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Mittwoch, 28. Mai 2008

Motiv Paris

Wer Paris hört, denkt vermutlich als erstes an den Eiffelturm, Baguettes, die dort eigentlich Parisienne heißen, Croissants, Louvre, den Arc de Triomphe und die Künstler vom Montmartre. Letztere sind zahlreich vorhanden und versuchen, ihre "Kunst" an den Mann oder die Frau zu bringen.
Es gibt in Paris allerdings auch unzählige Künstler, die nicht offensichtlich auf den Strassen selbst- oder nichtselbstgemalte Bildchen verscherbeln. Diese sind in den Ateliers in den Hinterhöfen oder am Stadtrand versteckt und gehören definitiv zu der seriöseren Gattung der Künstler. Am Stadtrand sind für Pariser Verhältnisse die Mieten für die Ateliers wenigstens noch einigermassen erträglich.
Einer dieser französischen Atelierkünstler, der von der Stadt an der Seine so beeindruckt und beeinflusst ist, dass er neben Stilleben meist nur ein Thema hat, nämlich seine Stadt Paris, ist Dominique Desmé. Er ist jemand, der für seine Kunst lebt, ohne nach dem grossen Ruhm zu hetzen und der lieber auf seine Art und Weise in alter Schule seine Bilder malt. Ohne darauf zu achten, dass die zeitgenössische Kunst auf ganz andere Malstile fixiert ist.
Der modernen Welt entzieht sich Dominique Desmé jedoch nicht gänzlich. Auch er hat den blog für sich entdeckt und veröffentlicht regelmässig posts zu seiner Kunst und seinem Arbeiten im Atelier. Über www.creat-on.over-blog.com bleibt man somit bei ihm künstlerisch immer auf dem Laufenden.
Schöne neue und kreative Welt des Bloggens.

Dienstag, 27. Mai 2008

Die Schale der Fontäne

So in etwa kann man wohl L'Ecaille de la Fontaine übersetzen.
Was verbirgt sich hinter diesen charmanten Worten? Das zweite Restaurant von Gérard Depardieu, das wie das La Fontaine Gaillon sich am Place Gaillon in Paris befindet und sich auf zwei Etagen erstreckt.
Und man kann es sich bei diesem Namen fast denken: es ist auf Austern- und Muschelspeisen spezialisiert und bietet dem bereitwilligen Gast in einem in roten Tönen modern gestalteten Restaurant leichte französische Meeresküche.
Anstatt profanem Brot werden dem entweder an der Theke oder an kleinen Tischen sitzenden Gast in hübschen weissen Schälchen Schnecken als Appetithappen serviert. Wunderbare Idee!
Während der Gast noch in den einzelnen Schnecken herumstochert (sie sind wirklich hervorragend und unglaublich lecker!) wird das bestellte Essen vorbereitet.
Zwar werden absolut delikate Austern und andere Muschelspeisen angeboten, aber sich an die Regel haltend, dass man nur in den Monaten, in deren Namen ein R enthalten ist (also September bis April) Austern, etc. essen sollte, wird ein wunderbares Lachstartar serviert. Das hervorragend gewürzte Tartar ist mit der dazugereichten nicht näher zu beschreibenden Quark/Sahne/Creme/Sauce eine göttliche Speise, die gerade zur Mittagszeit vom Magen dankbar aufgenommen wird ohne ihn über Maßen zu strapazieren.
Als Dessert wird ein leichtes Millefeuille aus Erdbeeren wärmstens empfohlen. Das wird allerdings nicht in der Küche des L'Ecaille de la Fontaine gezaubert, sondern wird flinken Fusses kurz mal über den Platz vom La Fontaine Gaillon gebracht. Zusammen mit dem Beereneis ist das Törtchen mit der Puddingfüllung eine zwar leichte, aber nicht minder kalorienhaltige Nahrung, die mit dem grössten Vergnügen bis auf den letzten Löffel genossen wird. So gestärkt kann's dank Monsieur Depardieu in den Pariser Nachmittag gehen!

L'Ecaille de la Fontaine
15, rue Gaillon
75002 Paris

Montag, 26. Mai 2008

Das Rouge Gorge im Saint-Paul village

Paris ist immer wieder für kleine kulinarische Entdeckungen gut.
Weniger eine neue Entdeckung mehr eine altbewährte, kleine versteckte Institution ist die Weinbar "Le Rouge Gorge". Wie eine kleine provencalische Taverne liegt das kleine Weinrestaurant in der Rue Saint-Paul beim Trendviertel Marais im Village Saint-Paul versteckt. Das Saint-Paul village glänzt durch zahlreiche kleinere Kunstgalerien und Antiquitätengeschäfte, die über die vielen Innenhöfe miteinander verbunden und verteilt sind.
Gegenüber einem Antikhaushaltswaren bzw. Gemischtwarenladen und unzähligen Galerien wird Le Rouge Gorge familiär betrieben und bietet schwerpunktmässig korsische und provencalische Weine an. Das Essen ist dann weniger korsisch, aber sehr herzhaft und lecker.
Auf einer Schiefertafel wird täglich das Menue aktualisiert. Eine Karte gibt es nicht, der Gast wählt sein Essen und den Wein von der Schiefertafel.
Zu einem Fricassé de St. Jacques, boudin noir et granny en compote wurde ein korsischer Wein gebracht.

AOC Corse
Domaine de Musoleu 2007


Zusammen mit dem Muschelfrikassee, der Blutwurst und dem Apfelkompott war der korsische weisse Wein eine angenehme Ergänzung, der den deftigen Geschmack der Blutwurst abmilderte. Er hinterliess zwar keine umwerfende bleibende Erinnerungen, fiel aber auch nicht negativ auf.
Der danach als Dessert gereichte korsische Muscat von der Domaine Cordoliani war dagegen überraschend spannend.

AOC Corse
Domaine Cordoliani
Perla d'Oru 2006

Im Glas glänzte er zwar farblich nur blässlich gelb, in der Nase erinnerte er dann an reife Nektarinen, Äpfel, Birnen und Birkensaft.
Am Gaumen war er süsslich und schmeckte ein wenig nach Lycheesirup ohne jedoch klebrig süss zu sein. Der Abgang war leicht und klar ohne an Intensität zu verlieren.

Ein Abend im Le Rouge Gorge bietet sich unbedingt an, wenn man in beschaulicher und familiärer Atmosphäre einen romantischen Abend mit gescheitem Essen und vernünftigen ungewöhnlichen Weinen verbringen möchte. Anschliessend ist ein Sparziergang durch die engen, einsamen Gassen des Saint-Paul village fast obligatorisch, um den wunderbaren Abend bei Rouge Gorge Revue passieren und ausklingen zu lassen.
Definitiv ein Muss für alle, die in Paris ein kleines familiäres Restaurant suchen, in dem man sich auf Anhieb aufgrund des herzlichen Services äusserst wohl fühlt.

Le Rouge Gorge
Bar à vins
8, rue Saint-Paul
75004 Paris

Sonntag, 25. Mai 2008

Jan Fabre im Pariser Louvre

Der Louvre ist nicht erst seit Dan Browns Bestseller Sakrileg einer der Top-Sehenswürdigkeiten von Paris. Das weltberühmte Museum konnte sich auch schon davor nicht über mangelnden Besucherandrang beklagen.
Und dennoch ruht sich die Museumsleitung nicht auf den Lorbeeren aus, sondern versucht das Museum immer wieder up to date zu halten.
Nicht nur, dass die geheimnisvolle Mona Lisa immer wieder mal in andere Räume verfrachtet wird, auch die Technik der Audioguides wird immer wieder dank grosszügiger, netter Sponsoren auf den neuesten technischen Stand gebracht. So kann man mit dem Touchscreen-Audioguide Informationen zu einzelnen Kunstwerken abrufen, findet relativ schnell heraus, "wo" man sich im Palast verirrt hat oder kann auch vorgegebenen thematisch sortierten Louvrerouten folgen.
Das ist jedoch noch nicht alles. Denn neben den historischen und kostbaren Räumlichkeiten des Palastes zeigt das Museum orientalische, ägyptische, griechische, etruskische und römischen Altertümer, alte Gemälde, Graphiken, Skulpturen und Kunsthandwerk.
Bisher hatte sich der Louvre darauf beschränkt, alte Kunstwerke zu zeigen. Nun öffnet sich das Museum peu à peu auch der zeitgenössischen Kunst und gewinnt damit auch neue Besucher, die mit den alten Meistern oder den griechischen und römischen Statuen nichts am Hut haben.
Mit grossem Geschick, passend und sehr dezent sind die Werke des Belgiers Jan Fabre im Rahmen der Ausstellung L'Ange de la Métamorphose, seit dem 11. April 2008 dem Publikum zugänglich, in die Räumlichkeiten der flämischen, deutschen und holländischen Gemäldeabteilung integriert worden.
Neben dem Metsys Bild "Der Geldwechsler und seine Frau", sind Bilder zum gleichen Thema von Fabre aufgehängt worden. Zwischendurch sind zum Abendmahl, Rubensgemälden oder ähnlichen Kunstwerken aufgebahrte Totenfiguren, ein goldenes Kalb, phosphoriszierende Betten und Särge, Vögelchen oder auch mal Figuren in weissen Kutten, die wohl aus Brotstücken hergestellt worden sind, platziert.
Das wohl beeindruckendste und grösste Kunstwerk Fabres findet man im Rubenssaal. Dort ist neben den riesigen Rubensbildern eine Art Friedhof konzipiert worden, auf dem Grabsteine, z.T. mit Namen von verstorbenen oder noch nicht gestorbenen Personen, kreuz und quer drapiert wurden. Aus diesem Grabsteinwirrwarr heraus kraucht ein überdimensional riesiger, leicht behaarter, hautfarbener Wurm mit einem menschlichen Kopf heraus, der stöhnende Laute von sich gibt. Sehr gruselig.
Das Beeindruckendste an der Ausstellung ist, dass man gerade die alten Meister durch die parallel aufgestellten Fabre-Kunstwerke aus einem ganz neuen und erfrischenden Blickwinkel betrachtet. Frei nach dem Motto: Aus Alt mach' Neu!
Noch bis zum 7.7.2008 kann diese erstaunliche Symbiose und Metamorphose zwischen alter und zeitgenössischer Kunst im Louvre offenen Geistes betrachtet werden.

Musée du Louvre
Jan Fabre
"L'Ange de la Métamorphose"
Bis zum 7. Juli 2008

Samstag, 24. Mai 2008

La Fontaine Gaillon

Mittlerweile ist allseits bekannt, dass Schauspieler sich ihre Brötchen nicht nur mit Theater, Film und Fernsehen verdienen, sondern sich auch als Winzer und Gastronomen verdingen.
Der wohl bekannteste dieser Gattung ist der französische Schauspieler Gérard Depardieu, der sich sowohl als Winzer als auch als Besitzer zweier Restaurants in Paris einen Namen gemacht hat.
Das L'Ecaille de la Fontaine ist die Bistro-Variante des La Fontaine Gaillon. Beide Restaurants liegen - wie könnte es anders sein - am Place Gaillon in der Nähe des Opernhauses.
Das La Fontaine Gaillon liegt wunderbar an einer Ecke und ist von dem Strassenverkehr durch grüne Planzen abgeschottet. Auf diese Art und Weise separiert wird das Lunchen an der sonst stark frequentierten Ecke ein erholsames Ereignis. Obwohl das La Fontaine Gaillon bei der Michelinsternvergabe nicht berücksichtigt wurde, ist sowohl die Qualität des Essens, die Restaurantausstattung, aber leider auch das Preisniveau sterneentsprechend.
Regen Zulauf hat das Restaurant insbesondere zur Mittagszeit, da sämtliche - hauptsächlich männliche - Geschäftsleute sich aus der Umgebung hier versammeln, um in entspannter Atmosphäre weiter Businessgespräche zu führen. Bevorzugt bestellt wird dann das Mittagsmenue, das aus drei Gängen besteht.

Zur Vorspeise bzw. davor kann man einen wunderbaren Kir Vin Blanc Cassis bestellen, der farblich rötlich intensiv das Auge erfreut und den Gaumen erfrischt. Er sticht zwar nicht durch eine umwerfende Aromatik hervor, ist aber mehr als anständig und passt auch unerwarteterweise - und das nicht nur farblich - gut zum bestellten Carpaccio de saumon frais.
Manch einer könnte sich eventuell daran stören, dass der Lachs in Öl nur so schwimmt, aber zusammen mit den darauf gestreuten Salzstückchen schmeckte die Vorspeise lecker. Es ist zwar nichts herausragend besonderes, aber zur Mittagszeit definitiv eine angenehme Speise, die den Körper nicht zu sehr belastet.

Als Hauptgang kam dann ein Joue de Boeuf aux carottes caramélisez. Auf den ersten Blick kamen einem unangenehme Kantinen - Essenserinnerungen à la Gulasch mit Karotten in brauner Sauce hoch. Aber diese Gedanken waren schnell beim herzhaften Zerteilen des Fleisches verflogen. Das Fleisch war unglaublich zart und zerschmolz nahezu auf der Zunge. Die Karotten waren bissfest und trotz des Karamellisierens nicht zu süss. Allein die "braune" Sauce war undefinierbar. Als "Beilage" wurde ein leckerer und zarter Kartoffelbrei separat in einer kleinen Schüssel gereicht. Als passender Wein wurde ein Bordeaux empfohlen.

Bordeaux
Château Coustolle
Fronsac 2002

Der Fronsac besteht aus 70 % Merlot und 30 % Cabernet Franc. Farblich ist der Bordeaux schwarzrot im Glas. In der Nase ist er rauchig mit einem Hauch Vanille, Nelken, reifen Himbeeren und einem sonstigen Divertisment an Blumen. Am Gaumen ist der Fronsac dann sehr tanninreich und vermittelte das Aroma von sauren Johannisbeeren. Auf der Zunge hinterliess er einen pelzigen Belag.
Ohne Essen wäre der Wein etwas zu anstrengend, aber mit dem herzhaften Fleisch fand der Wein seine perfekte Ergänzung, so dass die herben Tannine sich am Gaumen beruhigten und eine harmonische Ehe eingingen.

Als Dessert wurde ein Fondant aux chocolat chaud serviert. Auf den ersten Blick unspektakulär erweist sich das Schokoladendessert beim ersten Happen als göttlich. Kaum hat man die knusprige Kruste des Schokoladentörtchens zerteilt, fliesst die erwärmte Schokolade heraus und verströmt einen herrlichen leichten Schokoladengeruch.
Hierzu passte der kleine schwarze Kaffee exzellent und rundete das üppige Mittagessen mit dazu gereichten kleinen Schweineöhrchen und Macarons aufs Beste ab.

Allein bedauerlich war, dass es nicht die Möglichkeit gab, Depardieus Weine glasweise zu bestellen. Aber vielleicht war das auch besser so, wenn man sich manch' eine Depardieu-Weinverkostung in Erinnerung ruft! So war der Essensgenuss wenigstens ungetrübt.

La Fontaine Gaillon
Place Gaillon
75002 Paris
www.la-fontaine-gaillon.com
open: Mo -Fr.

Freitag, 23. Mai 2008

Glacier Berthillon

Wie fast ganz Nordeuropa profitiert auch Paris momentan von dem warmen Maiwetter. Die Sonne scheint, es ist nicht zu heiss und die ganze Welt strömt zu den Sehenswürdigkeiten und Parks der französischen Hauptstadt.
Auf der wunderschönen Insel Île Saint-Louis ist nach langen Spaziergängen im Trendviertel Marais und St. Paul eine Erholungspause erforderlich. Hierzu bietet sich ein kleines Café mit dem Namen Berthillon idealerweise an. Hier wird traditionsgemäss vom Glacier Eis produziert und verkauft.
Man kann sowohl im Le salon du thé sitzen und sein Eis oder andere Köstlichkeiten g
eniessen oder sich auch im Ausser-Haus-Verkauf seine Kugeln Eis auf die Hand geben und weiter an der Seine schlendern und seine Tüte schlecken. Vor eine schwerwiegende Entscheidung wird allerdings der Kunde gestellt, wenn ihm bewusst wird, wieviele unterschiedliche Eissorten im Angbot sind. Aus mehr als 36 verschiedenen Sorten hat man dann die Qual der Wahl. Am liebsten würde man alle gerne probieren.
Faszinierend war das Zitronenpralineneis und das Karamelleis, das aus salziger Butter hergestellt wird. Der Kontrast zwischen dem Süssen und dem Salzigen war sehr spannend.
So gestärkt kann man die unzähligen wunderbaren und versteckten Ecken von Paris weiter entdecken.

Berthillon
29-31, rue St-Louis en l'
Île
75004 Paris

Donnerstag, 22. Mai 2008

Die zwei Sterne des Pariser L'Atelier de Joёl Robuchon

Die französische Küche geniesst weltweit einen hervorragenden Ruf. Ob das tatsächlich so gerechtfertigt ist, mag dahinstehen.
Wenn man nach den Michelin-Sternen gehen würde, müsste Paris daher wohl die Gourmet-Stadt schlechthin sein. Immerhin beherbergt im Jahr 2008 die wunderschöne Stadt an der Seine 9 Drei-Sterne-Restaurants, 15 Zwei-Sterne-Restaurants und 38 Ein-Sterne-Restaurants.
Den Sprung von einem Stern zu einem zweiten Michelinstern hat dieses Jahr als einziges Pariser Restaurant das L'Atelier de Joёl Robuchon geschafft.
In einer wunderschönen Gegend gelegen - nicht weit von der Metro-Station Rue du Bac - ist das L'Atelier de Joёl Robuchon ein stylisches und überhaupt nicht typisches Sternerestaurant. Von der schwarz-roten Einrichtung und den Sitzmöglichkeiten erinnert es eher an eine äusserst elegante Sushibar. Die Gäste sitzen nämlich nicht an Tischen, sondern sind zum Teil rund um die "Küche" an Tresen und auf Hockern plaziert. So kann man wunderbar den Köchen und der Bedienung bei den Vorbereitungen zuschauen.
Die Menuekarte ist dann aber überhaupt nicht asiatisch, sondern sehr französisch. Neben dem klassischen Menue, besteht im L'Atelier auch die Möglichkeit, kleinere Degustationsspeisen zu bestellen, um so eine grosse Vielfalt an Kochkünsten geboten zu bekommen.
Zwei bis drei Degustationsgänge entsprechen etwa einem normalen Gang.

1. Degustationsgang
Zum LE FOIE GRAS (frais de canard cuit au torchon) wurde vom Sommelier ein Glas Clos Uroulat empfohlen. Dieser Wein besteht zu 100 % aus der Rebsorte Petit Manseng.
Besonders sympathisch ist, dass die Tochter Marie des Winzers Charles Hours, den blog Le blog de Marie/Uroulat hegt und pflegt.

AOC Jurancon
Charles Hours
Clos Uroulat 2006


Farblich glänzte dieser Dessertwein im Glas kräftig goldfarben.
In der Nase war der Uroulat dann ziemlich komplex. Viel Karamell, Lychee, mit Rohrzucker gesüsste Butter, Mango und Pfirsich spielten geruchstechnisch eine Rolle.
Am Gaumen war der Wein unglaublich rund und geschmeidig und erinnerte ein wenig an einen leichten eleganten Lycheesirup, der durch Säure nicht überladen schwer wirkte.
Im Abgang war der Uroulat dann angenehm lang und hinterließ einen Hauch Zitronengrassäure.
Zu der schweren Gänseleberpastete passte der Wein einfach exzellent, da das Foie Gras durch den Wein am Gaumen einfach nur zerschmolz.
Etwas enttäuschend war allerdings die Dekoration des Tellers. Denn eigentlich erwartet man, dass im L'Atelier alle Sinne angeregt werden, d.h. auch das Sehvermögen. Das flach geschnittene Foie Gras wurde allerdings einfach auf den unteren Teil des Tellers gelegt und oberhalb dessen wurde ein grosses Kreuz aus milden Salzkörnern gestreut. Ein wenig einfallslos, auch wenn die Sinne des Gaumens definitiv befriedigt wurden.

2. Degustationsgang
Als zweiter Gang kam dann das
L’AGNEAU DE LAIT
(en côtelettes à la fleur de thym) mit einem empfohlenen Glas Bergerac. Dieser Wein wird aus 50 % Merlot und 50% Cabernet Sauvignon gemacht.

A
OC Cotes de Bergerac
Château Tour des Gendres
La Gloire de mon Père, 2002

Von der Farbe war der Bergerac schwarzrot mit einem Lilastich.
In der Nase war der Wein dann hart und tanninreich. Herbe Cassistrauben mit einem etwas undefinierbaren Meeresgeruch nach Salz verwirrten ein wenig die Sinne. Später kamen noch Aromen, die an eine noch nicht reife Frucht oder grünes, knackiges Gemüse erinnerten. Eine passende Assoziation fehlte hierzu allerdings.
Am Gaumen fielen dann wieder als erstes die Tannine auf. Obwohl der Wein am Gaumen ziemlich komplex war, erschien er doch eher geschmeidiger und leichter.
Der Abgang war dann überraschend lang und hinterliess ein leichtes harmonisches Sauerkirscharoma am Gaumen.
Der Sommelier erklärte zuvor, dass der Bergerac weniger ein Alleingänger ist, sondern eher zu Speisen getrunken werden sollte.
Damit hatte er vollkommen recht. Denn mit dem Milchlämmchen, das mit einem Bund Thymian und weiteren Kräutern garniert war und dem sehr feinen Kartoffelpüree zeigte sich der Wein von seiner besten Seite. Die Tannine verschwanden vollkommen und der Wein ergänzte sich phänomenal mit dem Thymianlämmchen. Insbesondere die leicht säuerlichen Kräuteraromen gingen eine perfekte Alliance mit dem Bergerac ein.
Ein Genuss erster Klasse, der auch endlich den Augen was zu bieten hatte!

3. Gang
Und nun begann es langweilig zu werden. Der nächste Gang war eine Assiette de fromages de France. Die vier Weichkäsestücke waren simpel auf einem weissen Teller serviert worden. Alleine das dazugereichte pfiffig getoastete Brot war unglaublich lecker. Der empfohlene Cotes de Provence des Chateau Sarrins war für sich zwar in Ordnung, war aber in Ergänzung zu dem Käse nicht die beste Empfehlung.

Cotes de Provence
Château des Sarrins 2003

Der Wein wird aus Grenache, Syrah und Cabernet Sauvignon hergestellt.
Farblich ist er im Glas tief schwarzrot.
In die Nase wehte ein Hauch von dunklen Beeren.
Den Gaumen umspielten harmonische Tannine und beerige Aromen.
Der Abgang ist nicht weiter auffällig gewesen.
Mit dem Käse wurde der Wein allerdings langweilig und die Tannine verstärkten sich. Rätselhaft ist, warum gerade dieser Wein empfohlen wurde. Es gäbe sicherlich auch eine bessere Wahl.

4. Gang

Als krönender Abschluss wurde wärmstens das Dessert du jour (diesmal ein Kirsch-Soufflé) empfohlen.
Serviert wurde das Soufflé mit einem Cafe expresso, der war, wie er sein sollte: klein, schwarz und dickflüssig.
Das Soufflé war vom Geschmack her hervorragend: locker flockig und nicht zu süss. Allerdings störten die zahlreichen Kirschkerne den Genuss - auch wenn man zur Herausnahme der Kerne einen Hornlöffel benutzen konnte, der mit Goldfarbe bestreut war.
Das Auge spielte allerdings auch hier nur beschränkt mit. Die einfache runde Keramikschale stand auf einem goldenen Teller, der mit etwas undefinierbar Rötlichem bestreut war. Keine grossartig umwerfende Designidee.

Im Grossen und Ganzen kann man sagen, dass es ein wunderbarer Abend war, auch wenn das Fooddesign zum grossen Teil nicht betörend genial war. Vom Geschmack her gab's definitv keine Einwände, auch wenn die Weinempfehlung zum Käse nicht die Beste war.
Die Idee der Degustationsgänge ist allerdings mehr als genial. Denn so kann man die Kochkunst des Joёl Robuchon umfassend erfassen und geniessen.

L'Atelier de Joёl Robuchon
5, rue de Montalembert
75007 Paris
http://www.joel-robuchon.com
Open on sunday!