten buttrigen Note. Die angekündigte Pflaume ist für mich leider nur schwerlich und mit viel Phantasie auszumachen.
Beim Abgang ist der Alkohol stark bemerkbar.
In der Kombination mit dem Ratatouille und dem Lammfilets ist der Wein aus dem Wasserglas zunächst säuerlich. Nach etwa zwei Sekunden fängt die Kombination aus Essen und Wein jedoch am Gaumen zu harmonieren an. Der im Ratatouille vorhandene Knoblauch, die Zwiebeln, der Fenchel, die Aubergine, die Zucchini, die Tomaten und die Paprika - gewürzt mit Kräutern der Provence und Lorbeer - fangen die leichte Säure des Weines gut auf, so dass weder der Wein noch das Essen dominiert.


step 2: Der dickglasige und rustikale Weinpokal

Die Farbe des Weins ist in dem Pokal schlecht erkennbar, da das Glas an sich eine leichte Färbung hat.
In der Nase ist der Wein wieder etwa verhalten, bestimmte Aromen - wie Sauerkirsche - sind nur nach mehrmaligem wiederholten Riechen erkennbar.
Am Gaumen kommen dann die Sauerkirschen und die schwarze Johannisbeere wieder zum tragen, wobei der Alkoholgehalt in guter Balance ist.
Der Abgang ist dann zwar kurz, aber sehr angenehm.
Zusammen mit dem Lammfilet und dem Ratatouille war die Kombination etwas säuerlich, dann aber schnell sehr ausgewogen. Auffällig ist, dass der Alkoholgehalt bei dieser Glasvariante mit dem Essen zusammen stärker auffiel.


step 3: Das normale Weinglas

Bei dieser Verkostung konnte man die Farbe des Weins wieder erkennen. Und wie beim Wasserglas ist sie bei sattem schwarzrot geblieben.
In der Nase sticht stark der Alkoholgehalt hervor. Nach dem ersten Riechen kommen dann aber die Johannisbeeren- und Sauerkirscharomen hervor. Auch ein wenig Stachelbeere und sogar ein leichter Rosenduft umweht die Nase.
Am Gaumen dominiert dann wieder der Alkoholgehalt. Erst nach ein paar Sekunden umspielt auch das Sauerkirscharoma den Gaumen. Ein Hauch weisser Schokolade und Zitronenbonbon ist erahnbar.
Beim Abgang ist der Wein zwar wieder verhalten, jedoch ist er sehr sanft.
Die Kombination Ratatouille, Lamm und Wein aus Weinglas ist perfekt. Alles harmoniert miteinander. Sowohl die Säure und der Alkoholgehalt sind wohl ausbalanciert, als auch die Deftigkeit des Ratatouille ist gemildert.


step 4: summary

Ratatouille, Lamm, Camargue-Reis und Syrah-Cabernet aus der bib von Quiot passen hervorragend zueinander. Alles schmeckt und nichts stört. Allerdings sollte dann der Wein aus einem vernünftigen Weinglas getrunken werden.
Wenn man allerdings den Wein solo, d.h. ohne entsprechende Speisen, zu sich nehmen möchte, dann sollte man wohl lieber auf das Weinglas verzichten und einen dicken Weinpokal nehmen.
Auf das Wasserglas sollte man grundsätzlich verzichten, ausser man trinkt Wasser. Und das sollte man in jedem Fall tun.
Schlussendlich bleibt festzuhalten, dass das bib-Prinzip nicht nur äusserst praktisch ist, weil man den Wein bis zu 3 Monate nach Öffnung des Zapfhahnes aufbewahren kann. Auch stört der Plastik-bag das Aroma des Weines nicht im mindesten. Der Wein hätte genauso auch aus der Flasche stammen können.
Der Sommer mit seinen Grillabenden kann kommen!

Kommentare:

Iris hat gesagt…

Und nochmal ein besonders schöner Beitrag zur Weinrallye. Die Idee mit dem zusätzlichen Gläsertest finde ich vervorragend - das wäre fast schon ein eigenes Rallyethema!

Besonders schade finde ich es, wenn man zu Bekannten einen guten Wein zum Essen mitbringt und den dann aus dicken, geraden, möglichst noch modisch blau (passend zur Farbe der Tischdeko) eingefärbten Gläsern trinken muss.

Da hilft nur, bei der nächsten Einladung als "Gastgeschenk" statt der Blumen einen Karton einfacher Weingläser mitzubringen:-)))

Swetlana hat gesagt…

Vielen Dank für das Kompliment.
Die Idee statt Blumen Weingläser als Gastgeschenk mitzubringen finde ich grandios!
Genauso wie die Qualität eines Weines stimmen muss, muss auch das Glas aus dem man trinkt stimmen. Leider habe ich auch bei Gläsern die Erfahrung gemacht, dass alles was gut ist, auch teuer ist....jedenfalls die Gläser eines österreichischen Unternehmens. Aber der Erwerb lohnt sich meines Erachtens wirklich....auch wenn ein solches Glas leider für meinen bescheidenen Test nicht zur Verfügung stand.

Anonym hat gesagt…

Hallo Swetlana,

toller Bericht, chapeau! Ich habe schon alles Weine von
hauswein.de verkostet und kann Dir den Chardonnay aus Burgund nur wärmstens empfehlen.

Alles Gute,
Martin
www.berlinkitchen.com

Swetlana hat gesagt…

Thx, Martin!
Lob erhält man immer wieder gerne! Und dann noch auf so eine nette Art und Weise! ;-)
Ich werde gerne Deinem Rat folgen, und demnächst mal den Chardonnay verkosten! Der Frühling/Sommer ist ja nicht mehr weit!!! ;-)
Herzlichen Gruss!