Die
Weinrallye # 10, die diesmal von Christoph Raffelt vom blog
originalverkorkt ausgerichtet wird, widmet sich einem besonderem Thema: der Rebsorte
Chenin blanc!
Jeder kennt sie vom Namen und von den niederen Supermarktregalen her. Aber was steckt tatsächlich hinter dieser Sorte und dem daraus fabrizierten Wein? Ein billiges und süsses Gesöff oder ein edler Tropfen?
Wie bei allen Weinen kommt es wohl auch hier auf den Produzenten an, ob der Wein einen bleibenden positiven Eindruck hinterlassen wird.
Obwohl mittlerweile Südafrika wohl zu den
weltweit grössten Produzenten von Chenin blanc gehört, steht diese klassische Weisswein-Traube immer noch für die Weinbauregion des Loiretals in Frankreich.
Im letzten
Feinschmecker-Magazin wurden daher in einer "Verkostung" die Loire-Weine den südafrikanischen Kollegen gegenübergestellt und getestet.
Dieser Paarvergleich ist zwar sehr reizend, aber um die Traube tatsächlich besser kennenzulernen, empfiehlt es sich wohl eher sich mit den Weinen einer Region zu beschäftigen. Ergo wird gleich der
Händler des Vertrauens aufgesucht und beratend um Mithilfe gebeten. Das Ergebnis ist, daß man gut beraten mit drei unterschiedlichen Chenin blanc Weinen von der Loire versorgt wird und nun vor der Frage steht, was man damit anfängt.
Der Gewohnheit entsprechend wird ein kleines 4-Gänge Menu ausgetüfftelt, daß anhand der äußerst hilfreichen Angaben von
Interprofession des Vins du Val de Loire, absolut simpel, äusserst delikat und vor allem unterschiedlich perfekt zu den drei Weinen passte.
II. Der Wein Vorab ist zu sagen, daß alle drei Weine grundlegend verschieden sind.
1. Domaine HuetDer leichteste und auch jüngste Wein war ein Chenin blanc aus der
Appellation Vouvray von
Domaine Gaston HuetVouvray Le Haut-Lieu
sec 2005
13 % vol.
Farblich war der Wein im Glas blass hellgelb mit leichten grünlichen Reflexen.
In die
Nase wehte dann ein äusserst frischer und angenehm mineralischer Duft von Karamell, grünem Apfel und Nektarine.
Am
Gaumen war der Chenin blanc dann wunderbar rund und ausgewogen mit einem Hauch buttriger Note, auch wenn er eine leichte Limettensäure im langen
Abgang hatte. Zum Schluss hatte man einen nicht unangenehmen Nachhall von Zitronen-Brausepulver. Genau das Pulver, welches man in der frühen Kindheit gerne mal "roh" aus der Tüte mit dem Finger geschleckt hat.
2. Domaine de la Taille aux LoupsDer zweite Wein, der aus der
Appellation Montlouis stammt, die gegenüber von der Appellation Vouvray auf der anderen Seite des Flusses Loire liegt, war dann der absolute Gegensatz zu dem ersten Chenin blanc:
Jacky BlotDomaine de la Taille aux Loups
Montlouis sur Loire
moelleux 2003
13 % vol.

Bei diesem süssen Chenin blanc fiel beim Einschenken sofort der perlende Charakter und die intensivere goldgelbe
Färbung auf.
In der
Nase erinnerte der Wein primär an Litchi, Trockenfrüchte und Honig mit einem Hauch einer Petrolnote.
Am
Gaumen dominierte dann eine mit einer Petrolnote gemixte süsse Säure, die nicht ganz harmonisch wirkte. Auch bei einem wiederholten Probieren war unklar, ob der Wein "so sein soll", oder ob er demnächst kippt. Das würde aber verwundern, weil der Wein noch relativ jung ist. Daher ist wohl eher davon auszugehen, dass der Wein so sein soll.
Der
Abgang war dann relativ lang, auch wenn eine etwas stärkere alkoholische Note im Abgang verwunderte.
3. Domaine Jo PithonDer dritte Verkostungskandidat kam aus der
Appellation Coteaux du Layon, die zwischend Neuil und Chalonnes am Fluss Layon liegt und ein Cuvée aus den Chenin blanc Trauben der Dörfer Rochefort, Beaulieu, St-Aubin und St-Lambert ist:
Domaine Jo PithonCoteaux du Layon
Les 4 Villages 2002
12,8 % vol.

Dieser Chenin blanc erstrahlte im Glas in einer mehr kräftigen goldenen als gelben
Farbe. Wunderschön!
In der
Nase dominierte eine Petrolnote mit Honig, Walnüssen und Trockenfrüchten gemixt.
Am
Gaumen explodierte der Wein förmlich in verschiedene Bestandteile: Karamell, butter toffee, Pfirsich und Trockenfrüchte wie Aprikose.
Der
Abgang war dann extrem lang, harmonisch und nussig.
Schlussendlich war dieser Wein aufgrund seiner Komplexität, Harmonie und Ausgewogenheit der absolute Favorit dieser Verkostung.
III. Foodmatching 1. Erster GangZum Einstieg gab es mit Knoblauch angemachte
Meeresfrüchte.
Hierzu passte interessanterweise der leicht moussierende Jacky Blot aus der Appellation Montlouis am besten. Die etwas unangenehme Säure verschwand und bildete einen angenehme Symbiose mit dem Assortiment an Meeresfrüchten.
Auf den Platz zwei kamen die Weine Pithon und der Huet. In Kombination mit dem Pithon wurde der Wein am Gaumen etwas alkoholischer. Nicht unangenehm stark, aber auffällig genug.
Der jüngere Huet verlor mit den Meeresfrüchten zusammen etwas an Eleganz und Charakter.
2. Zweiter GangAls zweites kam ein asiatisches Gericht auf den Tisch:
Nudeln mit Garnelen und Spargel.
Bei diesem Essen schnitt definitiv der Pithon am besten ab! Jeder einzelne Bissen und Schluck zusammen, entlockte ein Hhmmm....Ahhh...noch mehr!! Göttlich! Die mit Sojasauce und Frühlingszwiebeln gewürzten Nudeln mit dem Spargel und den Garnelen ergänzten perfekt das runde und volle Aroma des 4-Dörfler Pithon. Keiner von beiden spielte sich in den Vordergrund, aber sowohl das einfache Essen als auch der Wein präsentierten sich im besten Schein!
Auf Platz 2 kam der Huet-Wein aus dem Vouvray. Die Säure milderte sich und passte sich hervorragend den Garnelen und dem Rest an.
Auf den letzten Platz kam dann der Wein aus Montlouis. Der überzeugte nicht mit den Nudeln, da die Säure mit der Petroleumnote zu stark dominierte und sich ein wenig mit dem Gericht biss.
3. Das DessertAls süsser und fruchtiger Gang musste ein
Orangen-Trifle den Chenin blanc Weinen standhalten. Durch die Zimt und Kardamommischung hatte das Dessert eine arabisch-asiatische Note, die wieder wider Erwarten mit dem Jacky Blot Wein am besten harmonierte. Die süsse Säure des Weins harmonierte wunderbar mit den Orangen und dem Frischkäse.
Der Pithon-Wein passte zwar hervorragend zum Dessert, aber in der Kombination erschien der Wein nicht mehr ganz so harmonisch, sondern hatte eine leichte Alkoholnote.
Der Haut-Lieu verschwand ganz hinter dem wuchtigen Trifle, so dass der Vouvray auf Platz drei landete.
4. Der AbschlussZum Finale gab's dann drei verschiedene Ziegenkäse: ein Käse in Aprikosenhülle - Le Chèverfeuille aus Nontron, ein milder Naturziegenkäse Picandou Périgord und ein Ziegenkäse in Asche.
Zum Aprikosenkäse harmonierten eindeutig der Blot und der Pithon Chenin blanc am besten. Vermutlich, weil sie selber diese fruchtigen Trockenfrüchtearomen hatten.
Zum Périgord Ziegenkäse passten ebenfalls die starken und wuchtigeren Pithon und Blot Weine bestens. Der Huet verlor sich ein wenig.
Dagegen ging definitiv der Huet aus dem Vouvray beim Asche-Ziegenkäse als Sieger hervor.
IV. ResultatObwohl der Blot-Wein in der ersten Verkostung nicht als Highlight hervorging, passte er sich wider Erwarten wunderbar den Meeresfrüchten, dem Orangen-Trifle und dem Ziegenkäse an.
Der Pithon-Wein war definitiv die Überraschung des Abends, da der süsse Chenin blanc unglaublich aromatisch, vielfältig und anpassungsfähig war. Er ist sowohl als Solist als auch im Orchester mit Speisen absolut spitze.
Der Huet-Wein aus dem Vouvray war dann entgegen der Erwartung sehr individualistisch und harmonierte nicht mit allen Speisen.
Schlussendlich kann man festhalten, dass keiner der drei getesteten Weine in die Kategorie Massenwein, sondern eher zu den Kultweinen gehörte.
Der Chenin blanc gehört damit definitiv zu einer Rebsorte, die auf vielfältige Weise und sowohl in der trockenen als auch in der süssen Variante überzeugt. Und auch hier kommt es daher wieder einmal auf den Boden, wo die Traube wächst und das Können des Produzenten bzw. Winzers an, welchen göttlichen Rebensaft man aus dem Rohprodukt herstellen kann und ob daraus ein Massenwein oder Kultwein werden soll.