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Sonntag, 10. Februar 2013

Große Gewächstour 2013 in Berlin

Zu Jahresbeginn hatte wieder der VDP zur Tour Grosses Gewächs 2013 Mosel-Nahe-Pfalz-Rheinhessen ins Berliner Palace Hotel geladen.
Am 27. Januar 2013 waren 10 Weingüter aus dem Gebiet Mosel-Saar-Ruwer, sieben von der Nahe, 23 aus der Pfalz und 10 aus Rheinhessen in diesem Berliner Luxushotel dabei. Insgesamt insofern 50 Weingüter. Und jeder Repräsentant hatte wiederum durchschnittlich drei Weine vorgestellt. Für rund 150 Weine hatte man vier Stunden Zeit, sie zu verkosten und auch noch das eine oder andere Gespräch zu führen. Wenn man sich nicht ablenken lassen und sich nur auf die Weine konzentrieren würde, dann hätte man rund 1 1/2 Minuten Zeit pro Wein. 
Konjunktive sind was schönes. Denn meistens stellen sie einen Wunschzustand dar, der nicht realisierbar ist.
So auch bei dieser Verkostung, die sehr gut besucht war. Manchmal auch ein wenig zu gut, da es zum Teil um die Tische recht eng wurde.
Mir ist es gelungen, in der Zeit nur rund die Hälfte der Weine zu probieren. Aber ich bin ja auch kein Profi und die Rotweine habe ich auch außen vor gelassen.
Insgesamt war mein Eindruck, dass alle Weine auf hohem Niveau wunderbar waren. Es gab allerdings leider wenige sensorische Ausschläge nach oben und zum Glück auch nicht nach unten.
In besonderer Erinnerung sind mir jedoch zwei Weingüter geblieben: das Weingut Wagner-Stempel aus Rheinhessen und das Weingut Karl Schaefer aus der Pfalz. 
Warum? 
Das Weingut Wagner-Stempel präsentierte mit seinem Heerkretz 2011 und Höllberg 2011 zwei Top Weine, die ein besonderes Aroma aufwiesen. Beide Weine haben eine wunderbare Säure und Kräuterigkeit, die viel Spass beim Trinken gemacht haben. Dass beide darüberhinaus eine harmonische Mineralik und Frucht aufweisen, braucht man da überhaupt nicht erst zu erwähnen.
Das zweite interessante Weingut war Karl Schaefer, der seine grosse Gewächs Weine im Gegensatz zu den anderen Produzenten vor allem nur noch in Magnumflaschen abfüllen möchte. Zu der Verkostung wurde in Magnumflaschen der 2011 Michelsberg, 2010 Michelsberg, 2011 Herrenberg und 2008 Pechstein mitgebracht. Genau in der Reihenfolge steigerten sich auch die Weine in der Aromatik. Es waren wunderbare Weine, zum Teil mit einer nussigen Note, und einer ausgewogenen Balance, die viel Spaß machen. Hiervon möchte ich auch gerne mal hin und wieder eine Flasche trinken.

Sonntag, 3. Februar 2013

Kleine Barbeito Verkostung und Madeira-Menü im Nau

Vinhos Barbeito Verkostung
 
Kurz bevor es bei uns wieder Richtung Madeira geht, kam passend Ricardo Diogo Vasconcelos de Freitas von Vinhos Barbeito nach Berlin. Die Weingalerie nahm es gleich zum Anlass, und hat eine schöne kleine öffentliche Weinverkostung am 30. Januar 2013 in ihren Räumen mit Ricardo Freitas organisiert. Wir - nichts wie hin ... eine bessere mentale Vorbereitung kann man sich ja nicht vorstellen.
Präsentiert wurden 14 verschiedene Madeira Weine. Sechs gehörten zu den 5jährigen, vier waren 10jährige, ein Signature wine, zwei Colheita und ein Frasqueira.

5 years
Delvino Reserva Dry (80% Tinta Negra, 20 % Sercial). Der Wein hat Aromen von Honig, Sirup, Rosenblättern. Er ist sehr ätherisch. Der Wein wirkt voll.
Rainwater Reserva Medium Dry (80% Tinta Negra, 20% Verdelho). Hier gings eher in Richtung Himbeere, auch sehr ätherisch. Im Gegensatz zum Delvino ist der Rainwater strenger und frischer.
Sercial: Dieser Wein wird nicht mehr produziert. Kräftige Aromen von Pekannuss, Karamell, Kaffee.
Verdelho: Auch dieser Wein wird nicht mehr hergestellt. Der Wein erscheint recht leicht mit Aromenen von Schokolade, Nuss, Kaffee, aber auch Beeren sind dabei. Eventuelle auch ein wenig Banane?
Boal: Ricardo Freitas erzählte, dass der Boal und der Malvasia zwar weiter hergestellt werden, aber nur noch in halben Flaschen. Der Boal ist aus unserer Sicht ein wenig zu  kurz, allerdings mit einer feinen Süsse. Auch hier sind wieder Nussaromen vertreten.
Malvasia: Der Malvasia sticht extrem mit seinen grünen Noten, der Kräuterigkeit, Johannisbeere und etwas Holz hervor. Ein wenig erinnert der Wein auch an ein leeres Whiskeyglas.
Der Abgang ist rund und leicht brennend, aber toll.

10 years
Sercial: Der Wein ist voll. In der Nase dominieren Honig, Kräuter, Kaffee und ätherische Düfte, ein wenig auch Politur. Am Gaumen ist er schlank und elegant und hat eine schöne Säure, die die 5jährigen noch nicht haben.
Verdelho: Der Verdelho ist blumig und karamellig mit Nussaromen und einer wunderbaren Säure und eher von der Struktur schlanker.
Boal: Dieser Wein hat wiederum extrem Noten von gebackenem Brot, Karamell, Birne, Holz, Pflaumen. Er hat eine schöne Säure und ist im Abgang feurig.
Malvasia: Der "süsseste" Wein ist extrem medizinisch kräuterig mit einem Hauch von noch grüner Banane und Holz.
Am Gaumen hat er eine gute Balance, Säure und dunkle, volle Süsse. Er wirkt fast honigartig ölig und voll. Sehr schön.

Signature Wine
VB Reserva Lote 3
Verkostet  wurde die Flasche Nr. 1824 von insgesamt 2478 Flaschen, die von diesem Wein existieren. Der Wein ist ein Cuvée aus Verdelho und Boal von verschieden Weinbergen. Verdelho ist aus der Region um São Vicente und der Boal kommt aus der Gegend um Prazeres.
Die Nase ist nicht extrem intensiv. Der Wein hat rauchige Noten mit Karamell vermischt. Am Gaumen wirkt er schlank und elegant.

Colheita
1997 Boal
Auch hier haben wir die Flasche Nr. 0184 von insgesamt 1198 verkostet. Top! Er hat beerige und leicht ätherische Aromen und riecht auch wieder ein wenig nach frischem Brot. Er ist wieder sehr schlank und elegant im Abgang.
 
2000 Malvasia
Von dem Malvasia gibt es insgesamt 1116 Flaschen. Nach Berlin hat die Flasche Nr. 1050 ihren Weg gefunden.
Von der Nase sticht wieder die extreme Kräuterigkeit hervor gemixt mit Orangenzesten. Der Abgang ist sehr rund und angenehm.

Vintage/Frasqueira
1988 Sercial
Der älteste, der präsentierten Weine bietet in der Nase Aromen von Kräutern, Kaffee, Politur und Nuss. Der Sercial ist sehr schlank mit einer tollen Säure. Klasse Stoff!

Es ist faszinierend, wie intensiv und wie unterschiedlich gleichzeitig die Weine sind. Am auffälligsten ist, daß der Malvasia eine prägnante Kräutrigkeit und "Grünheit" in der Nase hatte, egal ob er nun 5, 10 oder ein Jahrgangswein ist.


Madeira Menü

Die kleine Verkostung hat uns gut auf den folgenden Abend vorbereitet. 
Erstmals in Deutschland wurde am 31.1.2013 im Restaurant Nau im portugiesischen Hotel Sana in Berlin ein Menü serviert, zu dem nur verstärkte Madeira Weine von Barbeito getrunken wurden. Äusserst spannend! Auch hier war wieder Ricardo Freitas dabei und hat mit der Weingalerie die rund 20 Gäste durch den Abend begleitet.
Ich war mehr als begeistert von dem Essen, da die ausgewählten Speisen tatsächlich hervorragend zu den Weinen passten.  Vor ein paar Monaten hatten wir selber mal zu Hause ein Madeiramenü konzepiert und es war gar nicht so unähnlich den Speisen, welche wir im Nau genüsslich verzehrten. Wir hatten vor allem deutsche Gerichte mit Madeiraweinen kombiniert. Einverstanden, Foie Gras und die Austern waren nicht unbedingt deutsch und auch der Käse war eher europäischer Art. Aber dazu vielleicht ein anderes Mal. Zurück zum Madeira-Menü im Nau.
Das Restaurant selber war sehr dunkel, aber elegant eingerichtet. Die Stühle sind allerdings nicht die bequemsten. Der Tisch war schön gedeckt. Damit es am Anfang nicht zu langweilig wird, gab's frische kleine Brötchen aus dem Beutelchen, Oliven und eine Schaumpaste, die ich nicht identifizieren konnte.
Als Gruß aus der Küche gab es eine Kleinigkeit vom Hirsch. Es war ok, aber nicht besonders aufregend. Hierzu wurden noch keine Weine serviert. 
Da waren dann die folgenden Gänge spannender. 
Der erste offizielle Gang war eine Gänseleberterrine mit geräuchertem Müritz-Aal, zu dem ein 5 Jahre alter Boal und ein 10 Jahre alter Boal eingegossen wurden. Ricardo Freitas war selber sehr gespannt, was ein Koch in Berlin zu seinen Weinen zaubert. Man kann sagen, dass die Kombinationen fast immer top waren. 
Zu der Gänseleber und dem Aal passte aus unserer Sicht der 10 Jahre alte Boal besser als der jüngere, da er rauchigere Aromen hatte. Der 5 Jahre war einfach ein wenig zu kräftig. 
Der zweite Gang war eine geschäumte Madeira-Fischsuppe mit Jakobsmuscheln und Garnele, zu der wir Delvino (Reserve) & Rainwater (Reserve) tranken. Die Suppe war der Hammer! Ich war begeistert. Sie hatte eine wunderbare Würzigkeit, Frische und Säure. 
Gekocht wurde die Suppe wohl mit einfacherem Madeirawein. Zu der Suppe passte der Delvino besser als der Rainwater. Delvino wirkte aus unserer Sicht präziser und verstärkte noch die Aromen. Rainwater schmeckte eher zu süss und überdeckte die Aromen der Suppe.
Als Hauptgang verzückte uns eine geschmorte und superzarte Lammbrust mit Topinambur und gebackenen Schwarzwurzeln mit VB Lote 3  und 10 Jahre altem Verdelho. Das Fleisch war so zart, dass man noch nicht mal ein Messer hätte benutzen müssen. Großes Kino. Der VB, der im Jahr 2010 gefüllt wurde, passte ein wenig besser, da er etwas geschmeidiger und spielerischer war. Der 10 Jahre alte Verdelho wirkte aus unserer Sicht etwas zu kräftig. Aber da kann man sicherlich gerne auch anderer Meinung sein, wie immer beim Geschmack.
Nach diesem ersten Höhepunkt des Menüs gingen wir zu einem süssen Gang über.
Zu einer Mousse und Eis von Kaffee und Schokolade wurde ein 10 Jahre alter Malvasia und ein Malvasia aus dem Jahr 2000 gereicht. Zur Mousse hat uns der zehnjährige etwas besser gefallen, zum Eis eher der 2000er. Beim Eis waren wir uns aber nicht einig, sondern wechselten die Meinung jeweils mit jedem Löffelchen. Wunderbar. So hätte es den ganzen Abend weitergehen können. 
Der Koch eröffnete uns, dass es für ihn die größte Herausforderung war, einen passenden Gang zu einem Dessert zu fabrizieren. Es ist ihm wunderbar gelungen.
Den Schluss dieses delikaten Menüs bildete dann eine Käseauswahl von Dörmanns Bio-Hof, mit Honigbrot und Kürbismarmelade und einem 1997er Boal und einem Boal aus dem Jahre 1982. Ich persönlich finde es am schwierigsten, Käse und Madeirawein zu kombinieren. Das verwunderte mich am Anfang sehr, da normalerweise Süssweine hervorragend zu Käse gehen. Hier beißt sich oft das Zusammenspiel. Auch hier war die Kombination in Ordnung, war aber nicht umwerfend. Am besten passte noch das würzige Honigbrot zum 1997er Boal. Die Kürbismarmelade harmonierte dagegen gut mit dem 1982er Boal.
Der Boal 1997 ist ein Single Cask und kommt von einem Weinberg. Der Boal 1982 wurde von Ricardo Freitas nochmal "überarbeitet". Er hatte ihm Anfangs nicht gut gefallen. Er wollte eine höhere Säure erhalten und hat den Wein, der zuerst in Demijohns war, in  Fässer gefüllt und ganz nach oben unter das Dach gestellt. Dort verdunsteten dann rund 8 % Wein pro Jahr! Dadurch hat der Wein eine schöne Säure erhalten. Kaffee, Röstaromen, Bittertöne und eine verhaltene Süße prägen den Wein.
Das umwerfende Finale dieses Abends bildete aber ein sehr spezieller Wein aus dem Haus Barbeito. 
Ricardo Freitas hat noch eine besondere Flasche zu Hause abgefüllt für diesen Abend: einen Verdelho aus dem Jahr 1885! Der Wein hatte eine wunderschöne Bernsteinfarbe. In der Nase war er allerdings fast scharf. Als erstes stachen einem ätherische Gerüche und fast sowas wie Aceton entgegen. Dann dominierten aber noch weitere Aromen wie Honig, Nuss, Tabak, Teer, Kaffee und Walnuss.
Der Wein ist überraschend elegant und sehr fein und war ein voller Genuss. Gerne hätte ich noch einen oder anderen Schluck mehr davon getrunken.
Insgesamt war der Abend wunderbar. Ich kann nur jedem empfehlen, sich dem Thema "Madeira Wein" zu widmen. Dieser Wein kann viel mehr, als nur als Dessertwein zu Schokolade gereicht zu werden. Es ist ein äusserst vielfältiger Wein, dem man aber seine Aufmerksamkeit widmen muss. Nichtbeachtung straft er mit Plumpheit und vielleicht auch einfacher Süsse ab.

Sonntag, 9. Oktober 2011

Südafrika Weinshow 2011 heute in Berlin

Die Vorbereitungen sind beendet, das Team ist voller freudiger Erwartung auf diesen Tag. In etwa einer Stunde gehts los. Dann startet dieses Jahr die Südafrika Weinshow 2011 (www.suedafrika-weinshow.de) in Berlin.

Rund 50 Winzer und Weinimporteure werden heute dem Fachpublikum und Weinliebhabern die südafrikanische Weinwelt vorstellen. Neben verschiedenen Seminaren, die man auch besuchen kann, werden auch die neuesten von John Platter mit 5 Sternen prämierten Weine präsentiert.

Öffnungszeiten:
10:30 bis 18:30 Uhr Fachbesucher (Eintritt frei für Fachhändler, Sommeliers, Gastronomie und Presse) 
15:00 bis 18:30 Uhr private Weinliebhaber (Eintrittspreis inkl. Gebühren: 15,- Euro) 
Veranstaltungsort: 
Ellington Hotel Berlin
Saal "Femina" & Foyer
Nürnberger Straße 50-55
10789 Berlin
Web: www.ellington-hotel.com

Dienstag, 24. Mai 2011

Neue Reben werden auf dem Kreuzberg vom neuen Hauptstadtwinzer gepflanzt!

Heute wurden öffentlichkeitswirksam vom Stellvertretenden Berzirksbürgermeister und Wirtschaftsstadtrat Herrn Dr. Beckers und Herrn Panhoff, Bezirksstadtrat für Bauen, Wohnen und Immobilienservice, die ersten von 70 neuen Weinreben gepflanzt.
Die Partnerstadt Wiesbaden von Friedrichshain-Kreuzberg hat die 70 Riesling-Reben gespendet, die nun die bestehende Weinanbaufläche vergrößern werden.
Die Gäste konnten nicht nur bei dem Pflanzen aktiv dem neuen Hauptstadtwinzer Daniel Mayer zur Seite stehen, sondern durften auch ein Glässchen des Kreuz-Neroberger Jahrgang 2009 und des Roséweines Spätburgunder Weißherbst Jahrgang 2008 verkosten.
Die kleinen Flaschen werden leider nicht verkauft. Allerdings kann man sie gegen eine Spende beim Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg erwerben.
Zu den Teilnehmern der Veranstaltung zählten unter anderem der Partnerschaftsverein Friedrichshain-Kreuzberg, die Grüne WeinkönigIn vom Kreuzberger Kreuzberg, Ihre Majestät Coco I. von Kreuz-Neroberger, Marco Dietz (Swing & Wine-Veranstalter), der Weinjournalist Till Ehrlich, der in den vergangenen drei Jahren, den Weinberg gepflegt hat, Alice Beckmann (Berliner Sommelière) und der bekannte Berliner Weinkontrolleur Peter Scheib.
Es war eine gelungenes kleines Event, das zeigt, dass der Wein in Berlin immer mehr nicht nur an Fläche, sondern vor allem an Bedeutung gewinnt. Die Presse war zahlreich vertreten und verblieb wohl nicht zuletzt wegen des ausgeschenkten Weines und des angebotenen leckeren Laugengebäcks.
Die Ernte der Neupflanzungen werden wir allerdings laut Daniel Mayer erst in vier Jahren verkosten dürfen.

Sonntag, 13. Februar 2011

Duck, Kutteln und Chinese Circumstances

Eine liebe Nachricht von Iris aus dem fernen Languedoc hat sowohl mich als auch meinen in letzter Zeit sehr stiefmütterlich behandelten Blog aus dem winterlichen Tiefschlaf geweckt. Ich will noch nicht wagen zu behaupten, dass bei mir ein zweiter Blog-Frühling begonnen hat. Jedoch die eine oder andere Knospe in Form eines Artikels schlägt sich kräftig durch.

Ein wunderbarer Abend in dem Restaurant "Peking Ente" hat den Ausschlag gegeben, den virtuellen Pinsel in die Hand zu nehmen und eine kleine Hommage per Tastatur zu verfassen.

Mein erster Besuch der Peking Ente liegt nun schon Jahre zurück. Ich war nicht ganz so begeistert, liess mich ein wenig von der ollen und bürgerlichen Inneneinrichtung im Berliner Plattenbau zurückschrecken.

Jahre später bin ich wieder auf die chinesische Ente neugierig geworden.
An der Inneneinrichtung hat sich nichts geändert. Die Einrichtung ist die gleiche geblieben. Die zeitgenössische chinesische Kunst an den Wänden war und ist ein Eyecatcher, der die typische Chinese-Restaurant-Einrichtung aufpeppt. Dank Berlinale war das Restaurant gut gefüllt, von den Tischen schallten mal chinesische, mal britische Wortfetzen.

Nachdem man kundgegeben hat, dass man die Ente Pekings zu essen wünsche, wurden wir gleich vom kleinen Katzentisch an einer Säule zum stattlichen Tisch am Fenster geleitet.
Kleiner Tip am Rande: Man sollte gleich bei der telefonischen Reservierung seine Speisenwunsch äussern, damit man an einen vernünftigen Tisch gesetzt wird!
Neben einer kleinen Sauerscharfsuppe zum Aufwärmen und verschiedenen gedämpften Dim Sum war eine Rindfleisch/Kuttelnvorspeise der absolute Hit, die wir gleich zum Nachtisch zur ungläubigen Überraschung des Services noch mal bestellten, diesmal aber besonders spicy. Dezent mit Koriander, Chiliöl, Sesam und Erdnüssen verfeinert hat diese Speise tatsächlich Suchtpotential.
Die gebratene und in feinen, kleinen Scheiben geschnittene Peking Ente wurde uns vor dem Zerlegen vorgeführt und dann wieder in die Küche entführt, um uns paar Minuten später kunstvoll aufgebäumt auf dem Tisch serviert zu werden. Nach einer kurzen Einführung des Einrollens und Essens der Ente in einen zarten Pfannkuchenteig, stürzten wir uns auf das Hauptgericht. In kürzester Zeit waren die Teller leer und Mägen hervorragend gefüllt. Die knusprige Haut hat es mir da besonders angetan.
Kleiner Tip am Rande: Auf jeden Fall die Ente zu dem heissen Preis bestellen und essen! Und vorher die Kuttelnvorspeise nicht vergessen!
Einen traurigen Wehrmutstropfen hatte der Abend auf Pekings Boden: die Weinliste ist mehr als eindimensional und passt sich den Speisen überhaupt nicht an.
Restsüsse Weine, die hervorragend zu der asiatischen Schärfe passen würden, sucht und erfragt man vergeblich.
Als Wein wurde zur pekinesischen Ente ein Cabernet Sauvignon empfohlen - aus unserer Sicht kein guter Rat. Mangels tauglicher Alternativen wurde er aber wahrgenommen. Wenn man sich schon so experimentierfreudig zeigt, ist der Schritt zum chinesischen Cab Sauf...ähh... Cab Sauv.. auch nicht mehr weit.
Wenig überzeugend zeigte sich der Vinisuntime International 2006 vom Yili River aus der Region Xinjiang. Kaum Frucht, flacher Abgang. Auch wenn auf der Flasche behauptet wird, dass das Gebiet sich auf dem gleichen Breitengrad befindet wie Ligurien und Bordeaux, ist der Vergleich mit den europäischen Weinen etwas unangemessen.
In dieser Hinsicht gibt es auf jeden Fall noch Potential zur Nachbesserung.
Ein bekanntes chinesisches Restaurant im Westen Berlins hat dies schon vorbildlich vorgeführt und präsentiert zum chinesischen Essen eine stattliche Liste an Rieslingen. Hieran sollte man sich auch hier spotartig orientieren. Sofern beim Aufpeppen der Weinkarte Hilfe benötigt wird, wird von dieser Seite gerne Unterstützung geleistet!

In unser Herz hat sich abseits vom leckeren Essen vor allem der Service geschlichen. Ungewöhnlich humorvoll und schlagfertig zeigten sich die pfiffigen Jungs, die diesen Abend zu einem unvergesslichen Ereignis machten.

Danke vor allem Dir, Ji!


Restaurant Peking Ente
Voßstraße 1
10117 Berlin

Sonntag, 17. Oktober 2010

Berlin-Windhoek Filmnacht

Anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft Berlin-Windhoek findet

am 28. Oktober 2010
im BABYLON
Rosa-Luxemburg-Straße 30, 10178 Berlin

die "Berlin-Windhoek Filmnacht" statt (Einlass ab 19 Uhr).
Neben Kurzfilmen deutscher und namibischer Regisseure wird in Kooperation mit der Deutsch-Namibischen Gesellschaft und dem ZDF auch der Dokumentarfilm „City Code“ der Berliner Regisseurin Tabea Sternberg erstmals aufgeführt. Er zeigt die Jugendkultur in Berlin und in Partnerstädten auf vier Kontinenten: Los Angeles, Buenos Aires, Beijing, Moskau – und Windhoek. In der namibischen Hauptstadt entdecken die Studenten Inge und Obie ihre Sprache auf besondere Art und Weise bei Spoken Word, einer Art Poetry Slam. Der herausragende Kurzfilm der namibischen Regisseurin Oshosheni Hiveluah „Cries at night“ war im Februar dieses Jahres im Rahmen einer afrikanischen Kurzfilmreihe in der Zeit der Berlinale vertreten und wird auch in der Filmnacht erneut gezeigt.

Die Veranstaltung findet unter der Schirmherrschaft von Frau Prof. Regina Ziegler, Filmproduzentin, statt.

Weitere Infos unter www.berlin-windhoek-filmnacht.de

Freitag, 17. September 2010

Weinreise mit Wein Wolf im InterConti

Wein Wolf lud letzten Montag zur Weinverkostung Nonplusultra ins Hugos im InterContinental Berlin ein.

Insgesamt gab es 26 internationale Tische und einen bescheidenen, aber überladenen und unübersichtlichen Tisch mit deutschen Weinen.
Aus allen Weinländern waren mehrere Weingüter vertreten. So war Frankreich, Italien, Spanien, USA, Südafrika, Portugal, Österreich, Chile, Australien, Neuseeland, Argentinien und natürlich Deutschland vertreten.

Zum Aufwärmen gab es zunächst Champagner von Taittinger auf dreierlei Art:

1. Champagne Taittinger Brut Réserve
2. Champagne Taittinger Brut Prestige Rosé
3. Comtes de Champagne Blanc de Blancs, 1999

Von allen dreien war der Letzte der Feinste. Während der Brut Réserve noch erfrischend war, erschien der Prestige Rosé grob perlig und nicht ganz nach meinem Geschmack – zu plump. Am feinsten war der Blanc de Blancs, der die Krönung der drei Champagner darstellte – auch preislich. Der letzte Tropfen war am Gaumen rund und harmonisch und feinperlig. Ein Traum.

Und dann gings schon in großen Schritten vorwärts, zunächst die Weißweine, dann ein paar Rotweine und zum Schluss ein Brandy und zwei Portweine – um das gesamte Bild abzurunden.


Weissweine und Roséweine:

Frankreich, Elsass
1. Trimbach, Riesling 2008 – ok, aber nichts Besonderes.
2. Trimbach, Riesling Cuvée Fréderic Emile 2004 – schon feiner und mit einem schönen komplexeren Abgang.

Frankreich, Burgund
1. Louis Jadot, Bourgogne Blanc Chardonnay Couvent des Jacobins, 2008 - ein schöner, feiner Wein.

Südafrika
1. Buitenverwachting Buiten Blanc, 2010
2. Buitenverwachting Sauvignon Blanc, 2010
3. Buitenverwachting Chardonnay, 2009 - der beste Weißwein, den ich in dieser Reihe verkosten durfte.
4. Buitenverwachting Blanc de Noir Rosé, 2010 – typischer kraeftiger Rose von der Aromatik, der mir zu alkohollastig war.
5. Neil Ellis, Groenekloof Sauvignon Blanc, 2009 - typisch Sauvignon Blanc hat dieser Wein grasige Aromen, die fast einen Hauch von frischem Marihuana – unglaublich, ist aber nicht so sehr mein Fall.
6. Lourensford Winemakers Selection Viognier, 2009 - in der Nase war er fein und blumig, am Gaumen enttäuschte er allerdings, da er stumpf wirkte.

Österreich, Kamptal
1. Johann Topf, Green Grüner Veltliner, 2009 - zu spritzig, hatte fast etwas von einem Medium-Sekt – falls es so etwas überhaupt gibt.
2. Johann Topf, Blickenweg, 2009 – Wein ist ok, aber nichts Herausragendes.
3. Johann Topf, Gelber Muskateller , 2009 – grandios, rassig und dennoch frisch.
4. Johann Topf, Grüner Veltliner Ried Wechselberg, 2009 – ein feiner Wein.
5. Johann Topf, Grüner Veltliner Ofenberg, 2009 - war für mein Geschmack zu parfümiert.

Österreich, Neusiedlersee
1. Meinklang, Grüner Veltliner, 2009 – Der Wein ist aus biologisch-dynamisch angebauten Trauben gemacht - ok.
2. Meinklang, Graupert Grauburgunder, 2008 - Auch dieser Wein ist aus biologisch-dynamisch angebauten Trauben gemacht - ein sehr frischer und mineralischer Wein.
3. Meinklang, Prosa Blauburgunder Rosé, 2009 – Auch hier gilt dasselbe zur Biodynamik, wie unter 1. und 2. gesagt. Der Wein erschien mir zur heefig.

Österreich, Weststeiermark
1. Weingut Reiterer, Schilcher Riemerberg 2009 – ok.
2. Weingut Reiterer, Schilcher Frizzante, 2009 – ein wunderbar angenehmer Rosé

Österreich, Thermenregion
1. Weingut Leopold Aumann, Rotgipfler Flamming, 2009 – ein kleiner besonderer Tropfen aus einer besonderen autochtonen Traube, die es fast nur noch in der Thermenregion in Österreich gibt.

Österreich, Wachau
1. Domäne Wachau, Burggarten Grüner Veltliner Federspiel, 2009 – der Wein ist ok, blieb aber kaum in Erinnerung.

USA, Washington State
1. Columbia Crest, Unoaked Chardonnay, 2008

USA, Kalifornien
1. Chateau Ste Michelle. Chardonnay, 2007 – zu viel Holz, um elegant zu sein.
2. Chateau Ste Michelle, Eroica Riesling, 2008 - klar, ein Joint Venture mit Weingut Dr. Loosen. Was kommt heraus? Ein für kalifornische Verhältnisse wunderbarer schlanker und zugleich typischer Riesling.

Deutschland, Mosel
1. Clemens Busch, Pündericher Marienburg, Riesling trocken GG, 2007 – herrlich.
2. Clemens Busch, Pündericher Marienburg Riesling Kabinett Erste Lage, 2008 - für einen 2008er ein grandioser Wein.
3. Josef Rosch, Leiwener Klostergarten, Riesling QbA trocken 2009 – ok
4. Josef Rosch, Leiwener Klostergarten, Riesling Kabinett 2009– grandios!

Deutschland, Baden
1. Klumpp, Weissburgunder QbA trocken, 2009
2. Klumpp, Grauburgunder QbA trocken, 2009

Deutschland, Rheinhessen
1. Heyl zu Herrnsheim, Niersteiner Brudersberg Riesling trocken, 2009 - wunderbarer aromatischer Wein, den man gerne trinkt.

Deutschland, Nahe
1. Emrich-Schönleber, Monzenberg Halenberg, Riesling trocken GG, 2008 - herrlich!


Rotweine

Frankreich, Beaujolais
1. Louis Jadot, Moulin-à-Vent AOS Chateau des Jacques, 2006 - ein sehr schöner Wein.

Frankreich, Rhone
1. Domaine du Vieux Télégraphe, Télégramme Chateauneuf-du-Pape, 2008 – ein tanninreicher Wein.
2. Domaine du Vieux Télégraphe, Vieux Télégraphe Rouge, 2006 – ein schöner runder Wein, der beeindruckend ist.
3. Domaine Les Pallières, Les Racines Gigondas AOC, 2007 - ebenfalls ein toller Wein.
4. Domaine Les Pallières, Terasse du Diable, 2007 – großartiger Wein.

Frankreich, Languedoc
1. Mas Amiel – Vintage Rouge 2007- Schöner tiefer und fülliger Süsswein mit einem cremigen Hauch.

Frankreich, Burgund
1. Louis Jadot, Santenay AOC Clos de Malte, 2006

Italien, Toskana
1. Tenuta di Biserno – Insoglio del Cinghiale Toscana IGT, 2008
2. Tenuta di Biserno – Il Pino die Biserno Toscana IGT, 2006
3. Tenuta di Biserno – „Biserno“ Toscana IGT, 2007

Italien, Kampanien
1. Feudi di San Gregorio, Rubrato Aglianico Campania Aglianico IGT, 2008 – einfacher trinkbarer Wein
2. Feudi di San Gregorio, Taurasi, 2005 – fülliger als der Vorangegangene
3. Feudi di San Gregorio, Serpico Irpinia Aglianico DOC, 2005 – der Beste der Drei.

Südafrika
1. Buitenverwachting, Meifort, 2006 – Johannisbeeren in der Nase – ein leckerer Wein.
2. Buitenverwachting, Merlot, 2007 – er hat ein angenehme Säure.
3. Buitenverwachting, Christine, 2006 – ein wunderbarer bezahlbarer südafrikanischer Tropfen.
4. Pepin Condé, Cabernet Sauvignon, 2008
5. Stark-Condé, Syrah, 2007
6. Stark-Condé, Three Pines Syrah, 2007 – Wie der Name schon sagt, hat dieser Syrah einen Hauch von Pinien in der Nase.
7. Stark-Condé, Cabernet Sauvignon 2007
8. Stark- Condé, Three Pines Cabernet Sauvignon 2007 - witzigerweise hat auch dieser Wein die Aromatik von Pinien.
9. Neil Ellis, Stellenbosch Cabernet Sauvignon, 2006 – Barrique-Ausbau ist bemerkbar.

Australien
1. Penfolds, Bin 23 Pinot Noir, 2009
2. Penfolds, Bin 389 Cabernet Shiraz, 2007
3. Penfolds, St. Henri Shiraz, 2006
4. Penfolds, Magill Estate Shiraz, 2005
5. Penfolds, Grange, 2003 – der geschmackliche Ferrari unter den Penfolds. Ein grosser und kräftiger Tropfen, der es jedoch an Eleganz nicht mangelt. Alle Penfolds-Weine waren jedoch hervorragend und zeigten auf ihre Art eine Schlankheit am Gaumen.

Chile
1. Viña Montes, Alpha Carmenère, 2007
2. Viña Montes, Alpha Pinot Noir 2008 – hat witzigerweise eine Streichholzaromatik, seltsam.

Argentinien
1. Bodega Lurton, Malbec Tierra de Luna, 2009 – ein fruchtiger, runder Wein.
2. Bodega Lurton, Piedra Negra Malbec „La Martina“, 2006
3. Bodega Lurton, Gran Lurton Cabernet Sauvignon, 2006

Brandy und Port
1. Portugal, Taylor’s Port, Late Bottled Vintage 2004 – super lecker.
2. Portugal, Taylor’s Port, 10 Year Old Tawny – noch leckerer – hervorragender Abschluss der gesamten Verkostung.
3. Torres 20 Hors d’Age Brandy – rund und dennoch mit einer pfeffrigen Schärfe versehen. Sehr angenehm.

Fazit: Die teuren Weine waren leider meist immer die besseren Weine. Es lohnt sich bei Wein leider immer mehr Euros auszugeben, als man gewillt ist. Eine Ausnahme bilden da die deutschen Weine, unter denen man auch gute günstige Flaschen finden kann.

Sonntag, 12. September 2010

CWD Hausmesse 2010 in Berlin

Kaum sind die deutschen Winzer nach einem fulminanten VDP-Geburtstag aus der Berliner Hauptstadt weg, kommen schon die nächsten Weinprofis nach Berlin. Bei der Hausmesse der "Champagner & Wein Distributionsgesellschaft" - kurz CWD - wurden am Sonntag Nachmittag 23 Produzenten dem Fachpublikum im Hyatt vorgestellt.

Zur Abwechslung waren diesmal die deutschen Weine in der Minderheit. Der Fokus richtete sich eher auf ein breites internationales Spektrum: einige französische Weine, ein paar italienische Weine, südafrikanische, österreichische, israelische, spanische und argentinische Weine waren von der Partie.
Aus meiner Sicht gab es einige kleine Highlights.

1. Argentinien überzeugte mich durchgehend mit Malbec-Weinen von Cantena Zapata. Gerade auch der hochpreisige Wein wie Nicasia Vineyard Malbec 2006 zeigte eine florale Note auf, die leicht an Lilien erinnerte, jedoch nicht penetrant wirkte. Auffällig war an allen Cantena-Weinen eine Fülle, die jedoch nicht in Opulenz ausartete, sondern eine eher elegantere und leichtere Linie fuhr.

2. Frankreich war primär klassisch mit Weinen von Rothschild, Jaboulet und in der Champagner-Liga mit Pol Roger vertreten.
Jaboulet's La Chapelle ist definitiv ein Highlight, genauso auch Lafite Rothschild.

3. Österreich präsentierte adelig Schlossweingut Esterházy. Mehr als die Weissweine wie Chardonnay oder Pinot Blanc hat mich der 2007er Tesoro mit seiner angenehmen Fülle überzeugt. Der aktuelle Jahrgang 2009 classic Zweigelt ist klar und ungeschminkt am Gaumen und für seinen Preis ein überaus ordentlicher Wein. Das gleiche gilt auch für die Beerenauslese 2009, die sich zwar dominant präsentiert, aber dennoch einen schönen süss-harmonischen Kontrast zu den trockenen Rotweinen bildete.

4. Israel brachte die bekannten Produzenten Yarden und Gamla auf den Tisch. Die Weine überzeugten jedoch nicht, da sie aus meiner Sicht keine Rafinesse hatten.

5. Von den südafrikanischen Weinen ist mir der Southern Right Sauvignon Blanc 2009 von Hamilton Russell Vineyards und der 2007er Syrah von Boekenhoutskloof am besten in Erinnerung geblieben. Auch wenn die opulente Fülle der Weine sicherlich nicht tagtäglich trinkbar sind, so entsprechen diese Weine einem Mainstreamgedanken, der in Richtung Europäisierung und Verschlankung der Weine geht.

6. Italien war aus meiner Sicht eher unbedeutend vertreten. Das mag aber auch daran liegen, dass ich hauptsächlich die Weissweine verkostet hatte, die mich gar nicht überzeugten. Der Qualitätskontrast zu den gerade erste letzte Woche verkosteten deutschen VDP-Weinen war zu krass.

7. Deutschland war hervorragend mit St. Urbanshof vertreten. Das Weingut arbeitet mit Spontangärung und erreicht dadurch eine unverwechselbare Aromatik und Eleganz. Gerade die Ockfener Bockstein Weine (2009 Kabinett und 2009 Spätlese) kann man leicht und locker trinken ohne gelangweilt zu sein. Traumhaft.

Dienstag, 7. September 2010

VDP feiert 100 Jahre in Berlin

Die weite Anreise der VDP-Mitglieder zum 100jährigen Geburtstag der VDP in die deutsche Hauptstadt hat sich gelohnt!

Drei Tage lang wurde ein rauschendes Fest um den Wein und den darüberwachenden VDP-Adler gefeiert: mit Parties, Verkostungen von Grossem Gewächs und anderen Weinen in Galerien, Diskussionsrunden, Festakt und zum Schluss mit einer grossen Geburtstagsfeier! Ein Event reihte sich an das andere. Zeit zum Luftholen blieb kaum. Das wollte auch keiner, lieber nahm man einen Schluck Wein und feierte jede Nacht bis in die Morgenstunden.
Junge und alte Winzer genossen die Berliner Luft fernab der zum Teil ruhigeren Heimat und machten die Nacht zum Tage. Die Restaurants im Westen und Osten Berlins wurden unsicher gemacht, die Bars freuten sich über Umsätze und die Weinläden luden "ihre" Winzer zu Weinpräsentationen ein. Ein wichtiger Anlaufpunkt für die Gesellschaft waren die Weinbar Rutz, Gendarmerie, VAU, Die Spindel, Brandenburger Hof, Hot Spot oder die Fleischerei.

In der Weinbar Rutz wurde unabhängig von den Feierlichkeiten der VDP mit der grandiosen 10. Bottle Party unter dem Motto "Wer schwankt, hat mehr vom Weg!" der Auftakt der wilden Tage gefeiert. Dicht an dicht reihten sich die Gourmetpromis in dem engen Restaurant. Darunter auch der Jungwinzer Günter Jauch mit Ehefrau, der aus dem Fernsehen bekannte Koch Stefan Marquard und der gleichfalls bekannte Mario Kotaska quetschten sich in dem vollkommen überfüllten Restaurant. Beste VDP Weine wurden bis zum frühen Morgen aufgefahren und flossen in Strömen, 48 Monate alter Bellota Schinken "gehobelt" und Musik auf volle Lautstärke gestellt.

Nüchterner aber nicht minder fröhlich ging es am nächsten Tag dann in den Galerien rund um den Checkpoint Charlie, Straußberger Platz und die Auguststraße zu, in denen sich laut Veranstalter rund 3000 Besucher drängelten, um die Weine zu verkosten. In leichter und eleganter Atmosphäre schlenderte man mit Weingläsern durch die Strassen Berlins, um in den 70 Galerien die 1000 Weine von 200 Prädikatsweingütern zu verkosten.

Ein Teil der Galeriebesucher und noch viel mehr Fachpublikum fand sich am nächsten Tag bei der großen Verkostung der Grossen Gewächse in der Landesvertretung Baden-Württemberg wieder. Bis zu 360 Weine wurden unter anderem von den Ehrengästen Hugh Johnson und Jancis Robinson verkostet. Beide sind begeisterte Anhänger deutscher Weine und setzen sich in ihrem Heimatland Großbritannien insbesondere für deutsche Rieslinge ein.

Nach der Premiere der Grossen Gewächse ist die gesamte Gesellschaft zu einem, man könnte fast sagen dekadenten geschlossenen Empfang unter freiem Himmel vor dem Alten Museum gezogen, um dort dann im Smalltalk den Nachmittag ausklingen zu lassen und sich gedanklich auf den Festakt im Berliner Dom vorzubereiten. Kleine Häppchen und Winzersekt wurden in der untergehenden wärmenden Sonne gereicht, während man über den Lustgarten blicken konnte.

Beim Festakt im Berliner Dom, bei dem als Ehrengast Bundeswirtschaftsminister Brüderle eine Rede auf den Wein hielt, wies der Präsident der VDP Steffen Christmann darauf hin, dass das Weingesetz einer Anpassung bedürfe. Jancis Robinson forderte die deutschen Winzer auf, die Leichtigkeit und Eleganz der deutschen Weine beizubehalten. Der Trend nach dominanten, schweren und vollen Weinen sei nicht massgeblich. In der ganzen Welt seien als Weißweine insbesondere die deutschen Rieslinge beliebt.

Nach dem grossen Festakt wurde dann ausgiebigst die VDP mit einer großen Geburtstagsfeier in der Gendarmerie nahe dem Gendarmenmarkt gefeiert.
Und so wie es bei Geburtstagsfeiern oftmals üblich ist, fand der spannendste Teil der Party in der Küche statt. Die Gendarmerie öffnete seine heiligen Türen zu den Arbeitsstätten, damit man direkten Weges auch in die anliegende Austernbank gehen konnte. Nebenbei schnappte man sich im Selfservice an den Tresen die leckeren kleinen Häppchen. In dieser angenehmen Partyatmosphäre liess man bis in die Morgenstunden mit VDP Weinen die verrückten Berliner Geburtstagsweintage ausklingen.

Herzlichen Glückswunsch VDP zu Deinen 100 Jahren und danke für die grandiose Feier, der es an Abwechslung und Stil nicht mangelte!

Landesvertretung Baden-Württemberg als Gastgeber der Premiere Grosses Gewächs 2010

In den Räumen der Landesvertretung Baden-Württemberg versammelten sich am gestrigen Tage die besten Winzer Deutschlands und zahlreiche in- und ausländische Prominenz aus der Wein- und Gastronomiebranche. Neben den besonderen Ehrengäste Hugh Johnson und Jancis Robinson waren aber auch bekannte Gesichter aus der deutschen Weinwelt anzutreffen wie Stuart Pigott, Gerhard Retter, Christina Fischer oder auch Präsident VDP a.D. Michael Prinz zu Salm-Salm.
Über fünf Stunden lang konnte man über 360 Grosse Gewächse von 139 VDP-Weingütern tasten. Ich weiss nicht, ob es jemand geschafft hat, alle Weine zu verkosten. Theoretisch wäre dies möglich gewesen, wenn man sich konzentriert für jeden Wein ca. 1 Minute und 20 Sekunden Zeit genommen hätte.
Obwohl die Weine sich durchweg auf sehr hohem Niveau bewegten, wäre der Nachmittag allerdings nur halb so spassig gewesen, wenn man nichts anderes im Kopf bzw. im Gaumen hätte als Wein.
Die gesamte VDP Grosse Gewächs-Veranstaltung lebte von den Gesprächen, die sich um den und neben dem Wein drehten. Da wurden die letzten familiären Ereignisse ausgetauscht, die Kontaktdaten aufgefrischt, neue Kontakte geknüpft und viel, viel Small Talk geführt. Auch das anstehende Abendprogramm wurde diskutiert und Verabredungen vereinbart.
In dieser angenehmen Atmosphäre war es aufregend, neben Hugh Johnson, dem eine Kamerateam auf Schritt und Tritt folgte und neben Jancis Robinson, die ihre Notizen gleich in ihr kleines Notebook tippte, die feinen Tropfen von Mosel-Saar-Ruwer, Mittelrhein, Rheingau, Nahe, Rheinhessen, Pfalz, Saale-Unstrut, Sachsen, Franken, Württemberg, Baden und Ahr zu verkosten.
Auch wenn ich längst nicht alle Weine verkosten konnte, so machten mir insbesondere der fränkische Ratsherr Silvaner 2009 von
Zur Schwane, die pfälzischen Rieslinge aus dem Jahr 2009 Pechstein, Jesuitengarten, Kirchenstück, Ungeheuer, Kalkofen, Hohenmorgen und Gaisböhl von Dr. Bürklin-Wolf, der rheinhessische Pettenthal Riesling 2009 von Kühling-Gillot, der Rheingauer Nussbrunnen Riesling 2009 von Balthasar Ress und der pfälzische Kieselberg Riesling von von Winning sehr viel Spass.
Insgesamt sind die 2009er Weine mit einer ausgewogenen Säure und einer feinen Komplexität sehr zugänglich. Interessant wäre es, diese Weine nochmal in fünf bis zehn Jahren zu verkosten, um dann die sensorische Entwicklung der Gewächse nachzuverfolgen.

Sonntag, 5. September 2010

Kunstvoller Weingenuss am VDP-Jubiläumswochenende in Berlin

Am Samstag und Sonntag hat die Grand Cru der Weinelite Deutschlands ihre besten Tropfen dem Fach-und Liebhaberpublikum in Berlin präsentiert.
Diese Verkostung fand allerdings nicht in einer grossen anonymen Halle statt. Der Veranstalter VDP (Verband Deutscher Prädikatsweingüter) hatte sich was ganz spannendes für dieses Jubiläum ausgedacht.
Kunstliebhaber und Weinliebhaber sollten gleichermaßen genussvoll befriedigt werden.
Daher öffneten 70 Galerien ihre Türen in Berlins Mitte
und begrüssten das zahlreich erscheinende Publikum. Jeder Gast erhielt ein Jubiläumsweinglas in die Hand und dann ging das Kunst-Wein-Gallery-Hopping auch schon los: Joh. Jos. Prüm, Battenfeld Spanier, Spreitzer, Schloss Vollrads, Schlossgut Diel, Geheimrat J. Wegeler, Schloss Johannisberg, Knipser, Schloss Schönborn, Reichsrat von Buhl, Dr. F. Weins-Prüm, von Othegraven, dessen neuester Inhaber Günther Jauch höchstpersönlich anwesend war, Van Volxem, Künstler und wie sie nicht alle heissen.
Ein Weingut besser als das andere.
Die bekannte Sommelier Christina Fischer führte beim VDP-Weinparcours die Besucher durch die Aromenvielfalt des deutschen Weins. Bei dem etwa einstündigen "Weinlehrpfad" verdeutlichte sie anhand von zehn Weinstationen, wie unterschiedlich Weine von verschiedenen Jahrgängen und Lagen, etc. schmeckten und wie man anhand von unterschiedlichen Wasserarten den Weingenuss optimieren kann.
Bei dieser Verkostung wurde auch klar, welche grandiosen Weine in Deutschland existieren. Nicht, dass man es bezweifelt hätte. Aber es war wieder einmal eine schöne Bestätigung. Insbesondere auch, weil der vornehmlich ausgeschenkte 2009er ein hervorragender Jahrgang ist und einem ein grosses Trinkvergnügen bereitet. Es gab bei der ganzen Kunst und Wein-Veranstaltung kaum einen Wein, den man ungern getrunken hätten.

Und das lag mitunter auch an den charmanten Winzern und Sellern. Fröhlich und mit grösster Begeisterung boten sie ihre Weine frei nach dem Motto "Es gibt nur vier Arten von Wein: Roten, Weißen und Guten und Schlechten" zur Verkostung an.
Und gute Weine trinkt man doch immer gerne, oder? Bleibt zu hoffen, dass eine derartige Kunst-Wein-Veranstaltung nicht zum letzten Mal in Berlin stattgefunden hat.
Denn eines wurde deutlich. Die zahlreichen VDP-Besucher genossen dieses Weinwochenende in vollen Zügen. Mit einem Weinglas und einem Katalog bewaffnet, wanderten Scharen von Genußmenschen durch die Straßen Berlins, um kleine und große Schätze in den ebenso kleinen als auch großen Galerien zu finden.

Freitag, 3. September 2010

Wein und Kunst in Berlin - VDP feiert 100 Jahre Bestehen

Es brodelt in Berlin. Die Berliner Gastronomie- und Weinszene bereitet sich auf das bevorstehende Wochenende, das unter dem Weinadlerzeichen steht, vor.

Der Verband Deutscher Prädikatsweingüter - kurz und prägnant VDP genannt - feiert sein 100-jähriges Bestehen und lädt zur

VDP-Kunst-Wein Berlin 2010
vom 4. bis zum 6. September 2010

ein.

Und das in der deutschen Haupstadt, die sich normalerweise ja nicht wegen ihres Weines auszeichnet.

Zahlreiche Berliner Restaurants widmen sich kulinarisch dem Weinjubiläumswochenende und bieten Special Menues an.

Erstmals wird auch die rege und bunte Berliner Kunstszene in die Feierlichkeiten einbezogen. Die besten Weingüter Deutschlands und die größten Galerien Berlins vereinigen sich. In über 70 Berliner Galerien stellen rund 200 Prädikatsweingüter über 1000 Weine vor.

Ab 12 Uhr öffnen am Sonntag, dem 5.9.2010 die Galerien ihre Türen den Profis, Semiprofis und Laien. Wer Interesse an Kunst und Wein hat, ist willkommen und kann sich durch die gesamte Bandbreite deutscher Weine durchkosten und dabei sich auf den letzten Stand der zeitgenössischen Kunst bringen.
Ein ausführlicher Programmflyer hilft bei der Auswahl der passenden Galerien und Weingüter für einen entspannten Sonntagsnachmittagausflug.

Tickets sind entweder im Vorverkauf oder auch begrenzt an der Tageskasse zu bekommen.

Sonntag, 29. August 2010

Toca Rouge

Was sich mehr nach einem französischen Boudoir-Restaurant anhört, entpuppt sich als ein kleines feines Restaurant im Asian Style.
Statt in europäisch-asiatischem Plüsch präsentiert sich das Toca Rouge als ein puristisch designetes kleines Restaurant, das sich in das Nachtleben um die Torstraße herum perfekt einfügt. Insbesondere am Samstag Abend platzt das Lokal nur so von Gästen, die entweder vor einer langen Clubnacht sich noch mit asiatischen Köstlichkeiten stärken oder einfach zusammen mit Freunden einen leckeren und lustigen Abend verbringen wollen.
Gemeinsam mit Mao kann man hier auf kulinarische Entdeckungstour von Chop-Chops, Lips, vegetarischen Ducks und Sticky Oranges gehen. Dabei lässt sich hervorragend das Treiben in der Offenen Küche beobachten.
Leider typisch für eine Szenelokal ist die Weinauswahl - nämlich nichtssagend.
Wählen kann man zwischen Good, Better und Best Wines in Rot und Weiss. Was für ein Wein dahinter steckt, bleibt allerdings ein Geheimnis.
Vertrauter ist da schon das Tsingtao-Bier, welches in der Flasche serviert wird.
Es empfiehlt sich, am Wochenende einen Tisch zu reservieren.


Toca Rouge
Torstr. 195
10115 Berlin

Samstag, 21. August 2010

AN/2 und das mallorquinische Berlin

Wenn man es nicht besser wüsste, hätte man denken können, man sei statt in Berlin auf einer der spanischen Inseln, auf denen auch mal die Nacht zum Tage gemacht wird.
Der Abend ist einer dieser spätsommerlichen Abende, die zwar schon kühler werden, aber dennoch die warme Intensität des Tages nicht vergessen lassen.
In der kleinen Tapas-Bar Atame in Berlin-Mitte sitzend, kann man ein wenig ibero-europäische Atmosphäre schnuppern und durch die grossen geöffneten Fenster das Treiben auf der Straße beobachten. Lustig wirds ab 12 Uhr nachts, wenn Massen von Jugendlichen sich versammeln, um in den nebenanliegenden Club Cox Orange hineinzugelangen.
Die Weinkarte des Atame, die selbstverständlich nur spanische Weine führt, ist für eine Tapas Bar mehr als angemessen. Positiv ist hervorzuheben, dass alle Weine konkret benannt, einer Region zugeordnet werden und auch beschrieben sind.
Wir haben uns für einen mallorquinischen Wein entschieden, um auf das Treiben vor der Bar-Tür angemessen zu reagieren.
Nicht nur die Flasche war schön, sondern auch der Wein. Er wurde zwar etwas zu kalt serviert, aber das lies sich beheben.

Spanien
Mallorca
Anima Negra
AN/2
2007

Die dunkle, fast violette Färbung des Weins versprach eine tiefe Fülle. In der Nase waren Aromen von Brombeere zu spüren. Am Gaumen ist er dann zwar nicht ganz so voll gewesen wie erwartet, aber dafür um so pfeffriger. Die Chilipflanzen, die in der Bar in Töpfen standen und von den Wänden herunterhingen, schienen auf den Wein geschmacklich abgefärbt zu haben. Der Abgang war dann um so überraschender, lang und elegant.
Ein angenehmer Wein für einen schönen Abend.

Atame
Tapas Bar
Dircksenstr. 40
10178 Berlin