Dienstag, 8. Januar 2008

Siddhartha und die Liebe

Wie wärs denn mal mit einem neuen Schulfach?
In Zeiten, in denen der Vorwurf stetig laut ist, dass Jugendliche keine Allgemeinbildung und kein Literaturverständnis mehr hätten, wäre es doch mal an der Zeit, das Schulfach Literatur einzuführen. Vorteil hiervon wäre, dass der Deutschunterricht entlastet werden und wieder mehr Augenmerk auf die deutsche Sprache bzw. Grammatik gelegt werden könnte. Gleichzeitig könnte man aber auch im Literaturunterricht die Schüler in einem breiteren Umfang als bisher mit der deutschsprachigen Literatur vertraut machen.
Dann würde es auch seltener passieren, dass die "Vor- und Nachwendegeneration" zum Beispiel Hermann Hesses Siddhartha nicht kennt.
Dabei zählt dieses Buch zu einem der wichtigsten Bücher von Hermann Hesse.
Es bringt dem christlich geprägten Westeuropäer die Welt des Buddhismus anhand der Geschichte des Brahmanensohnes Siddhartha nahe.
Siddhartha ging aus dem Haus seines Vaters weg, um für sich den Weg der Wege, sein Atman, zu finden.
Zuerst lebte er als Samana, also als Asket in den Wäldern. In dieser Zeit traf er auch Buddha, dessen Lehren er wissbegierig aufnahm. Ihm war aber bewusst, dass es nicht ausreichte, Buddhas Lehren anzuhören. Die Lehren des Buddha trieben ihn im Gegenteil dazu an, selber seinen Weg zum Atman zu finden und das geistig unbefriedigende Leben der Samanas zu verlassen.
Auf seiner Suche kam er in eine Stadt, in der er blieb und mit Hilfe der Kurtisane Kamala als Kaufmann zu ansehnlichem Wohlstand kam. Zunächst belächelte er das Leben der "Kindermenschen", später zog in der Erwerb von Reichtum, Spiel und Gelage so in den Sog, dass er fast daran umzukommen drohte. Noch rechtzeitig konnte er die Reißleine ziehen und ging - alles stehen und liegen lassend - aus der Stadt weg, um bei einem Fuhrmann mit Hilfe der Stimmen des Flusses seine innere Ruhe zu finden.
Den wahren Sinn seines Lebens fand Siddhartha jedoch über seinen mit Kamala gezeugten Sohn. Durch ihn wurde Siddhartha erst bewusst, dass die Liebe und die Liebe zur Welt die Hauptsache ist und weder Lehrer noch Bücher diese lehren können.
Am Ende siegt daher auch bei Hermann Hesse und Siddhartha die Liebe.
Ein filmreifens Happyend.

Kommentare:

LarsB hat gesagt…

War der Fuhrmann nicht ein Fährmann? Okay, verzeih bitte, das ist natürlich Haarspalterei. Den Siddhartha habe ich erst vor ein paar Wochen wieder gelesen. Ein elementares Werk!

Ein Schulfach Literatur finde ich auch sehr wünschenswert. Noch dringlicher sehe ich aber den Bedarf an Themen der Philosophie und Lebenskunst. Was sind wir und warum sind wir? In dieses neues Fach kann auch der Religionsunterricht integriert werden. Natürlich unbedingt konfessionsungebunden und alle Weltreligionen umfassend. Wie könnte sich dieses neue Fach nennen? Vielleicht "Menschenkunde", "Kopf- und Herzensbildung", "Leben"?
Ich glaube, es ist nur vorteilhaft, auch Kinder schon mit wesentlichen Lebensfragen zu konfrontieren. Mit meinem älteren Sohn, der jetzt in der 3. Klasse ist, spreche ich gerne über "schwierige" Fragen, z.B. über Geburt und Tod oder das "Nichtselbst" (die Erkenntnis, das alles in allem steckt und voneinander abhängig ist). Der Samen für mehr Tiefgang und Verständnis in die Natur der Dinge kann meiner Meinung nach nicht früh genug gesät werden.

Wolf hat gesagt…

In Bayern gibt es das schöne Fach Ethik, das für Ketzerkinder angeboten wird. Das finde ich ein prima Einrichtung, konfessionslos und im besten Fall ideologiekritisch, und kann zur Menschbildung in allen metaphysischen Fragen beitragen.
Zu Siddhartha muss ich sagen, dass mir der fast ein bisschen zu kitschig geschrieben ist, wie das meiste von Hesse. Als Jugendlicher hat mich der Steppenwolf stark bewegt, aber als ich ihn letztens noch einmal lesen wollte, bin ich gescheitert. Ähnlich kitschig fand ich auch Narziss und Goldmund. Jemand sagte mir einmal, Hesse hat in allen Bücher immer ein Thema und das stimmt auch ein bisschen.

Swetlana hat gesagt…

Richtig, richtig, richtig!
Vasudeva war Fährmann! Ich bitte für den Tippfehler, der mir unterlaufen ist, um Entschuldigung.... ;-)...
Das "Menschwerden" durch Erziehung ist tatsächlich ein sehr komplexes Thema, über das ich mir allerdings wegen mangelnder fundierter Kenntnis und Erfahrung nicht erlaube zu urteilen. Wovon ich allerdings fest überzeugt bin, ist, dass die Liebe zu sich selbst, der Umwelt und der Welt schlechthin Grundbestandteil jeglicher Erziehung ist. Ob nun von Seiten der Lehrer, Familie oder Freunden.