Freitag, 16. Januar 2009

Weinrallye # 19 Spriten, Gespriten, Aufspriten

Aber was sind Gespritete Weine? Wein mit Sprite?! Sowas wie eine Weinschorle? Oder Wein mit Sprit?!
Letzteres hört sich gefährlich an, kommt aber der Wahrheit am nächsten.
Unter dem Spriten von Weinen versteht man die Zugabe von Alkohol zum Most oder Wein, was dazu führt, dass ein relativ hoher Restzucker bleibt und der Alkohlgehalt ziemlich hoch ist.
Drei davon stehen heute auf der Tagesordnungsliste. Zwei aus der Ukraine und einer aus Portugal.


A. Die Weine

1. Ukraine
Krim
Magarach
Madera Al'mins'ka (Мадера Альмiнська)
1992
Restzucker 4 %, Alkoholgehalt 19,5 % vol.

Dieser Wein besteht aus der Weissweintraube Rkaziteli. Der Name des Weins "Madera" deutet schon darauf hin, dass es sich hierbei um einen dem portugiesischen Madeira ähnelnden Wein handeln soll.
Und tatsächlich, in gewisser Weise erinnert er daran.Farblich ist er goldgelb bis bernsteingelb.
In der Nase dominieren eher starke Petrolnoten.
Am Gaumen ist er dann cognagartig samtig und erinnert an Quitten und Mandeln. Interessante starke Mischung.
Der Abgang ist dann allerdings leider nichtssagend.


2. Ukraine
Krim
Inkerman
Mystery of Chersonesus
1998
16 % Restzucker, 16 % vol. Alkoholgehalt

Ein kräftiger und typischer Wein der Krim, dessen Produzent Inkerman zu Zeiten der Sowjetunion 1961 gegründet wurde. Dieser mysthische Wein ist eine Cuvee aus den Trauben Bastardo Magarach, Merlot, Cabernet-Sauvignon und Saveravi.Farblich zeigt der Wein einen leicht bräunlichen granatfarbenen Ton. Von allen drei Weinen weist er farblich noch die stärksten Rottöne auf.
Olfaktorisch dominieren fruchtsirupartige Töne.
Am Gaumen ist er zunächst marmeladig süss. Dieser erste Eindruck wandelt sich jedoch und der Wein findet zu einer angenehmen süssen beerigen Säure, die auch Kakaotöne aufweist.
Der Abgang ist lang, aber nicht komplex.
Ein rundum angenehmer Wein, der als Aperitif oder Dessertwein formvollendet tauglich ist.


3. Portugal
Madeira
Flagman's
Medium Sweet
Madeira
19 % vol.


Zum Vergleich mit dem ukrainischen Madera wird das portugiesische Original herangezogen.
Der Wein wird bei mir hauptsächlich beim Kochen eingesetzt.
Farblich hebt er sich von den ukrainischen Kollegen dahingehend ab, dass er eine klare dunkle Bernsteinfarbe hat.
In der Nase ist der Madeira leicht muffig und erinnert im Geruch ein wenig an Wandfarbe. Also, nichts zum Schnüffeln.
Am Gaumen ist er dann gefälliger und umspielt sanft die Mundhöhle. Das Bouquet ist leicht kräuterig und würzig gepaart mit beerigem Aroma.
Der Abgang ist relativ lang, aber ohne komplex zu sein.


4. Vergleich
Im direkten Vergleich Madera./.Madeira kann man festhalten, dass die Weine sehr unterschiedlich sind. Während der Madera trotz der vorhandenen Süsse stärker an einen Cognac erinnerte, ist der Portugiese ein Dessertwein par excellence, der allerdings nicht unbedingt die beste Qualität aufweist. Spannender ist der ukrainische Mystery of Chersonesus allemal!



B. Feste Nahrung

1. Apfel-Walnuss-Salat mit Blauschimmelkäse
Mit dem leichten Salat ergänzte sich der ukrainische Madera sehr gut, auch wenn die Zitronensäure der Sauce etwas störte. Die Süsse der Äpfel und der würzige Roquefort boten einen schönen Kontrast zu dem samtigen, aber herben Madera.
Dagegen ist der Mystery of Chersonesus eine schlechte Wahl zu dem Salat, da sowohl die Wein- als auch Salataromen verloren gingen.


2. Warme karamelisierte Silberzwiebeln mit Toastbrot
Die mit Kräutern der Provence, Chili, Lorbeer, Nelken, Maderawein und Honig in der Pfanne karamelisierten Zwiebelchen waren göttlich. Zum Hineinlegen.
Zusammen mit dem ukrainischen Madera ergaben die Silberzwiebeln eine tolle Mischung. Allerdings passte der Mystery-Wein noch besser dazu. Die Schärfe der Zwiebeln mit der Süsse des Weins sind eine unschlagbare Kombination.


3. Mousse au Chocolat
Wie erwartet ist ein Mousse au Chocolat ein schwieriges Dessert, das sich meist mit Wein nicht gut verträgt.Daher war es nicht erstaunlich, dass der ukrainische Madera aufgrund seines geringen Restzuckergehaltes am problematischsten von den drei Weinen war. Am harmonischsten war das Dessert definitv mit dem mysthischen Chersonesus. Die Süsse sowohl vom Mousse als auch vom Chersonesus ergänzten sich harmonisch. Aber auch der portugiesische Madeira passte sehr gut zum Dessert.

Mit einem letzten genussvollen Löffel Mousse au Chocolat und letzten Schluck Chersonesus endet die Weinrallye # 19 und verabschiedet sich bis zur Weinrallye # 20! Au revoir und Auf Wiedersehen!

Kommentare:

Thomas Günther hat gesagt…

Hey Swetlana,
was für ein umfangreicher Beitrag. Da bekommt man ja richtig Appetit.

Thomas hat gesagt…

Mein Gott Swetlana. Ich hatte mir ja gedacht das dieses Thema deines sein könnte, aber du hast alle meine Erwartungen übertroffen. Ich möchte das alles haben und probieren was du da auf den Tisch gezaubert hast!

Ultes hat gesagt…

Hallo Swetlana,
du musst uns unbedingt mal ein paar Tipps geben wo in Deutschland man diese Weine kaufen kann. Spannender Beitrag, vor Allem die Kombination der drei Weine mit dem Apfel-Walnuss-Salat mit Blauschimmelkäse kann ich mir als sehr spannend vostellen.

vinissimus hat gesagt…

Ein wiederum rundherum toller Beitrag! Krim-Weine - herrlich! Die Zwiebelchen - ein Gedicht! Mir knurrt eh' schon wieder der Magen :-)

Swetlana hat gesagt…

Well, danke für die virtuellen Blumen!

Iris hat gesagt…

Die Lobeshymnen der Bloggerkollegen sind mal wieder voll verdient! Mir läuft seit meiner Rückkehr aus D leider nur die Nase, nicht mal das Wasser im Mund zusammen - weshalb ich den Beitrag sicher nächste Woche noch einmal lesen werde, wenn ich auch meine Liquörweine dann wirklich am Gaummen haben werde:-)...

Wolf hat gesagt…

Da hätte ich gleich eine Frage zu den Silberzwiebeln: Waren die eingelegt, also säuerlich?

Swetlana hat gesagt…

Lieber Wolf,
ja, die Silberzwiebeln waren schon eingelegt. Ansonsten müsste man noch Essig (am besten wohl Sherry-Essig) hinzugeben.
Der Kick war einfach der Mix aus Scharf, Süss, Säuerlich, Knackig und Würzig.

Swetlana hat gesagt…

Lieber Alexander!
Ob man die vorgestellten Weine (ausser den portugiesischen Wein) auch in Deutschland erwerben kann, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich habe sie vor Ort gekauft. Die eine sogar bei einer Verkostung im Weininstitut der Wein"produktionsstätte".
Also in diesem Fall hilft nix...man muss hinfahren. Ab ins Flugzeug und auf der Krim visalos aussteigen!

Harald hat gesagt…

Das hört sich ja sehr gut an. Ich muß mich mal selbst zu Dir einladen...

Ultes hat gesagt…

Hallo Swetlana,
den Madeira hatte ich lustigerweise auch in der Hand, habe dann aber doch "Nee" gedacht.
Die Weine lesen sich echt super spannend, schade dass man so was in Deutschland nicht kriegt. Oder soll ich es wie Harald machen? Wir könnten dann ja auch gemeinsam fahren...