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Montag, 31. Dezember 2012

Rückblick 2012: Moskau, Bordeaux, Champagne, Baden und Madeira

Das Jahr 2012 geht mit grossen Schritten zu Ende. Zeit für eine kurze Rückbesinnung.

Januar
Heiratsantrag in Moskau. Angestossen wurde im Hotel Kempinski Baltschug auf das neue Jahr mit Cuvee Louis von Tarlant.

Februar
Mein Geburtstagsgeschenk war der Besuch des Weingutes Château d’Yquem mit einer kleinen Verkostung. Unvergleichlich. Ein göttlicher Wein, ein göttliches Weingut. Ich will mehr!
Angelus zitterte da gerade seinen Parkerpunkten entgegen und hat doch einen Punkt zu wenig bekommen. Aber phantastische Weine werden von Angelus produziert.

April
Los gings zu einer dreitätigen Champagnerverkostung nach Epernay, Ay, Avize und Reims. Dort konnte man eine stattliche Bandbreite von Winzerchampagnern verkosten. Waren es 100, oder vielleicht doch 200 oder eventuell auch 1000? Ich weiss es nicht mehr....aber es war die spannendste Verkostung, die ich bisher durchgemacht habe.
Top 1 bleiben die Weine von Benoit Tarlant. Warum? Weil wir selber an der Herstellung des Grundweins im Herbst 2011 beteiligt waren.
Top 2 war V.O. von Jacques Selosse...einfach weil er ein besonderer Typ ist.

Ende April gings dann in die Schweiz, genauer gesagt in die Gegend um Lausanne. Diesmal keine kulinarischen Höhepunkte. Nur wunderbare Ruhe in der Hügel- und Berglandschaft des Waadtlandes.

August
Hochzeit auf Schloss Beesenstedt. 
Ratet, was getrunken wurde? Natürlich Champagner von Tarlant. 
Aber auch Weine von Isabell & Klaus Gres, Heike & Alexander Gysler, Carolin & Jürgen Hofmann, Julia & Klaus-Peter Keller, Marion & Marcus Pfaffmann, Angelika & Johannes Schachenhuber, Tine & Sebastian Schäfer und unserem Ungarn Horst Hummel.

September
Hochzeitsreise. Der Sommer gehörte ganz und gar der Insel Madeira.
Dieses kleine Fleckchen Erde hat uns vollständig für sich eingenommen. 
Höhepunkte auf der Insel:
1. Napfschnecken aus Jardim do Mar und nur von dort!
2. Malvasia 1988 von Artur de Barros e Sousa
3. Boal 1863 von Barbeito
4. Broadbent Terrantez Old Reserve von Justino's
4. Reid's Hotel...einfach grandios: Tea-Time, Bar, Frühstück, Pool, Meer...und die Zimmer sind sehr charming.
5. und...und...und....
November
Im späten Herbst gings dann wieder in den Westen Deutschlands. Vor allem nach Rheinhessen, Baden und Mosel. Speziell haben wir uns den Weinen von Winzern in der ersten Generation gewidmet. Alle Winzer haben ihren eigenen Traum verwirklicht und ein eigenes Weingut gegründet - mit der gesamten Last, aber auch mit der ganzen Liebe, die dazu gehört.
Mein persönlicher Favorit waren die Weine von Achim Jähnisch. Er produziert auf seinem Miniweingut schlanke badische Weine, die eine wunderbare Eleganz ausstrahlen.
Wer überlässt uns ein Weingut, damit wir ebenfalls unseren Traum verwirklichen können?

Wie konnte es anders sein. Ein Abstechter in die Champagne musste defininiv zum Jahresende nochmal gemacht werden.
Absoluter Höhepunkt: Besuch des Weingutes Bollinger mit einer persönlichen Führung durch das Weingut und den Keller und einer kleinen Verkostung. 
Tiefergelegt gings dann wieder gen Heimat....der Kofferraum voller Weine von Tarlant, Daniel Savart und Weinen eines weiteren unbekannten Champagner Weingutes.

Dezember
War doch ein schönes Jahr, oder?





Mittwoch, 28. Dezember 2011

Schwarze Katze und die russische Küche

Jedem geht es wohl so in einer fremden Stadt. Man möchte gerne landestypische Sitten und soviel wie möglich fremde Gewohnheiten kennenlernen. 
Dazu gehören natürlich auch die kulinarischen Essgewohnheiten. 
Genauso wie in allen anderen Metropolen ist es aber auch in Moskau gang und gebe, dass man sich zum Sushi-Essen oder in der Pizzeria trifft. 
Eigentlich will man sich ja anpassen, aber dann denkt man sich: "Ach, das brauche ich doch nicht im Urlaub, das bekomme ich auch zu Hause. Lieber möchte ich hier was Russisches essen."
Zum Glück bekommt man auf Schritt und Tritt die Möglichkeit, in ein russisches Restaurant einzukehren. Mal ist es ein Kiosk in der Strassenunterführung, der Piroggen anbietet, mal ist es auch eine russische Schnellimbisskette namens Mu-Mu, die russische Küche im Programm hat.
Eine hervorragende Alternative ist das Restaurant "Schwarze Katze" und der Club "Petrowitsch". Beide Restaurants leben von der Küche der Sowjetära, sind verhältnissmässig günstig und haben eine Art Kultstatus. Allein die Inneneinrichtung ist es schon wert, beiden Orten einen Besuch abzustatten. In der Schwarzen Katze kann man z.B. Salat bestellen, wie das Politbüro ihn gegessen hat. Am besten kommt man in die Schwarze Katze zum Lunch und schlemmt sich durch: Suppen wie Bortschtsch, Salate, Kefir, Mors, Desserts und Hauptspeisen. Wenn einem das Businesslunch nicht zusagt, kann man auch a la carte bestellen. Allerdings wirds dann ein wenig teurer. Dazu spielt dann im Hintergrund alte russische Filmmusik wie "Ya shagaju po Moskve" und auf einem Fernsehschirm werden russische alte Schwarzweissfilme gezeigt.
Zu zweit bezahlt man für ein ausführliches Mittagessen rund 1000 Rubel. Dies ist in der sehr teuren Stadt Moskau preislich fast unschlagbar günstig. Ein kleiner heisser Tip für den nächsten Moskautrip!

Dienstag, 27. Dezember 2011

Der lesende Russe und das elektronische Buch

Wo man hinblickt, in Russland liesst jeder etwas. Im Gehen auf der Strasse, in der U-Bahn im dichtesten Gedränge oder im wackeligen Bus. Die Lektüren sind meist sehr unterschiedlich. Der eine liest eine Autozeitschrift, der andere die Börsenberichte. Sie liesst hauptsächlich Liebesromane, er vertieft sich in Krimis oder die aktuelle Tagesszeitung.
Das was jedenfalls noch vor ein paar Jahren so. Die Zeit hat das Leseverhalten verändert.
Der neueste Trend in russischen U-Bahnen ist das Ebook. Auf einen "klassischen Buchleser" kommen ungefähr zwei Ebook-Leser. Und da ist es eigentlich egal, ob man das neueste iPad oder von Sony ein elektronisches Büchlein hat oder mit einem Kindle ausgestattet ist. 
Ob alt mit Pelzmütze bewaffnet oder jung im Minirock sitzend, alle starren auf ihren Bildschirm und sind in eine andere Welt vertieft. In Russland hat die technologische Revolution die U-Bahnen erreicht. 
In Deutschland wird man wohl noch lange darauf warten müssen bis eine Rentnerin Goethes Klassiker in der U-Bahn auf einem Ebook liesst. Fragt sich hier, wer fortschrittlicher ist.

Sonntag, 25. Dezember 2011

Würste, Fellmützen und Walenki

Es geht nichts über einen entspannten 1. Weihnachtstag in Moskau. Ganz Moskau feiert nicht, nein, man verbringt den Sonntag im Stau stehend auf der Ringautobahn, um zu den grossen Einkaufszentren auf der grünen Wiese zu fahren. 
Der Boom, der in Deutschland schon vor Jahren Schritt für Schritt abebbte, ist in Russland immer noch en vogue. 
Nur sind die Shopping-malls noch mal einen Tick größer als in Deutschland. Riesige Ketten wie Ikea, Obi und Auchan haben auch in Moskau Fuss gefasst und begeistern die russische Masse. Busse spucken die Menschen vor Shoppingcentern wie Mega raus und stürzen sie in den Konsum.
5kg-"Doktor-Würste"
Gerade jetzt, ein paar Tage vor Sylvester, decken sich die Russen tonnenweise mit Lebensmitteln ein. Die Zeiten sind vorbei, in denen man in den "Gastronom" ging und einen dort leere Regale anstarrten. Heute quellen die Theken, Regale und Kühlregale über. Kaviar, Wodka, Hühnerköpfe, Hühnerhälse, fast 5 kg Würste oder riesige Lachse warten auch hungrige Russen, die noch ein Festtagsmenue zusammenstellen. 
Das schöne ist, dass man in diesen Shoppingcentern auch Ware kaufen kann, die man sonst in Deutschland zum Beispiel nicht bekäme: Fellmützen und Filzstiefel, die Walenki heissen. Lange Zeit gab es die nicht mehr in Moskau, weil alle "Markenstiefel" kaufen wollte. Mittlerweile hat man festgestellt, dass diese bombastischen Wollstiefel gar nicht mal so schlecht für den kalten und schneereichen russischen Winter sind und verkauft sie wieder.
Vollgepackt mit Tüten, stürmen die Menschen dann wieder die Busse und fahren in ihre Wohnsilos am Stadtrand. Wer in die Stadt rein muss, nimmt am besten die Tag und Nacht vollen U-Bahnen und lässt sich mit extrem lautem Rattern nach Hause fahren.

Sonntag, 4. September 2011

Rotwein in der Champagne

An einem der letzten Lesetage hieß es plötzlich im Keller von Tarlant: Die Pinot Noir Trauben werden jetzt zu Rotwein gemacht. Wozu? Um Roséchampagner zu machen!
Das bedeutete, alles im Keller musste zum Entrappen und in einen Tank Abfüllen umgestellt werden. Bevor die Weintrauben in die Entrappungs- und Pressmaschine gingen, wurden sie in mühseliger Handarbeit von Benoit Tarlant und mehreren Helfern aussortiert.
Trauben, die noch nicht reif waren oder von Botrytis befallen waren, mussten entfernt werden. Auch der eine oder andere Marienkäfer war aus der Masse herauszupicken, damit er nicht im Traubenmus zerquetscht wird. 
Heute gehts mit der Rotweinpressung weiter. Es gibt wahrlich angenehmere Dinge im Keller, die gemacht werden müssen. Der Rosé Tarlant ist eben etwas Besonderes, das auch geschmacklich köstlich ist. Da muss eben viel Arbeit hineingesteckt werden.



Donnerstag, 1. September 2011

Die Lese in der Champagne neigt sich dem Ende zu

Allmählich neigt sich die Weinlese dem Ende zu.
Noch ein paar Tage und dann sind die aufregenden und ein wenig stressigen Tagen auch bei Tarlant in der Champagne vorbei.
In der letzten Zeit sind viele Besucher aus der ganzen Welt zu Tarlant gekommen, um sich persönlich von der Lese und den ersten Pressungen ein Bild zu machen. Den einen oder anderen weit gereisten Besucher hat es auch in die Tiefen des Kellers getrieben, wo fleissig von einem Tank in den anderen und 200 l Fässer mit Champagner in spe befüllt wurden.
So kamen
Ned Goodwin (Master of Wine) aus Tokyo direkt mit seinem Bruder aus Sydney angereist, um sich nach einer Mundusvini-Verkostung in der Pfalz auch bei Tarlant im Keller umzusehen. Viele von den Gästen sind vielfach über Twitter, facebook oder den blog von Tarlant auf den Champagner aufmerksam geworden. Tarlant ist eines der wenigen Champagnerhäuser das die neuen Medien exzellent für sich nutzt.


Momentan geht es bei Tarlant ansonsten ganz entspannt zu. Es ist ca. 22 C warm, die Sonne scheint. Alleine ein paar Pinot Noir Trauben bereiten ein wenig Sorgen, da Botrytis gehäuft aufgetreten ist. Ansonsten schmecken die Trauben hervorragend. Wenn jetzt nicht noch etwas schief geht, dann wird der Champagner 2011, abgefüllt 2012, hervorragend.
Voraussichtlich nächsten Montag werden dann auch hier die letzten Trauben gelesen. Dann verschwinden auch sämtliche weisse Wohnwagenreihen mit den Erntehelfern in den grünen Hängen. Die nächsten Erntefelder warten dann schon woanders auf fleissige Helfer.

Samstag, 27. August 2011

Sonne und Regen in der Champagne an Tag 4 und Tag 5 der Lese

Tag Vier und Fünf der Weinlese sind von gegensätzlichem Wetter geprägt. Während es gestern ziemlich unangenehm und ausdauernd geregnet hat, war es heute sonnig und warm.
Der Regen hatte alle vor besondere Herausforderungen gestellt. Die Traubenkisten waren zum Teil verschlammt, genauso wie zum Schluss auch die Helfer. Der Stimmung tat dies jedoch keinen Abbruch. Alle waren gut gelaunt und machten einen Witz nach dem anderen.
Da weniger Pressen als geplant gemacht werden konnten, war die Kellerarbeit dann um so entspannter.
Gestern haben dann die Vorbereitungen in Form von Anreichern, Mischen, etc. für die Befüllung der Fässer begonnen. Und was ganz wichtig ist: ganz viele Schläuche verlegen, am besten mit Dreiwegehahn. Da hat man auch noch die Gelegenheit, seine grauen Zellen anzustrengen, um die richtige Laufrichtung des Champagners in spe zu garantieren.
Heute wurden dann endlich die ersten Fässer mit Pinot Noir befüllt. Der Praktikant aus der Normandie durfte die Fässer mit dem Gabelstapler dann hin und her transportieren, während die Praktikanten aus Deutschland die Fässer literweise vollpumpten. Beeindruckend war, dass man förmlich die Euronoten in die Eichenfässer fliessen sah.
Das wars dann aber auch an grossartiger Tätigkeit. Der gesamte Tagesablauf wurde nämlich von einem französischen Filmteam aufgewirbelt, das dann auch im Keller Aufnahmen machte. In der Zeit konnte man sich dann nur verziehen und Tee....äh....Champagner trinken.

Donnerstag, 25. August 2011

Ohne Erntehelfer gehts auch in der Champagne nicht

Tag 3 der Lese in der Champagne hat mit einer Fahrt in die Weinberge mit Benoît Tarlant begonnen. Überall stehen an der Strasse Wohnwagen mit fahrendem Volk. Wäsche wird gewaschen und es wird gekocht.
Der Großteil der Helfer ist aber schon in den Stöcken, um die Trauben zu ernten. Zum Teil schaffen manche bis zu 600 kg Trauben pro Tag.

Benoît Tarlant ist aber hier, um morgens den Grad Baumé mit dem Refraktometer zu messen und zu schauen, was die Trauben diesmal bringen.
Die Werte sind wohl nicht perfekt, aber auch nicht schlecht. Man muss sich an den Zustand der Trauben anpassen und daraus das Beste machen.
Die Lese muss zügig durchgeführt werden und viel Kellerarbeit ist momentan angesagt.
Zum Glück sind viele Helfer hier, die dafür sorgen, dass die Trauben auch nachts gepresst werden.
Für heute waren sieben Pressen angesagt. Noch ist man schwer am ackern und der Tag ist nicht vorbei. Zwei Pressen fehlen noch und einige Tanks müssen noch befüllt werden. Morgen gehts dann mit der Befüllung der ersten Fässer los.

Dienstag, 23. August 2011

Lese in der Champagne hat begonnen

Ganz entspannt hat gestern die Lese in der Champagne bei Tarlant begonnen. Tarlant ist ein kleines feines und familienbetriebenes Weingut in dem am Hang gelegenen Ort Oeuilly.


Als erstes wurden gestern Vormittag rund 50 Flasche Champagner degorgiert. Alles handmade und mit viel Spass.
Im Keller wurden anschließend Tanks gesäubert, Schläuche gereinigt, erste Vorbereitungsarbeiten getätigt. Auch die ersten Meuniertrauben wurden schon am Nachmittag gepresst und Kisten in Akkordarbeit gereinigt.
Momentan ist es in der Champagne ziemlich warm, so dass die Ernte recht zügig erfolgen muss, damit die Gärung nicht schon vorzeitig beginnt.
Die nächsten 10 Tage versprechen in jedem Fall eine aufregende Zeit mit viel Champagner!

Dienstag, 14. April 2009

Weinrallye # 22 Regionale Spezialitäten

Winzerblogs Weinrallye # 22 geht back to the roots - to the regional roots.
Regionale Spezialitäten sollen herausgekramt und dem breiten Weinrallye-Publikum präsentiert werden.
Regional bedeutet im Fall vom blog myexperience4u Berlin und Umgebung.
Da fallen mir ad hoc - neudeutsch-englisch: ädhock - gleich mehrere Berliner Spezialitäten ein: die Berliner Currywurst oder die leckeren Fassbender & Rausch Pralinen vom Gendarmenmarkt, das Berliner Bürgerbräu-Bier mit seinem Rotkehlchen (frisch am Müggelsee gebraut) oder der Wein vom Kreuzberg (wie der gleichnamige Berliner Ex-Krawall-Bezirk).
Wenn man über die Berliner Stadtgrenzen schaut, kommt man gleich in Früchte-, Gemüse- und Weingebiete. Der Beelitzer Spargel aus der Region um Beelitz herum, ebenfalls um die Ecke von Berlin, ist mittlerweile nicht nur in Beelitz bekannt.
Aus dem Spreewald kommen die Spreewälder Gurken - auch sehr lecker. Auch Teltower Rübchen sind altbekannt und kommen in letzter Zeit wieder in Mode.
Als Weinbaugebiet ist vor allem das alte Obstanbaugebiet Werder an der Havel bekannt. Dort wird nicht nur seit Jahrhunderten - konkret seit etwa 700 Jahren - anständiger Wein gemacht, sondern auch unzählige Obst- und Gemüsesorten kommen aus der Gegend, die auch gerne zu Obstweinen verarbeitet und beim Werderaner Baumblütenfest ausgeschenkt werden, das vom 25.4.2009 bis zum 3.5.2009 in diesem Jahr wieder stattfindet.

Auf dem Werderaner Wachtelberg, der meines Wissens die nördlichste für den Qualitätsanbau zugelassene Reblage der Welt ist, werden auf einer Fläche von 6,2 ha seit 1991 nicht nur Müller-Thurgau, Saphira, Kernling, Sauvignon blanc, Dornfelder und Regent angebaut. Insgesamt jeweils 40 verschiedene Weiss- und Rotweintrauben werden hier auf dem Lehrpfad angebaut und können vom Interessierten beim Wachsen beobachtet werden. Das Weinbaugebiet gehört - trotz unmittelbarer Nähe zu Berlin - zum Anbaugebiet Saale-Unstrut. Die Weine werden vom Landesweingut Kloster Pforta gekeltert.
Nach einem wunderbaren kleinen Spaziergang über den Weinberg, kann man in der Weintiene einkehren und das Wein-Ergebnis der letzten Jahre verkosten. In die Tiene kommen nicht nur Weintouristen, sondern vor allem die Werderaner aus der Nachbarschaft, die den Tag bei einem Glas Wein und einer Brotmahlzeit mit Blick auf die Havel oder auch den Weinberg ausklingen lassen wollen. Man könnt' fast meinen, man wär' im Badischen.
Von der Betreiberin der Weintiene wurde folgender Rotwein besonders zur Verkostung angeboten, nachdem sie erklärte, dass der 2007er dieses Jahr viel sanfter und bekömmlicher ist als im letzten Jahr:

Deutschland
Saale-Unstrut
Werderaner Wachtelberg
Cuveé Velvet
2007, 11,5 % vol. trocken

Die Cuveé besteht nach Angabe der Betreiberin aus 30 % Dornfelder und 70 % Regent.
Farblich ist der Wein schwarzrot mit einem Lilastich.
In der Nase dominieren starke Kirsch- und Schokoladenaromen.
Am Gaumen spiegelt er den nasalen Eindruck wieder und präsentiert sich kirschig gemixt mit Johannisbeeren. Insgesamt ist der Wein trotz einer nicht verkennbaren waldbeerigen Säure rund und angenehm. Halt typisch Regent und Dornfelder.
Der Abgang ist einfach gestrickt und nicht lang - in sich aber harmonisch.

Insgesamt ein perfekter leichter Wein für den lauen Sommerwindabend im Weinberg, auf der Terrasse, auf dem Balkon oder im heimischen Garten.

Und das quasi um die Ecke von der Metropole Berlin.

Montag, 6. April 2009

Magentaquarantotto

Italien, das gelobte Land des Espressos.
Überall, wo man in Mailand hintritt, kann man schnell mal für 90 ct und mehr das kleine dickflüssige und starke Kaffeegetränk zu sich nehmen. Dabei ist es verpönt, sich tagsüber in ein Café zu setzen und langfristig über einer Tasse zu brüten. Dem Mailänder muss der Espresso zügig und quasi im Vorbeigehen gereicht werden.
Alleine Touristen machen es sich in den Bars auf den mehr oder minder schönen Sitzgelegenheiten bequem, schlürfen ein Minitässchen und brüten über den Stadtplänen.
Wenige Schritte von dem berühmten Dominikanerkloster Santa Maria delle Grazie liegt das Magentaquarantotto. Hier wird sowohl dem italienischen raschen Trinkusus als auch dem ausländischen Wunsch nach langem sightseeing, sich bequem etwas länger hinsetzen zu können, entsprochen.
Im Magentaquarantotto kann man sowohl im Stehen schnell seinen liebevoll dekorierten Kaffee hinunterstürzen, aber auch bequem am Tisch sitzen und die wundervoll goldige Einrichtung geniessen. Dazu gibt es göttliche Süssigkeiten, leckere warme Panini oder auch ungewöhnliche Croissants, die mal mit Kakao oder auch mit Pistaziencreme lindgrün gefüllt sind.
Abends wird das Cafe zu einer Bar umfunktioniert, in der man seinen Aperitivo mit kleinen unverschämt leckeren Schweinereien in netter Gesellschaft zu sich nehmen kann. Quasi als Start in eine lange Mailänder Nacht.
Apropos Gesellschaft. Hier trifft man nicht nur die Italiener aus dem Kiez um den Corso Magenta herum. Das Magentaquarantotto ist auch Treffpunkt eines International Clubs, der hier regelmässig seine Netzwerktreffen veranstaltet. Das jedenfalls versicherte eine Engländerin, die seit mehreren Jahren in Mailand lebt und mit anderen expats Kontakt hält.
Aber das kann jeder selber überprüfen.

Magentaquarantotto
Corso Magenta 48
20123 Milano
Italia
tel.: 0243511760

Samstag, 4. April 2009

Sleeping next to the Last Supper

Ein Hotel in einer so grossen Stadt wie Mailand zu finden, sollte ja wohl nicht so schwierig sein. Und dennoch.
Wer ein kleines, aber feines, sauberes und dennoch bezahlbares Hotel sucht, hat es wie in allen Metropolen schwer bei seiner Suche. Das Angebot ist gross und unübersichtlich. Ein Fehlgriff ist leicht gemacht.
Kein Fehlgriff ist die Wahl des Antica Locanda Leonardo in der Corso Magenta.
Das Hotel strahlt großbürgerlichen italienischen Charme aus und ist perfekt gelegen - next to Leonardo Da Vincis Abendmahl in der Santa Maria delle Grazie Kirche.
In einem Hinterhof gelegen, mit einem kleinen Garten ausgestattet, erwartet den Besucher eine angenehme Ruhe, die man in der sonst lauten lombardischen Stadt nicht erwartet. Die Reception des familienbetriebenen sehr sauberen Hotels ist ein elegantes in hellen Tönen ausgestattetes Wohnzimmer. Beruhigend erklingt leise klassische Musik.
Die Zimmer sind individuell eingerichtet. Statt des hotelüblichen Teppichbodens erfreut ein alter Parkettboden.
Die Bäder sind sauber und weiss, süsse kleine Badaccesoires fügen sich in das Konzept des Boutique-Hotels wunderbar ein. Kostenloses Wi-Fi ermöglicht den Zugang zum Internet.
Im Sommer kann man im eigenen Zimmer-Hofgarten sitzen, so denn man ein solches im Erdgeschoss in Richtung Garten gebucht hat. Sehr zum empfehlen.

Antica Locanda Leonardo
Corso Magenta 78
20123 Milano
Italia

Der Besuch von Leonardo Da Vincis Letztem Abendmahl ist bei einer so exquisiten Hotellage definitiv ein Muss. Allerdings ist es ratsam, sehr frühzeitig Tickets zu reservieren. Diese sind grundsätzlich mehrere Wochen im Voraus ausgebucht.
Wenn man jedoch welche ergattern kann, wird man nicht enttäuscht. Das Wandgemälde ist überwältigend und überrascht durch seine Komposition. Man wird nicht müde, sich die feinen Details des 1498 fertiggestellten Bildes anzuschauen und könnte, wenn man dürfte, stundenlang davor stehen. Hinter das Rätsel der Bilder von Leonardo da Vinci wird man aber auch dann vermutlich nie kommen.

Il Cenacolo Piazza
S. Maria delle Grazie 2
Corso Magenta
20123 Milano
Italia

Sonntag, 18. Januar 2009

Hoch über und auf Kitzbühel!

Kitzbühel hat viele Facetten.
Bekannt ist der Tiroler Alpenort in jedem Fall aufgrund seiner prominenten Klientel, die sich Jahr für Jahr im Winter zum Après-Ski einstellt. Dann reihen sich die Luxuskarosserien aneinander, die Pelze leuchten in der winterlichen Sonne und fröhliches Champagnerlachen klingt durch die Gassen.
Die meisten kommen aber wohl hierher, um sich auf den fast 170 km langen Skipisten auszutoben. Und das kann man hier wunderbar.
Dem Ortszentrum am nähesten ist die Bergbahn, mit der man auf den Hahnenkamm gefahren wird.
Oben angekommen hat man erstmal einen traumhaften Blick auf Kitzbühel - auch im Schneesturm.
Und dann schaut man vorwärts - und sieht erst mal nichts ausser weiss. Jedenfalls gings mir so. Im zweiten Schritt stellt man fest, dass man am liebsten das Ganze aus einer warmen gemütlichen Stube heraus betrachten möchte, da der dichte Schnee sportliche Aktivitäten unmöglich macht, ausser vielleicht den Wettkampf im Iglu-Bauen oder Einseifen. Zweiteres wird sofort in Angriff genommen, um dann den Blick zu heben und das Dach einer vollkommen eingeschneiten Hütte zu sehen: die Hocheckhütte.
Knarrend geht die eine Tür auf und man steht im Vorraum. Eine Tür weiter steht man dann in einer urgemütlichen Hütte, in der man sich von der Kälte erschöpft auf der Bauernbank niederlässt - während über einem an der Decke alte Skier hängen.
Neben der Stärkung mit heissen und kalten alkoholischen und nicht-alkoholischen Getränken, kann man hier auch aufs deftigste lecker verköstigt werde, während sich die Hauskatze neben einen setzt. Die Spätzle, die in der heissen Pfanne serviert werden, sind auf so einer Hütte genau das Richtige, genauso wie der Krug Glühwein, der dann am Tisch herumgereicht wird.
Und wer sich gar nicht mehr von der warmen und gemütlichen Stube trennen mag, der bleibt gleich da und übernachtet entweder in einem der Zimmer oder im Matrazenlager. Ein wunderbarer Ort, an dem man nach dem Motto - Jeder Tag ein Feiertag! - mit Freunden relaxen und feiern kann.
Ein Hoch auf die Hocheckhütte!

Hocheckhütte
Am Hahnenkamm
6370 Kitzbühel
Österreich

Samstag, 10. Januar 2009

Munich Must Go -Talamonti

Vielleicht ist die Verhaltensweise dem geneigten Leser nicht fremd: Man reist in eine einem bekannte Stadt und muss - koste es was es wolle - die Orte aufsuchen, an denen mal schon mal war und an die man besondere Erinnerungen hat.
So kann es einem vor allem mit heissgeliebten Restaurants gehen. Man geht meist dahin, wo man sich wohl fühlt und was man schon kennt.
Einer meiner Wege führt daher in München immer wieder zum Restaurant Talamonti.
Das Restaurant ist nicht nur aufgrund seiner wunderbar zentralen Lage (zwischen Marienplatz und dem Hofbräuhaus gelegen) und der guten italienischen Küche ein Must-Go. Kult ist dieser Ort schon deshalb, weil sein Betreiber in den 70er Jahren weniger aufgrund seiner Kochkunst, denn wegen seiner zahlreichen Darstellungen des Latinlovers in den deutschen Sexfilmen berühmt geworden ist. Viele dieser Filme laufen zum Teil immer noch im Fernsehen bzw. gelten heute als Klassiker der Sexfilme.
Diese Zeit ist aber längst Vergangenheit.
Seine Anhänger hat Rinaldo Talamonti mittlerweile aufgrund seiner herzlichen und präsenten Art, mit der er sein kleines, aber sehr feines Restaurant führt, gefunden. Es wäre wohl nicht untertrieben, wenn man behaupten würde, dass die gesamte Münchener Schickeria und die restliche halbe VIP-Welt bei Talamonti schon zu Besuch waren und sich von ihm verwöhnen liessen. Jedenfalls zeugen hiervon unzählige Fotos an des Wänden des Lokals.
Insbesondere zu Wiesn-Zeiten wird das Talamonti von den angereisten und in München lebenden Italienern gerne in Beschlag genommen. Dann kann es auch mal vorkommen, dass ausgelassen und fröhlich auf den Tischen getanzt wird.
Aber auch an normalen Tagen ist das Talamonti immer gut besucht, so dass eine Reservierung meist sehr sinnvoll ist. Das überaus freundliche Personal nimmt sich dann die Zeit, seinen Gästen den Abend so schön und lecker wie möglich zu gestalten. Wer dabei auch noch dem Küchenchef beim Kochen zuschauen möchte, der braucht sich nur in den "Bistro-Bereich" setzen und kann vielleicht so den einen oder anderen Trick abschauen. Aber, ob man dann die leckeren Gerichte auch nachkochen kann, steht in den Sternen geschrieben.
Ich für meinen Teil lasse dann doch lieber kochen und geniesse das hervorragende dreigängige Pastamenue mit Trüffeln und freue mich auf einen baldigen Besuch!
Grazie, Signore Talamonti!

buon gusto Talamonti
Hochbrückenstr. 3,
80331 München

Montag, 5. Januar 2009

Winterzauber in Salzburgs Goldenem Hirschen

Salzburg, die Stadt der Klassik, der Mozartkugeln und des Gaumenschmausses.
Von der Gourmetkunst einer Johanna Maier im Hubertus bei Salzburg hat mittlerweile fast jeder gehört.
Es gibt aber auch im Zentrum dieser wunderbaren märchenhaften Stadt hervorragende Restaurants, in denen man sich kulinarisch verwöhnen lassen kann. Dazu muss man nicht unbedingt aus der Stadt herausfahren.
Dazu zählt wohl seit langem das Restaurant "Goldener Hirsch" im gleichnamigen Hotel in der Getreidegasse. Das Hotel wurde von dem Magazin Travel + Leisure im Jahr 2008 mit Platz 65 zu einem der "100 Best Hotels In The World" gekürt. Seit 1564 existiert dieses Hotel zunächst als Gasthaus in dem historischen Gebäude. Einige Umbauten und Modernisierungen hat es schon hinter sich und präsentiert sich dem Gast heute trotz - oder gerade wegen - seiner Historie als topmodern.
Wenn man in der Weihnachtszeit aus der Kälte kommend in diese elegante Hotelwelt eintaucht, in der die Damen festlich ihre traumhaften Trachten gekonnt ausführen und die Herren ebenso österreichisch feierlich ausstaffiert die Damen hofieren, fühlt man sich vom Zauber dieses kleinen, edlen Hotels über alle Maßen angezogen.
Der freundliche Service, der höflich und zuvorkommend auf die Wünsche seiner Gäste eingeht, ist aber nicht überheblich, sondern bleibt bodenständig und sehr rücksichtsvoll.
Genauso ist auch die Küche unter der Leitung des Küchenchefs Gernot Hicka.
Bodenständig, geschmackvoll und frei von Exkursionen in cross-over Experimente.
Und gerade dies wird auch von den alteingesessenen Stammgästen und den Besuchern Salzburgs erwartet: Österreichische Küche auf höchstem Niveau.
Insbesondere die Pastinakensuppe mit Trüffelöl und Sesamstangerl und das Hirschkalbsrückensteak mit Morchelrahmsauce, Apfelrotkraut, Maroni und Serviettenknödel mundeten vorzüglich. Beide Gerichte wärmten Geist und Körper und liessen einen glücklich und entspannt im Stuhl zurücksinken. Die Wahl eines entsprechenden Weines taten für die Glückshormone ihr übriges. Der österreichische Zweigelt war zum Hirschen die perfekte Wahl und überzeugte durch seine Tannine und die prägnante Frucht am Gaumen.

Österreich
Apleton - Neusiedlersee
Sepp Moser
Zweigelt Reserve 2005
13,5 % vol.

Alleine das Dessert blieb nicht in ewiger Erinnerung, obwohl es ebenfalls hervorragend war. Das Eis mit dem Lebkuchengewürz und vielen Beeren war eine wunderbare weihnachtliche kulinarische Idee, kam aber nach dem mächtigen ersten und zweiten Gang nicht mehr richtig zur Geltung.
Aber auch so war der Abend ein voller Erfolg und lässt sich - auch dank des charmanten und aufmerksamen Services - jedem kulinarisch Interessierten empfehlen.
Auf ein Wiedersehen in Salzburg!

Goldener Hirsch
Getreidegasse 37,
5020 SALZBURG
Österreich

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Namibia beim Markt der Kontinente 2008

Zwei Tage lang hatte die Deutsch-Namibische Gesellschaft e.V. am ersten Advent beim Markt der Kontinente 2008 im Ethnologischen Museum in Berlin - Dahlem die Möglichkeit, seine Projekte und Namibia von seiner besten Seite zu präsentieren.
Der Auftritt am AFRIKA Wochenende ist auf grosse Resonanz gestossen. Die zahlreich zur Verfügung gestellten Informationsmaterialien wurden von den Besuchern gezielt und gerne mitgenommen. Viele Fragen wurden gestellt, die sich nicht nur auf den Tourismus und konkrete Reiseempfehlungen bezogen. Zahlreiche schöne und spanne
nde Gespräche entwickelten sich.

Von erheblichem Interesse waren für die Standbesucher aber auch konkrete Informationen zum DNG e.V. und insbesondere zu seinen Sozialprojekten; vor allem die Unterstützung des Heimes für Strassenkinder „Maggie’s sunhouse“ in Katutura stiess auf grosses Interesse.
Die jüngeren, aber auch die junggebliebenen älteren Besucher, konnten im Rahmen des kleinen, eigenst für diese Veranstaltung konzipierten „Namibia-Quiz“, ihr Wissen über Namibia vertiefen bzw. sich für die Landschaft beim „Namibia-Memory“ begeistern. Wer mitmachte, dem winkten zahlreiche kleine Geschenke.
Auch am 2. und 3. Adventswochenende öffnet das Ethnologische Museum in der Lansstraße für den Markt der Kontinente. Thematisch liegt dann allerdings der Schwerpunkt auf Asien und Südamerika. Spannend und aufregend wird es an den kommenden Wochen im Museum allemal!

Samstag, 8. November 2008

Thermalsolewasser, Sandlichtbad und französische Delikatessen

Ins Auto und ab Richtung Bad Saarow!
Das ist der beste Tip, den man geben kann, wenn man vom Novemberblues befallen wird.
Eine Stunde von Berlin entfernt liegt die SaarowTherme in dem kleinen historischen Kurort Bad Saarow, in dem schon Max Schmeling lebte und der russische Dichter Maxim Gorki sich erholte.
Das Schwimmen im 34 - 36 ° C warmen Solewasser tut nicht nur dem Körper gut, sondern ist auch für die Seele reinster Balsam. Im Strömungskanal, von Wasserstrahlen und Massagedrüsen bestrahlt oder auch einfach in Mulden im Whirlpool sitzend, kann man bestens entspannen und die angenehme Wassermassage geniessen.
Manuelle Massagen, Relax-Bäder, Packungen etc. muss man leider im Voraus und rechtzeitig buchen und am besten mehrmals telefonisch bestätigen lassen. In der Organisation und Terminvergabe bestehen leider einige Schwachpunkte der Therme.
Kurzfristig sind Sandlichtbäder möglich. Mehrere Personen können in einem "Ruheraum" auf warmem Sand liegend innerhalb von 50 min. den Tag musikalisch und optisch an sich vorbeiziehen lassen. Ein herrlicher Ort, um ein Nickerchen zu machen.
Einen weiteren Minuspunkt erhält die Therme leider auch wegen des Angebots des Thermenrestaurants. Die Speisekarte erinnert mehr an das übliche Essen in Schwimmbädern: Backkartoffeln, Nudeln, Gulasch, etc. Leichtere und gesündere Küche würde in das Thermalbad viel besser passen und würde vermutlich von den Besuchern mit grösserem Dank angenommen werden. Auch an der Schnelligkeit sollte der Service noch ein wenig feilen. Schliesslich will man sich mehr im Wellnessbereich aufhalten als im kleinen Thermenrestaurant.
Und dennoch.
Man kann nicht anders.
Einen Tag im Solewasser tut Geist und Körper gut und lässt allen Stress verschwinden und stärkt das Wohlbefinden.

SaarowTherme
Am Kurpark 1
15526 Bad Saarow


Um den Hunger nach einem ansonsten wunderbaren Wellnesstag in Bad Saarow zu stillen ist es nicht erforderlich, wieder zurück nach Berlin zu fahren.
Wenige Schritte von der Therme entfernt befindet sich eine kleine kulinarische Perle des Ortes.
Jean-Pierre und Anne-Katrin Pothier bieten in ihrer Feinkostinsel feinste Delikatessen an.Neben Kaffee, Tee und einem kleinen feinen Angebot an selbstgemachtem Kuchen werden auch zahlreiche Speisen wie Fischsuppe, Kalbsniere und Austern im Bistro angeboten. Dazu empfiehlt es sich, einen Wein aus dem feinen Sortiment zu wählen. Neben Weinen aus dem Burgund oder Bordeaux werden auch zahlreiche Rhoneweine und eine schöne Auswahl an deutschen Weinen angeboten.
Der empfohlene Tous les Jours von Castel war eine gute Wahl und zeigte, dass der Inhaber nicht x-beliebige Wein im offenen Ausschank anbietet.
Der Wein "für alle Tage" ist sicherlich kein überaus komplexer Tropfen. Der Abgang war simpel. Und dennoch überzeugte die Cuvée aus Spätburgunder, Dornfelder und Sankt Laurent durch eine feine, blumige Nase und fruchtige rote Beerenaromen am Gaumen. Der Wein passte im übrigen auch hervorragend zum angebotenen Schokoladenkuchen.

Deutschland
Pfalz
Peter Castel
Tous les Jours, 2007

Und wer immer noch nicht genug hat, der kann eine Auswahl aus der grossen Käse- und Fischtheke, Pasteten oder ähnliches mit nach Hause nehmen.
Monsieur Pothier steht dabei gerne mit Rat zur Seite.
Die Liebe zu dem kleinen, schön gelegenen Delikatessenladen ist Jean-Pierre und Anne-Katrin anzumerken. Jedes kleine Detail ist im Laden ästhetisch durchdacht. Mit Herzlichkeit wird jeder Gast begrüsst. Egal, ob man nun Stammgast oder nur zufälliger Gast ist. Das Essen wird zügig gebracht, schmeckt hervorragend und der Service glänzt durch grosse Aufmerksamkeit.
Der Besuch der SaarowTherme wird auch in Zukunft immer von einem Besuch bei Jean-Pierre und Anne-Katrin umrahmt werden.

Feinkostinsel
Seestraße 9
15526 Bad Saarow

Samstag, 25. Oktober 2008

Breakfast, culture & Adria house in Edinburgh

Ei auf vier verschiedene Arten mit gebratenem Speck, baked beans, Tomaten, Würstchen, HP-Sauce, Orangensaft, Tee, Toastbrot mit Orangenmarmelade, Porridge und Corn Flakes.So ungefähr sieht ein Frühstück auf unserer britischen Nachbarinsel aus und so gesättigt kann man in den Morgen starten, wenn man in einem Guesthouse in Edinburgh übernachtet.
Und das Beste ist: Die Übernachtung ist auch noch verhältnismässig billig und man fühlt sich nicht wie ein Fremdling in einem unbekannten Universum, sondern taucht als eine Art Heimischer in die britische Umgebung sofort ein. Quasi, als ob man zu Besuch bei Freunden ist.So ungefähr kann man das Gefühl beschreiben, wenn man im familienbetriebenen Adria House am malerischen Calton Hill in Edinburgh absteigt. Nicht nur das Gebäude ist historisch eindrucksvoll, auch die Zimmer sind persönlich eingerichtet.
Schwere massive antike Möbel, die mit modernen Möbeln kombiniert werden, zeugen davon, wie die Gastgeber britische Tradition mit der Gegenwart verbinden möchten. Die Zimmer werden jeden Tag gründlich geputzt und zur Erfrischung steht ein Wasserkocher bereit, mit dem man den bereitgestellten Tee oder Kaffee im Zimmer zubereiten kann.
Zur allgemeinen Verfügung steht ein Laptop mit Internetanschluss in dem wunderschönen Wohnzimmer, das den wunderbaren britischen Charme der 20er Jahre ausstrahlt.
Der einzige kleine Nachteil ist, dass nur die Hälfte der Zimmer über ein eigenes Bad verfügen. Die restlichen Gäste müssen sich die Bäder auf dem Gang teilen. Aber das stellt kein grosses Hindernis dar, da ausreichend grosse und schöne Bäder zur Verfügung stehen und diese immer aufs Gründlichste gereinigt sind. Es ist eben wie zu Hause. Denn da hat man ja auch nicht unbedingt im Schlafzimmer noch ein Bad, sondern muss über Flure aufs Örtchen gehen. Ausserdem ist im Zimmer eine Waschbecken vorhanden, so dass man nicht für jedes Händewaschen gleich ins Bad rennen muss. Sehr praktisch.
Spätestens am Morgen beim Frühstück, wenn man freundlichst von den Gastgebern begrüsst wird, ist diese kleine Unbequemlichkeit schon Vergangenheit und man freut sich auf einen wunderschönen Tag in der zauberhaften Stadt Edinburgh.

Adria House
11-12 Royal Terrace
Edinburgh, EH7 5AB,
Scotland, U.K.
Tel.: +44 (0) 131 556 7875

Montag, 13. Oktober 2008

Top Secret sollte auch Top Secret bleiben - oder wie ein 4 Sterne-Hotel als 5 Sterne-Hotel verkauft wird

London Heathrow airport. Dieser Flughafen ist ein riesiger menschlicher Umschlagplatz.
Und hin und wieder bleibt man entweder gezwungen oder auch freiwillig am oder in der Nähe des Flughafens, um ein paar Stunden Schlaf zu bekommen, bevor man weiterreist.
Allerdings ist dies meist keine kostengünstige Angelegenheit, wenn man nicht gerade die Wartesessel im Airportbereich als Übernachtungsmöglichkeit in die Überlegungen miteinschließt.
Die Internetseite des Flughafens Heathrow ist bei der Hotelsuche eine grosse Hilfe. Die Seite listet eine grosse Zahl von Hotels auf. Ganz einfach kann daher von der Internetseite ein passendes Hotelzimmer buchen.
Eine praktische und bequeme Sache.
Und wenn man wagemutig ist, dann geht man auch auf das angeblich unschlagbare Angebot "Top secret hotel" ein, bei dem man bis zum Abschluss der Buchung nicht erfährt, in welchem Hotel man tatsächlich übernachtet. Allein die Sternekategorie mit einer allgemeinen Beschreibung des Hotels wird vorerst mitgeteilt.
Im vorliegenden Fall sollte es sich sowohl laut Internetseite als auch entsprechend der Buchungsbestätigung um ein luxuriöses 5-Sterne Hotel handeln.
Es war das Hotel Radisson Edwardian, welches in der Nähe vom Terminal 3 liegt.
Vom Terminal 5 muss man einen Shuttle nehmen, der one-way 4 £ kostet. Obwohl das Hotel direkt am Flughafen liegt, braucht der Shuttle fast eine halbe Stunde. Also ist in jedem Fall eine entsprechende An- und Abreisezeit bei der Reiseplanung zu berücksichtigen.
Schon beim Einchecken im Hotel wird klar, dass es sich definitiv nicht um ein 5-Sterne Hotel handeln kann, was auch bei einem späteren Blick auf die "Facts" der Hotelseite bestätigt wird. Tatsächlich handelt es sich um bescheidene 4 Sterne. Da fragt es sich, ob Radisson auf derartige Aussagen angewiesen ist.
Beim Einchecken wurde einem dann auch weder das Gepäck abgenommen noch gar ins Zimmer getragen. Auch die überreichte Schlüsselkarte öffnete nicht die Zimmertür. Bis jemand einen Ersatzschlüssel brachte, dauerte es eine Viertelstunde. Eine aufschlussreiche Zeit, die man samt Gepäck auf dem Flur verbringen durfte.
Der zweite Schreck folgte beim Betreten des Zimmers im Erdgeschoss. Die Fenster im Zimmer waren mit schwarzer Folie verklebt und liessen sich nicht öffnen. Die Einrichtung des Zimmers hatte jedenfalls auch schon bessere Zeiten erlebt. Weder ein Fön, Körperlotion noch andere kleine Annehmlichkeiten waren im Bad und im Zimmer zu finden.
Das einzig bemerkenswerte an diesem Zimmer waren die antiken Schränke, die aufgrund der Verzierung das Highlight und tatsächlich auch sehr schön waren.
Allerdings hilft dies nicht über die entstandene Enttäuschung hinweg.
Auf eine entsprechende Rückfrage und Beschwerde per email sowohl beim Hotel selber als auch bei der Hotelbuchungsseite des baa Heathrow kam weder ein Kommentar noch eine Entschuldigung.
Muss man dazu noch etwas sagen?

Freitag, 3. Oktober 2008

Food in the sky

Mittlerweile kennt man es nicht anders. Jedenfalls dann, wenn man keine utopischen Preise zahlen möchte und auch keinen grosszügigen Arbeitgeber im Hintergrund hat.
Flugreisen haben sich für den Otto-Normalverbraucher zu einer Geduldprobe und zumeist Einbüssung jeglicher Bequemlichkeit entwickelt. Es fängt schon beim Check-in und den Personen- und Gepäckkontrollen am Flughafen an. Mit nackten Füssen trampeln tausende von Menschen auf nacktem Fussboden oder flausigen Vorlegern herum. Und dann beginnt das Boarding, bei dem sich hunderte von Passagieren drängeln, als ob es einen ersten Platz für denjenigen gibt, der als erster ins Flugzeug stürmt.
Und dann gibt es meistens auch nichts mehr im Flugzeug zu essen oder nur gegen Bezahlung und Zeitungen werden vielfach auch nur noch in der Businessclass verteilt. Auch die Auswahl an Getränken wird immer bescheidener.
Aber es gibt auch lustige Ausnahmen.
British Airways serviert auch auf Kurzstrecken morgens ein typisch britisches warmes Frühstück. Eier, Würstchen, Speck, Pilze, Orangensaft und eine Schokobrötchen. Quasi als gute Einstimmung auf die angelsächsische Insel. Obwohl das Frühstück nicht unbedingt appetitanregend aussieht, speckt es besser als es scheint. Ei ist saftig, Schinken nicht zu salzig, nur die Pilze waren ein wenig geschmacklos. Insgesamt ein guter und sättigender Start in den Tag.Auch mittags gibt es für den Hunger zwischendurch einen Snack in Form von typisch britischen sandwiches in sämtlichen Formen: mit Schinken, mit Käse, Huhn, etc. Und dazu gibt es einen leckeren kleinen Schokoladenriegel. Der Anhänger vom pappigen Toastbrot hat an diesem Essen seine Freude. Die restlichen Reisenden schlingen das sandwich ohne grosse Reflexion herunter. Besser ist so. Und wer auf den Flug, einen erfolgreichen Geschäftsabschluss oder einfach mit Freunden anstossen möchte, der muss nicht auf ein Glässchen Wein verzichten.
Die netten Damen von BA servieren gerne - allerdings nur im Plastikbecher - einen französischen Wein. Schade, denn britischer Wein wird ja auch immer interessanter.

Frankreich
Beaujolais
Georges DuBoeuf
Beaujolais-Villages
2007, 12,5 %vol.

Der Produzent Georges DuBoeuf ist wohl der grösste Weinproduzent Frankreichs, der ca. 30 Millionen Flaschen Wein pro Jahr produziert. In diesem Sinne ist der BA-Wein tatsächlich ein Massenwein. Und so schmeckt er auch.
Farblich, soweit man es im trügerischen Licht des Flugzeugs und in einem Plastikbecher erkennt, ist der Wein rubinrot bis schwarz.
Nasal bietet der Traubensaft beerige Aromen. Am Gaumen ist er dann etwas kirschig-marmeladig, ohne pappig süss zu sein. Eher schmeckt er wie eine Rotweinschorle mit Kirscharomen. Der Abgang ist dann ziemlich nichtssagend.
Im Ergebnis kann man festhalten, dass der Wein sauber und trinkbar, aber auch langweilig ist. Man muss ihn nicht, aber man kann ihn trinken.
Zum Wohl und auf einen guten Flug!