Mittwoch, 23. Januar 2008

Der skurrile Darjeeling limited

Mit Darjeeling limited ist dem Regisseur Wes Anderson ein aussergewöhnlicher Film gelungen.
Anderson, der sich insbesondere durch den Film The Royal Tenenbaums einen Namen gemacht hat, zeigt in seinem neuen Film die skurrile Geschichte der drei erwachsenen amerikanischen Brüder Francis, Peter und Jack Whitman.
Die drei sind grundverschieden und haben in ihrem täglichen Leben eigentlich nichts miteinander zu tun. Nach Aufforderung von Francis (gespielt von Owen Wilson) finden sich alle drei in einem in einem Zug in Indien wieder, um auf dieser Reise durch spirituelle Erfahrungen herauszufinden, ob die brüderliche Verbindung noch da ist und ggf. wieder aufgelebt werden kann. Francis, gewohnt das autoritäre Familienoberhaupt zu spielen, weist Peter (gespielt von Adrien Brody) und Jack (gespielt von Jason Schwartzman) in ihre Rollen ein. Diese machen das Ganze nur widerwillig mit, um nicht als diejenigen zu gelten, an denen der Familienfrieden scheitern sollte. Francis - bis ins Detail geplantes Projekt - berücksichtigte jedoch nicht, dass die Brüder mittlerweile ein selbständiges und eigenes Leben hatten. Dies führte dazu, dass der Selbstfindungstrip schlussendlich auf eine ganz andere Art und Weise endete, als Francis es geplant hatte.
Der Film ist in seiner Art so skurril, dass eine wirklich positive oder negative Bewertung fast gar nicht möglich ist. Der Eindruck, dass der Film seltsam ist, beschreibt den Film wohl am besten. Beeindruckend waren allerdings neben den Schauspielern auch die Bilder in Indien. Sowohl die Landschaft, die Farben und die Menschen vermittelten den Eindruck, dass man sich tatsächlich in Indien befände. Einziger kleiner Wermutstropfen ist, dass manche Szenen ein wenig zu langatmig waren.
Aber vielleicht ist das ja gerade nicht schlecht.
Indien ist ja dafür bekannt, dass dort alles hin und wieder etwas langsamer geht.
Warum soll's also in einem Film, der hauptsächlich in Indien spielt, anders sein?

Dienstag, 22. Januar 2008

Sommertauglicher Trollinger

Der Frühling ist nicht mehr weit. Sonne, Regen und milde Temperaturen wechseln sich tagtäglich ab.
Allmählich kann man sich daher schon mal wieder auf leichtere Weine einstellen, die den Frühling und Sommer versüssen können.
Den ersten Test als frühlingstauglichen Wein musste der Trollinger vom Weingut Dautel vom Bersigheimer Wurmberg über sich ergehen lassen. Und kurz vorab....er hat ihn mit Bravour bestanden. Die schön aufgemachte Internetseite vom Weingut Dautel verrät, dass der Wurmberg hauptsächlich aus mineralstoffreichem Muschelkalkboden besteht. Wie wirkt sich dieses Terroir wohl auf den Trollinger aus?

Deutschland
Württemberg

Weingut Dautel

Bersigheimer Wurmberg

Trollinger 2005,
12 % vol. trocken


Schon allein die Farbe des Trollingers erinnert an Frühling und Sommer: ein helles und sattes himbeerrot schimmert durch das Glas und verspricht viel Genuss.
In der Nase taucht dann die Himbeere wieder auf, gemixt mit Süsskirsche und Erdbeere...ein richtiger Fruchtcocktail für die Geruchsnerven!
Am Gaumen setzt sich dann der Aromenmix fort. Karamellbonbons, Fudge, Waldbeeren, Gras, Zitrusbonbons mit einem Hauch Pflaume und Kardamom explodieren förmlich im Mund. Dabei ist der Wein trotz der Aromenvielfalt nicht schwer, sondern ist in sich rund und elegant, was sich auch im Abgang weiter lange fortsetzt.
Kurzum, der Wein bietet sowohl zu einem leichten Mahl als auch an einem lauen Abend solo getrunken viel Genuss - ohne plump zu sein. Dautel ist mit dem "einfachen" Trollinger ein kleines Meisterwerk gelungen. Bei diesem Wein kann man tatsächlich im besten Sinne von einem Spasswein sprechen.
Der Sommer kann kommen!

Sonntag, 13. Januar 2008

Weinrallye # 8 im Anmarsch - Eine Frage der Etikette

Die Weinrallye #7 ist ordnungsgemäss durch den Bericht vom Kaulwein-Weblog abgeschlossen worden.
Von allen Verkostungen hat mich am meisten der Bericht von Mario Scheuermann fasziniert, der eine wunderschöne Escada Bag-in-Box und einen südafrikanischen Weisswein im Plastik-Bag aufgetrieben hat. Klasse Idee! Schade, dass man die Escada Box nicht in Deutschland erwerben kann. Dann wäre ein würdiger Nachfolger für die Prosecco-schlürfende Generation gefunden!
Mit Abschluss der Weinrallye #7 ist nun auch die Weinrallye #8 für den 6. Februar 2008 ausgerufen worden.
Diesmal kommt die Aufgabe aus dem Haut-Languedoc von Iris Rutz-Rudel vom blog Weingut Lisson - Ein Winzertagebuch. Wider Erwarten ist das Thema nicht frankreichbezogen.
Iris widmet sich einer Thematik, die jeden Weinkäufer einmal betroffen hat: Soll man jetzt einen Wein kaufen, weil einem das Etikett gefällt?
Daher ruft sie auf:

Holt sie hervor, Eure schönsten Flaschen!

Alle können mitmachen und ihre Artikel zu diesem Thema am 6. Februar 2008 auf der eigenen blogsite veröffentlichen oder an Iris schicken, die ihn dann auf ihrer Seite veröffentlichen wird.
Zur Beantwortung weiterer Fragen zur Teilnahme an der Weinrallye hilft ein Blick auf die Seite von Thomas Lippert vom winzerblog.
Auf zur Kür der Flaschenschönheitskönigin!

Freitag, 11. Januar 2008

Namibia in der Rathaus-Galerie Reinickendorf

Das Rathaus Reinickendorf in Berlin macht sich allmählich mit regelmässigen Ausstellungen zu Namibia einen Namen. Erst letztes Jahr organisierte das Rathaus die Ausstellung Namibia und Deutschland - Aspekte einer besonderen Beziehung.
Am Donnerstag, den 24. Januar 2008 eröffnet nun um 19:00 Uhr in der Rathaus-Galerie Reinickendorf (Eichborndamm 215 - 239, 13437 Berlin, U8 Rathaus Reinickendorf) die Ausstellung

Helga Kohl: Kolmanskop - Serie
Fotografie aus Namibia

Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit p.art.ners berlin-windhoek gGmbH bis zum 7. März 2008 von Montag bis Freitag 9 Uhr bis 18 Uhr geöffnet.
Gezeigt werden Fotografien der verlassenen Diamantenstadt Kolmanskuppe in der namibischen Wüste.
Helga Kohl erhielt ein von der Bremer Heimstiftung in Kooperation mit der Bremischen Bürgerschaft geschaffenes Kunststipendium von Juni bis September 2007.

Donnerstag, 10. Januar 2008

Weinrallye #7 stylish bib by hauswein

Das Jahr 2008 beginnt mit einem Weinrallye-Thema, zu dem wohl jeder sein statement abgeben kann. Peter und Andreas Kaul vom Kaulwein-Weblog stellten bei der Weinrallye # 7 eine Aufgabe, die der Genussmensch in der Regel jedoch nur zwiespältig angeht:

Alles außer Glas
“Trinkbare” Weine aus Tetra Pak, Bag in box und Co.

Lars Breidenbach vom schreiberswein machte genau den Knackpunkt dieser Verkostung aus. Auf der einen Seite gibt es bei jedem Discounter Weine im Tetra Pak, etc. Aber ob man tatsächlich dann die Lust hat, diese Flüssigkeit zu verkosten, ist eine ganz andere Frage.
Es muss also was ausgefallenes her.
Wie es der Zufall so wollte, bin ich vor kurzem durch einen Zeitschriftenartikel auf das kleine Unternehmen hauswein gestoßen.
Und wie es der Zufall weiter wollte, sitzt dieses Unternehmen auch zentral in Berlin und vertreibt von da aus seine sechs bag-in-box Weine über das Internet.

Und wie es der Zufall schlussendlich wollte, bin ich einfach dort vorbeimarschiert und habe einen provencalischen 2004 Syrah-Cabernet aus dem Hause Jerôme Quiot erworben. Mit einem praktischen Tragegriff auf der Rückseite der Box versehen, lassen sich die fünf Liter problemlos transportieren. Ausserdem ist der Kasten an sich auch noch ästhetisch, so dass man die Box nicht unbedingt verstecken muss.

Frankreich
Vin de Pays des Bouche du Rhône
Jerôme Quiot, Domaine Houchart
Syrah-Cabernet 2004

13 % vol.


Der Wein selber wird von hauswein als rustikal beschrieben.
Ein ausgefeiltes und exquisites Mehr-Gänge-Menue wäre wohl eher unangebracht gewesen, um den Genuss dieses Weines zu steigern. Da musste schon eher etwas Bodenständigeres her. Da lag es nahe, der Empfehlung von hauswein zu folgen und ein Ratatouille vorzubereiten, allerdings in der Variante mit leckerem Camargue-Reis und Lammfilets.

Um dem Thema Tetrapak & Co. noch ein wenig mehr Würze zu verleihen, gab es noch eine zusätzliche Verkostungsprobe - frei nach dem Thema, in welchem Glas schmeckt dieser bib-Wein am besten: im normalen Weinglas, im rustikalen dicken Weinpokal oder doch eher im profanen Wasserglas?


step 1: Das Wasserglas

Der Syrah-Cabernet hat im Wasserglas eine tiefe schwarzrote satte Färbung.
In der Nase ist der Wein allerdings verhalten, etwas Sauerkirschenarome umweht die Nase.
Am Gaumen werden die Sauerkirsche zusammen mit schwarzer Johannisbeere deutlicher - mit einer leichten buttrigen Note. Die angekündigte Pflaume ist für mich leider nur schwerlich und mit viel Phantasie auszumachen.
Beim Abgang ist der Alkohol stark bemerkbar.
In der Kombination mit dem Ratatouille und dem Lammfilets ist der Wein aus dem Wasserglas zunächst säuerlich. Nach etwa zwei Sekunden fängt die Kombination aus Essen und Wein jedoch am Gaumen zu harmonieren an. Der im Ratatouille vorhandene Knoblauch, die Zwiebeln, der Fenchel, die Aubergine, die Zucchini, die Tomaten und die Paprika - gewürzt mit Kräutern der Provence und Lorbeer - fangen die leichte Säure des Weines gut auf, so dass weder der Wein noch das Essen dominiert.


step 2: Der dickglasige und rustikale Weinpokal

Die Farbe des Weins ist in dem Pokal schlecht erkennbar, da das Glas an sich eine leichte Färbung hat.
In der Nase ist der Wein wieder etwa verhalten, bestimmte Aromen - wie Sauerkirsche - sind nur nach mehrmaligem wiederholten Riechen erkennbar.
Am Gaumen kommen dann die Sauerkirschen und die schwarze Johannisbeere wieder zum tragen, wobei der Alkoholgehalt in guter Balance ist.
Der Abgang ist dann zwar kurz, aber sehr angenehm.
Zusammen mit dem Lammfilet und dem Ratatouille war die Kombination etwas säuerlich, dann aber schnell sehr ausgewogen. Auffällig ist, dass der Alkoholgehalt bei dieser Glasvariante mit dem Essen zusammen stärker auffiel.


step 3: Das normale Weinglas

Bei dieser Verkostung konnte man die Farbe des Weins wieder erkennen. Und wie beim Wasserglas ist sie bei sattem schwarzrot geblieben.
In der Nase sticht stark der Alkoholgehalt hervor. Nach dem ersten Riechen kommen dann aber die Johannisbeeren- und Sauerkirscharomen hervor. Auch ein wenig Stachelbeere und sogar ein leichter Rosenduft umweht die Nase.
Am Gaumen dominiert dann wieder der Alkoholgehalt. Erst nach ein paar Sekunden umspielt auch das Sauerkirscharoma den Gaumen. Ein Hauch weisser Schokolade und Zitronenbonbon ist erahnbar.
Beim Abgang ist der Wein zwar wieder verhalten, jedoch ist er sehr sanft.
Die Kombination Ratatouille, Lamm und Wein aus Weinglas ist perfekt. Alles harmoniert miteinander. Sowohl die Säure und der Alkoholgehalt sind wohl ausbalanciert, als auch die Deftigkeit des Ratatouille ist gemildert.


step 4: summary

Ratatouille, Lamm, Camargue-Reis und Syrah-Cabernet aus der bib von Quiot passen hervorragend zueinander. Alles schmeckt und nichts stört. Allerdings sollte dann der Wein aus einem vernünftigen Weinglas getrunken werden.
Wenn man allerdings den Wein solo, d.h. ohne entsprechende Speisen, zu sich nehmen möchte, dann sollte man wohl lieber auf das Weinglas verzichten und einen dicken Weinpokal nehmen.
Auf das Wasserglas sollte man grundsätzlich verzichten, ausser man trinkt Wasser. Und das sollte man in jedem Fall tun.
Schlussendlich bleibt festzuhalten, dass das bib-Prinzip nicht nur äusserst praktisch ist, weil man den Wein bis zu 3 Monate nach Öffnung des Zapfhahnes aufbewahren kann. Auch stört der Plastik-bag das Aroma des Weines nicht im mindesten. Der Wein hätte genauso auch aus der Flasche stammen können.
Der Sommer mit seinen Grillabenden kann kommen!

Mittwoch, 9. Januar 2008

Akustische Live-Installation "WIDERSTAND- Eine Erinnerung"

Deutschland hat diesen Teil seiner Geschichte schon fast vergessen. In den ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika ist die Besetzung durch das deutsche Reich allerdings bis zum heutigen Tag noch ein brisantes Thema.
Die AfricAvenir International e.V. präsentiert in Erinnerung an eine andere, fast vergessene Geschichte Deutschlands, die Vorstellung seines Kooperationspartners, Schauspielensemble abok, am 17. und 18. Januar 2008, 19.00 Uhr eine akustische Live-Installation "WIDERSTAND- Eine Erinnerung".
Es wird von dem Kameruner DUALA MANGA BELL, dem Namibier HENDRIK WITBOOI und SAMUEL MAHARERO sowie KINJEKETILE NGWALE aus Tanzania an den Widerstand gegen die deutsche Kolonialherrschaft erinnert.
Der Eintritt ist frei.

Vorstellung "Widerstand - Eine Erinnerung"
17./18. Januar 2008, 19 Uhr
Werkstatt der Kulturen,
Wissmannstr. 32
U-Bhf., Berlin-Neukölln
www.abok.info
www.africavenir.com/news/2008/01/1693/

Dienstag, 8. Januar 2008

Siddhartha und die Liebe

Wie wärs denn mal mit einem neuen Schulfach?
In Zeiten, in denen der Vorwurf stetig laut ist, dass Jugendliche keine Allgemeinbildung und kein Literaturverständnis mehr hätten, wäre es doch mal an der Zeit, das Schulfach Literatur einzuführen. Vorteil hiervon wäre, dass der Deutschunterricht entlastet werden und wieder mehr Augenmerk auf die deutsche Sprache bzw. Grammatik gelegt werden könnte. Gleichzeitig könnte man aber auch im Literaturunterricht die Schüler in einem breiteren Umfang als bisher mit der deutschsprachigen Literatur vertraut machen.
Dann würde es auch seltener passieren, dass die "Vor- und Nachwendegeneration" zum Beispiel Hermann Hesses Siddhartha nicht kennt.
Dabei zählt dieses Buch zu einem der wichtigsten Bücher von Hermann Hesse.
Es bringt dem christlich geprägten Westeuropäer die Welt des Buddhismus anhand der Geschichte des Brahmanensohnes Siddhartha nahe.
Siddhartha ging aus dem Haus seines Vaters weg, um für sich den Weg der Wege, sein Atman, zu finden.
Zuerst lebte er als Samana, also als Asket in den Wäldern. In dieser Zeit traf er auch Buddha, dessen Lehren er wissbegierig aufnahm. Ihm war aber bewusst, dass es nicht ausreichte, Buddhas Lehren anzuhören. Die Lehren des Buddha trieben ihn im Gegenteil dazu an, selber seinen Weg zum Atman zu finden und das geistig unbefriedigende Leben der Samanas zu verlassen.
Auf seiner Suche kam er in eine Stadt, in der er blieb und mit Hilfe der Kurtisane Kamala als Kaufmann zu ansehnlichem Wohlstand kam. Zunächst belächelte er das Leben der "Kindermenschen", später zog in der Erwerb von Reichtum, Spiel und Gelage so in den Sog, dass er fast daran umzukommen drohte. Noch rechtzeitig konnte er die Reißleine ziehen und ging - alles stehen und liegen lassend - aus der Stadt weg, um bei einem Fuhrmann mit Hilfe der Stimmen des Flusses seine innere Ruhe zu finden.
Den wahren Sinn seines Lebens fand Siddhartha jedoch über seinen mit Kamala gezeugten Sohn. Durch ihn wurde Siddhartha erst bewusst, dass die Liebe und die Liebe zur Welt die Hauptsache ist und weder Lehrer noch Bücher diese lehren können.
Am Ende siegt daher auch bei Hermann Hesse und Siddhartha die Liebe.
Ein filmreifens Happyend.

Donnerstag, 3. Januar 2008

Äthiopischer Zauber

Sich durch alle Restaurants Berlins durchzuessen ist schier unmöglich. Meist geht man in die Lokale, die man schon kennt oder die einem Freunde empfehlen. Schon aus purer Gewohnheit, da man dann weiß, was einen erwartet.
Und dennoch sollte man es nicht versäumen, hin und wieder mal was Neues aufzusuchen und sich überraschen zu lassen.
Eine für den europäischen Geschmack sehr ungewöhnliche Küche fährt das Blue Nile in Kreuzberg auf. Hier wird der Gast mit äthiopischer Küche verwöhnt!
Obwohl das Ambiente des Restaurants an eine Kreuzberger Eckkneipe erinnert, vergisst man dieses Detail schnell, wenn man statt eines Tellers ein riesiges rundes Tablett mit Köstlichkeiten serviert bekommt, welches auf einen speziellen Untertisch abgesetzt wird. Statt Messer und Gabel bekommt der Gast rundes saures Fladenbrot (Injera), mit welchem er die Speisen mit der rechten Hand fassen und essen muss.
Aufgefallen ist, dass die äthiopische Küche, die nicht mit der schwarzafrikanischen oder orientalischen Küche zu vergleichen ist, viel mit fleisch- oder gemüsehaltigen Saucen arbeitet. Daneben werden die verschiedensten Linsen-, Gemüse- und Fischgerichte serviert. Zur Würze der Speisen wird eine rötliche und sehr scharfe Paste mit dem Namen Berbere verwendet, die aus vielen unterschiedlichen Ingredenzien, u.a. auch Ingwer, besteht.
Um schlussendlich ganz in äthiopischer Atmosphäre zu versinken, wird man von einer geheimnisvoll aussehenden Frau, die mit einem rauchenden Topf zwischen den Stühlen und Tischen hin und her läuft, beweihräuchert.
Spannend, spannend, spannend.

Blue Nile
Tempelhofer Ufer 6
10963 Berlin
www.bluenileberlin.de

Samstag, 22. Dezember 2007

Due Forni

Die letzte Bastion des revolutionären Italiens ist wohl in Berlin - im Restaurant Due Forni am Senefelder Platz. Ob wohl die letzten Kommunisten Italiens hier Zuflucht gefunden haben?
In einer wunderschönen Villa hat sich das Restaurant einquartiert und bietet in einem sehr großen und mit unzähligen Tischen zugestellten Raum unzählige (glaube, es müssten so an die dreißig Stück sein), individuelle, riesige Pizzas mit Zutaten an, die man sonst in Berlin seltener auf einer Pizza erlebt, z.B. Mascarpone....
Das Restaurant und seine Atmosphäre erinnert an ein alternatives und punkiges Hofbräuhaus oder an einen riesigen Aufenthaltsraum in einer uralten Jugendherberge. Che Guevara hängt neben anderen Revolutionären und Postern für Konzertankündigungen. Dazwischen sind die Wände vollgeschrieben. Jeder hat sich da wohl schon mal verewigt. Die Grundfarbe der Wand ist schon nicht mehr richtig erkennbar.
Mittags ist es im Gegensatz zum Abend nicht übervoll, so dass man sich seinen Lieblingstisch aussuchen kann, der schnell von der Bedienung mit einem karierten Tischtuch bedeckt wird.
Die Bedienung könnte einem Musikclip entsprungen sein. Vielleicht sind sie auch in einem zweiten Leben Musiker einer Punkband... Sänger oder Drummer, wer weiss.
Die Bäcker und Köche verstehen jedenfalls ihr Handwerk und präsentieren traumhafte, dünne Pizzas aus ihrem Steinofen, die im Mund nur so zerschmelzen.
Jedenfalls um gut zu essen, braucht man nicht mehr nach Italien zu fahren, ....das kann man auch wunderbar in Berlin.

Due Forni
Schönhauser Allee 12
10119 Berlin

Dienstag, 18. Dezember 2007

Weinrallye # 6: Der alte Fritz und seine Perle

Die Weinrallye begibt sich auf Abwege und beschäftigt sich Dank schreiberswein Lars Breidenbach auf Stop 6 mit dem perligen Schaumwein.
Zwei Wochen vor den stattfindenden Sylvesterparties ist dieses Thema mehr als passend. Jeder versucht sich mit Sekt, Cava, Prosecco, Champagner oder Crémant ausreichend einzudecken, um das neue Jahr entsprechend zu begrüssen.
Welches perlende Tröpchen soll nun dieses Jahr am besten getrunken werden? In einer Zeit, in der das Thema Klima die Öffentlichkeit, Medien und Politik beschäftigt, sollte man daher zum Jahreswechsel - quasi als Omen und guten Vorsatz zur Senkung des CO2-Verbrauchs - ein heimisches Gewächs trinken.
Meine Wahl fiel daher auf den Fridericus brut vom Werderaner Wachtelberg in Brandenburg, der nur ein paar Kilometer von Berlin entfernt ist. Malerisch an der Havel gelegen, werden vom Winzer Dr. Manfred Lindicke auf dem nördlichsten Weinanbaugebiet von Saale-Unstrut verschiedenste Trauben angebaut wie Dornfelder, Saphira, Kernling, Sauvignon blanc und Regent u.a. Das Schöne an diesem Weinberg ist nicht nur, dass ein Lehrpfad für den interessierten Weinbergsbesucher eingerichtet wurde, sondern man auch in den wärmeren Monaten in der Weintiene eine Brotzeit mit den Wachtelberg-Weinen zu sich nehmen kann....und dabei den wunderbaren Blick über den Weinberg gratis dazu hat. Eine absoluter Luxus und Genuss für den Berliner Stadtmenschen - man könnt' fast meinen, man befände sich in Süddeutschland.
Der Sekt in klassischer Flaschengährung wird aus dem am Wachtelberg angebauten Müller Thurgau in der St. Laurentius Sektkellerei Herres in Leiwen an der Mosel ausgebaut.

Deutschland,
Werderaner Wachtelberg
Dr. Manfred Lindicke
Fridericus
Deutscher Sekt b.A. brut
Müller Thurgau 2004
12,5 % vol.
Restzucker/Säure/Alkohol (in g/l): 11.3/7.0/98.9
DLG-Preis: Silber

Step 1
Öffnen der Flasche....plopp.....und das perlende Nass fließt elegant in das Glas.
Nach dem Absetzen der Flasche schäumt der Sekt noch im Glas nach. Sehr schön. Und perlen tut er auch noch im Glas länger.
Die Farbe ist fast weissgelb und nicht sehr intensiv.
In der Nase ist ein frischer Gras- und zarter Blumengeruch.
Angenehmerweise ist der Sekt sehr mild, so dass beim ersten Schluck nicht gleich die Magenschleimhäute durch starke Säure und Kohlendioxid über Maßen strapaziert werden. Der Sekt ist als brut deklariert und hat ein sehr aromatisches Bouquet. Auf dem Gaumen ist ein leichter Geschmack von Lychee mit einem Hauch von Aprikose zu verzeichnen. Ein richtiges Frauengetränk!

Step 2
Quasi als Test fürs Neujahrsfest gab's zum Fridericus einen Shrimps-Cocktail mit frischem Weißbrot.
Sehr lecker, wenn man insbesondere die Cocktail-Sauce selber zusammenmixt: aus Ketchup, Weißwein, Zitronensaft, Möhren, Merrettich, Tabascosauce, Zwiebeln, Pfeffer und Sellerie. Und dazu recht frische Shrimps und Krebsfleisch nimmt, die im Zweifel aus der Tiefkühltruhe kommen. Ein kleiner, feiner Appetizer.

Step 3
Leider ist die Kombination zwischen dem Shrimps-Cocktail und dem Sekt nicht die Beste. Wenn das Weissbrot nicht gewesen wäre, wäre es eine sehr saure Angelegenheit geworden. Vermutlich war die Sauce vom Ketchup und Merrettich zu säureintensiv. So war es ok, aber nicht unbedingt in der Form wiederholenswert.
Für sich alleine gesehen sind die Shrimps und der Sekt göttlich. Zusammen allerdings nur gewöhnlich.

Wie gut, dass heut' noch nicht Sylvester ist.....dann kann noch am Appetizer gefeilt werden. Vielleicht das nächste mal ein kleines Shrimps-Blätterteig-Petitfour zum Sekt?
Denn eins steht fest: der Sekt bleibt! Hoch lebe der alte Fritz!

Montag, 17. Dezember 2007

Good time im Good time

Good time kann man im Good time verbringen. Und das gleich drei Mal in Berlin: am Hausvogteiplatz, in der Chausseestraße und am Teltower Damm.
In der Chausseestraße hat das Good time erst letztens die Räume neu gestaltet, die nun im kühlen und eleganten Flair erstrahlen. Weiss ist der Grundton. Viel wird an den Wänden mit farbigen Lichtstrahlern gearbeitet.
Unverändert ist das thailändische und indonesische Essen geblieben. Lecker und aromatisch und man erkennt an der Pfefferschotenanzahl in der Karte sofort, ob die Würze die eigenen Sinnesnerven nicht überstrapaziert. Die vielen Huhn-, Enten-, Rind-, Schwein-, Fisch- und Nudelgerichte werden auf die unterschiedlichsten Arten asiatisch gewürzt dargeboten. Wasserkastanien, Nüsse, Kokos, etc. sind häufige Begleiter der Speisen.
Unverändert geblieben sind auch die kleinen Gemüse-Schnitzkunstwerke, die jedes Gericht auf wunderbare Art und Weise verzieren. Und unverändert sind auch die zur Lotusblüte gefalteten Servietten geblieben, die jeden gedeckten Tisch zieren.
Absolut der Renner scheint momentan in allen asiatischen Restaurants der Ingwer-Tee zu sein. Hier wird er in einem grossen Glas mit viel Limettensaft und Honig serviert und heisst "Against Cold". Ein besseres Getränk kann man zur Stärkung der Abwehrkräfte bei Minusgraden wohl kaum bekommen!
Zum Wohl!

Good time
Chausseestraße 1
10115 Berlin
www.goodtime-berlin.de

Sonntag, 16. Dezember 2007

Die geheimnisvolle Welt der Mineralien, Dinosaurier und präparierten Tiere

Mal sind es mehr, mal sind es weniger Leute, die in das Museum für Naturkunde in Berlin strömen. Wenn mal wieder ein kindgerechter Film über Dinosaurier im Kino gezeigt wird, dann kommen mehr faszinierte Besucher. Und da das Museum sich ständig verändert, ergänzt und restauriert wird, bleibt es nicht aus, dass immer wieder Neuerungen neugierige Interessierte anziehen....zuletzt, als im Juli 2007 die Dauerausstellung "Evolution in Aktion" im Dinosauriersaal feierlich eröffnet wurde. Das Besondere an dieser Ausstellung ist, dass man durch mehrere aufgestellte "Ferngläser" und an einem Bildschirm beobachten kann, wie die riesigen Dinosaurier sich in Wesen aus Haut und Fleisch verwandeln und in einer imaginären Vegitation bewegen.
Am Wochenende kommen meist Familien mit ihren Kindern und begeistern sich in den wunderschönen alten Räumen für die mineralische und biologische Geschichte der Erde und des Universums.
Die über 30 Millionen Exponate des Museums sind zwar nicht alle ausgestellt, aber der interessierte Besucher kann einen grossen Teil der Mineralien, Fossilien, Dinosaurier und präparierten Tiere begutachten.
Interaktiv ist jedoch nicht nur der Saal mit den Skeletten der Dinosaurier der Jura-Zeit, sondern auch ein Raum, in dem man sich auf einen Sessel legt und an der Decke in einem sieben Minuten langen Film den Urknall und die Entstehung der Planeten erklärt bekommt. Das ist neben dem Dinosauriersaal der Hit bei kleinen Kinder.
Das Tolle an dem Museum ist aber nicht nur, dass die Exponate, wie die Dinosaurier und die präparierten Tiere, wie die Zebras, Löwen, Antilopen, Rehe, Nilpferde, Vögel, Leoparden, Tiger, Zebra quagga, der Gorilla Bobby etc. eine Armlänge entfernt kindgerecht ausgestellt sind. Auch können schmuckbegeisterte Frauen die Ursprünge und die Rohform ihrer Edel- oder Halbedelsteinen begutachten. In den denkmalgeschützten Vitrinen blinken und funkeln nur so Diamante, Quarze, Malachite, Silber, Gold, Topas, etc.
Und wenn man dann immer noch nicht genug von dem Museum hat, kann man auch für ein Exponat eine Patenschaft übernehmen, wie z.B. für den Diamanten aus Südafrika für eine Patengebühr in Höhe von 1000 €. Das wäre doch mal ein Weihnachtsgeschenk!


Museum für Naturkunde
der Humboldt-Universität zu Berlin

Invalidenstrasse 43
10115 Berlin
www.museum.hu-berlin.de

Samstag, 15. Dezember 2007

Grandiose Mutter Courage und ihre Kinder

GRANDIOS, GRANDIOS und nochmals GRANDIOS!
Andere Worte fallen einem einfach zu der Theateraufführung von Bertolt Brechts
"Mutter Courage und ihre Kinder"
im Berliner Ensemble nicht ein.
Das etwa zweieinhalb Stunden lange Stück, dessen Premiere am 26. November 2005 war, ist nicht nur äusserst kurzweilig und anspruchsvoll, sondern auch mit Witz und Ironie von Claus Peymann inszeniert.
Die Mutter Courage ist eine mit einem Wagen herumziehende Händlerin, die vom Krieg lebt. Pfiffig wie sie ist, versteht sie es, ihre Waren zum richtigen Zeitpunkt an die Leute zu verkaufen. Friedenszeiten sind für sie aus Geschäftszwecken ein Graus. Mit ihr zusammen ziehen ihre drei Kinder.
Soviel Mutter Courage ein Händchen fürs Geschäft hat, soviel Pech hat sie in ihrem privaten Leben. Der Krieg nimmt ihr in Abständen sowohl ihre beiden Söhne, Eilif (von Thomas Niehaus gespielt) und Schweizerkas (von Michael Rothmann gespielt) als auch ihre stumme Tochter Kattrin (von Christina Drechsler gespielt). Alle drei werden getötet und sie bleibt alleine zurück und muss ihren Wagen - in Friedenszeiten verarmt und Hunger leidend - alleine ziehen.
Einmalig und grandios wurde die Mutter Courage von Carmen-Maja Antoni gespielt. Besonders beeindruckend ist es, wie Antoni den innerlichen und äusserlichen Verfall der Mutter Courage darstellt. Die starke durch nichts einzuschüchternde Kauffrau und das Muttertier verwandelt sich, immer mehr durch die Tode ihrer Kinder gezeichnet, in eine gebrochene, alte Frau. Zu Beginn noch pfeifend und tatkräftig, verliert sie immer mehr ihre Lebenskraft, fängt an zu trinken und ist eine mittleiderregende Mutter, die für ihre Kinder ihr Leben gegeben hätte - wenn sie denn könnte.
Nicht minder eindrucksvoll waren auch die darstellerischen Leistungen von Christina Drechsler, die die stumme Kattrin gespielt hat. Drechsler schaffte es mit ihrer Mimik und Gestik das herzerreissende Leiden eines stummen Mädchens so glaubwürdig zu spielen, dass das Publikum zu Tränen gerührt war.
So verwundert es nicht, dass die Zuschauer am Ende begeistert in Applaussstürme ausbrachen und die Darsteller mit minutenlangen Ovationen ehrten.
Das ist wahres Theater, grandios inszeniert!

Berliner Ensemble
Bertolt-Brecht-Platz 1
10117 Berlin

Tel. 030 - 28 408 0
Kartentelefon: 030 - 28 408 155

www.berliner-ensemble.de

Aronia - Das Buch....und was man aus dem Saft machen kann

I. Aronia, das Buch
Aronia
- auf Deutsch Apfelbeere, auf Russisch Рябина черноплодная, auf Polnisch Aronia czarna und auf Englisch Chokeberry - ist ein in Deutschland bisher nur vereinzelt angebautes Kernobst. Um diesen attraktiven Zierstrauch oder Baum in den westeuropäischen Kreisen ein wenig bekannter zu machen, haben sich Sigrid Grün und Jan Neidhardt hingesetzt und alles Wissenswerte über die Aronia in einem kleinen und feinen Büchlein niedergeschrieben, welches kürzlich herausgekommen ist:
ARONIA - Unentdeckte Heilpflanze
In diesem Buch wird nicht nur auf die biologischen Besonderheiten der Apfelbeere, seine aussergewöhnliche medizinische Wirkung, sondern auch viele leckere Rezepte mit diesem Obst festgehalten. Interessanterweise gehört die Apfelbeere in den osteuropäischen Ländern bis hin in das ferne Sibirien zu einer absolut gängigen Obstsorte, die in allen möglichen Varianten, ob nun als Saft, Pille, alkoholisches Getränk oder zu Essen, verwendet wird.
Sachsen ist nach Aussagen von der Kelterei Walther GmbH Co. KG der letzte große Aroniastandort in Deutschland. In Schirgiswalde in der Oberlausitz, rund 50 Kilometer von Dresden entfernt, wurde Mitte der 70er Jahre die erste Aroniaplantage in der ehemaligen DDR aufgezogen. Sie ist ungefährt 16 Hektar groß. Die größte Anlage ist direkt an der Elbe bei Coswig, rund 20 Kilometer elbeabwärts von Dresden mit rund 33 Hektar Fläche. Dort wurde auch eine neue 4,5 Hektar große Fläche in diesem Herbst neu angepflanzt.

II. Aronia, der Saft - und was man damit machen kann
Bei der Kelterei Walther erhält man den Aroniasaft, der in bester Qualität - nämlich als Muttersaft - im 3 l Tetrapack mit Zapfhahn verkauft wird, damit er recht lang hält!

Was macht man nun mit dem Saft?

Trinken, klar.
Der Saft hat eine satte schwarzrote Färbung mit einem Lilastich.
In der Nase ist die Beere (eigentlich biologisch gesehen ein Kernobst) mit einem Hauch frischem Apfel und viel Gehölz dominant.
Vom Geschmack her erinnert der Saft an schwarze Johannisbeere. Wenn man statt des Saftes einen Wein beschreiben würde, müsste man sagen, dass der Saft sehr tanninreich ist. Jedenfalls ist er sehr trocken. Da der Saft auch säuerlich ist, sollte er für den täglichen Gebrauch verdünnt und eventuell gesüsst werden.

Zum einfachen Safttrinken gibt es aber auch Alternativen:

1. Vorschlag: Wild mit Aroniasauce
Die Herbst- und Winterzeit ist Wildzeit.
Warum also mal nicht aus dem Saft eine reduzierte Sauce für einen sanft im Ofen gegarten in Speck ummantelten Rehrücken machen? Hierbei sollte jedoch wiederum darauf geachtet werden, dass der Saft sehr säuerlich ist, so dass die Sauce ein wenig gesüsst werden sollte, damit man zum Reh eine Balance findet.

2. Vorschlag: Aroniasorbet
Statt eines Zitronensorbets kann man auch mal den Aroniasaft für ein Sorbet verwenden. Allerdings sollte man aufgrund des strengen säuerlichen Geschmacks auf die richtige Verdünnung und ggf. Zuckerung achten. Zur Verfeinerung und für eine zusätzliche leichte Säure ist auch die Zugabe von Basilikum und Limette möglich.

Guten Appetit und zum Wohl!


Aronia - unentdeckte Heilpflanze
Verlag edition buntehunde
Regensburg 2007
72 Seiten, 9,90 Euro.
ISBN 978-3-934941-39-7.
Es ist im Buchhandel oder im Webshop der Kelterei Walther zu erwerben.


Kelterei Walther GmbH Co. KG
Am Gewerbegebiet 2
01477 Arnsdorf bei Dresden
www.walthers.de

Donnerstag, 13. Dezember 2007

Eat Pray Love

EAT PRAY LOVE - dieser Titel eines Buches von Elizabeth Gilbert hörte sich sehr vielversprechend an.
Wenn man die Geschichte einer dreissigjährigen - aus europäischer Sicht klischeehaften - Amerikanerin, die nach einer traumatischen Scheidung auf Selbstfindungskurs durch Italien, Indien und Indonesien tingelt, lesen möchte, dann ist man bei diesem Buch genau richtig.
Besonders typisch amerikanisch ist an diesem Buch, dass alles was die Protagonistin macht, unbedingt extrem sein muss. Ihr sexuelles Leben in New York war extrem, ihre während der Ehediskrepanzen gefundene Religiosität war extrem, ihre Essens-Genusssucht in Italien war extrem, ihre ihr selbst auferlegte sexuelle Enthaltsamkeit war extrem und ihr meditatives Leben in einem indischen Ashram war extrem. Erst in Indonesien fand sie dank des Brasilianers Felipe und des Medizinmannes Ketut nicht nur das Mittelmaß, sondern auch ihr inneres Gleichgewicht wieder.
Das Buch liest sich sehr leicht und flüssig und die Autorin versteht es auch, über sich und ihre Umgebung lachen zu können. Viele Passagen sind einfach amüsant formuliert.
Auf der anderen Seite sind gerade die Abschnitte, in denen Gilbert über ihre religösen Erscheinungen, ihre Yoga-Meditation, ihren Guru Swamiji und ihre Multireligiosität (Christentum, Buddhismus und Hinduismus) berichtet, nicht nach jedem Geschmack.
Wer sich daher en detail für verschiedene Yoga- und Mediations-Praktiken interessiert, wird bei diesem Buch auf seine Kosten kommen. Wer hierfür weniger Interesse hat, kann sich über die lustigen Geschichtchen, die Gilbert bei ihrem enthaltsamen Selbstfindunsjahr passieren, amüsieren.

Elizabeth Gilbert
EAT PRAY LOVE
Bloomsbury Berlin
1. Aufl. 2006
Berlin