Mittwoch, 31. Oktober 2007

Mariage frères und Ladurée in Berlin

Berlin ist um zwei wunderbare Luxusmarken reicher geworden:
Mariage frères und Ladurée!

In der Galeries Lafayette in Berlin kann man seit kurzem die exklusiven und feinen Teesorten des Pariser Teehauses Mariage frères erwerben. Zwar hat der Stand im Lafayette nicht unbedingt den extravaganten und urigen Charme des Teehauses im Marais-Viertel. Aber das tut der Freude, endlich die wunderbaren Teesorten auch in Berlin kaufen zu können, keinen Abbruch.
Die Familie Mariage handelt schon seit Jahrhunderten mit Tee und legte besonderen Wert auf die hohe Qualität ihrer Produkte. 1854 gründeten die Brüder Henri und Edouard Mariage in der Rue Bourg-Tibourg in Paris die Mariage Frères tea company, nachdem ihre Vorfahren schon seit etwa 1660 Handel mit Produkten aus Persien, Ostindien und Madagascar betrieben.
Im Stammhaus in der Rue Bourg-Tibourg kann man seitdem die besten Teesorten und Teeaccessoires erwerben und im angeschlossenen Teemuseum die Geschichte des Tees nachvollziehen.
Ladurée hat in der Galeries Lafayette in Berlin gleich ein ganzes Café in mintgrüner Farbe eingerichtet. Hier kann man wunderbare Macaron Ladurée auf napoleonischen Stühlen sitzend genüsslich verschlingen. In diesen Genuss des 1862 in Paris gegründeten Teesalons kommt man ansonsten nur in Paris, London, Genf oder Monaco. Demnächst wohl dann auch in New York.
Was ist an diesen Makronen so besonders? In zwei zarte und knusprige Makronenscheiben ist eine göttliche, zartschmelzende Creme gefüllt. Die von mir probierten Makronen mit Roten Früchten, Rosenblätter, Zitrone, Vanille und Schokolade waren unbeschreiblich lecker und sind definitiv mehr als nur eine Sünde wert.

Galeries Lafayette
Friedrichstraße 76-78
10117 Berlin
www.lafayette-berlin.de

Mariage Frères
30 rue du Bourg-Tibourg
Paris 4e
Tel.: +33.(0)1.42722811
www.mariagefreres.com

Ladurée Royale
16, rue Royale
75008 Paris
Tel. +33.(0)1.42602179
www.laduree.fr

Dienstag, 30. Oktober 2007

Mallorquinischer Sió 2005 von Bodegues Ribas

Mallorca hat viel zu bieten. Meer, attraktive Landschaft, für manche auch den Ballermann und für wieder andere Puerto Andratx.
Aber es gibt auch den Weinanbau auf Mallorca. Und den nicht erst seit gestern.
Zu den alteingesessenen Winzern gehört die Familie Ribas, die nach eigenen Angaben seit 1711 Wein herstellt.
In der Mitte der Insel sind die Bodega und die 40 ha grossen Weinberge gelegen. Auf durchlässigen Stein- und Kiesböden mit lockerer und sandhaltiger Textur wachsen die weissen Reben Prensal Blanc, Chardonnay, Viognier, Chenin und Moscatel de grano menudo und die roten Sorten Mantonegro, Gargolassa, Callet, Garnacha, Cabernet Sauvignon, Syrah und Merlot.
Unvergesslich ist mir der Wein Sió geblieben, der in seiner 2005er Ausgabe 52 % Mantonegro, 18 % Syrah, 15 % Cabernet Sauvignon und 15 % Merlot enthält.
Ribas produziert wohl nur 5 Flaschenweine, wovon der Sió mitunter einer der Besten sein dürfte.
Die auf den Balearen vertretene autochtone Traube Mantonegro wird meist nur zum Verschnitt verwendet. Sie gibt den doch sehr aromatischen und voluminösen Trauben Cab. Sauv., Merlot und Syrah eine harmonische Balance. Der Mantonegro bringt ein wenig elegante Ruhe in die sonst vulkanartig geschmacklich am Gaumen explodierenden Trauben. 13 Monate wird der Sió in Barrique-Fässern aus französischer Eiche ausgebaut und nicht gefiltert.
Die 14 % Vol. sind wohl ausbalanciert.
Der Wein geht farblich ins dunkelviolett mit einem Hauch rotbraun.
Zu Beginn hatte ich das Problem, ihn olfaktorisch zuzuordnen. Nach mehrmaligem Riechen kamen säuerliche schwarze Johannisbeeren und waldbeerige Aromen zu Tage. Und das, obwohl ich Waldbeeren definitiv nicht mit Mallorca assoziiere.
Am Gaumen zeigte sich der Wein dann von seiner harmonischsten, fruchtigsten und dennoch trockenen Seite, wobei ich reife Süsskirschen herausschmeckte. Der Barrique-Ausbau macht sich durch einen leichten Vanille-Hauch am Gaumen bemerkbar.
Die Cuvée ist wegen seiner unaufdringlichen, trockenen und fruchtigen Eleganz ein ganz besonderer Wein. Es verwundert mich nicht, dass Robert Parker der 2004er Variante 90 P. gegeben hatte, so dass dieser Wein definitiv zu den balearischen Topweinen gehört.
Und für gerechtfertigte 16 € ist dieser Genuss auch in Deutschland in spanischen Weinfachhandlungen, wie z.B. bei Wein & Vinos, zu erhalten.
Zusammen mit spanisch-untypischer Pasta und in Knoblauch gegarten Garnelen konnte ich mir in Kooperation mit dem Wein das Mittelmeer direkt in heimische Gefilde holen.

myexperience4u bei Le Gourmand

Durch einen netten Zufall bin ich auf einen interessanten blog gestossen, der sich auf Artikel über Gastronomie, Hotels, Reisen, Wellness, food, etc. spezialisiert hat. Der Betreiber der Seite Le Gourmand Götz Primke bietet dem Blogleser als Restaurantfachmann, Dipl.-Betriebswirt und Journalist spannende, humorvolle, fundierte und musikalisch begleitete Artikel.
Und das Beste kommt noch....meine bescheidene Seite wurde auf Le Gourmand im blogroll gelistet. Vielen Dank für die Blumen!

Stoddens Spätburgunder im L&W

Die Wahl eines trockenen Spätburgunders zu einem Wiener Schnitzel kann nicht unbedingt als klassisch bezeichnet werden.
Die Frage, ob nun der Wein eine passende Ergänzung zum Schnitzel darstellt, oder umgekehrt das Schnitzel den Wein verfeinert, werde ich nicht beantworten. Fest steht, dass sowohl das - wie immer - phantastische Schnitzel vom Lutter & Wegner wie auch der Spätburgunder Qualitätswein von 2005 von Jean Stodden (Ahr) perfekt miteinander als auch nebeneinander harmonieren.
Der Wein ging farblich fast ins dunkle Rosé hinein...und das obwohl man in der Weinstube bei Dämmerlicht und Kerzenschein saß und alles geheimnisvoll dunkler aussah.
In der Nase erinnerte der Spätburgunder an Pflaumen und spätreife Kirschen.
Am Gaumen dann eine trockene Explosion....besser wohl eine Implosion: Brombeere und Blaubeere und im Abgang einen Minihauch Anis.
Die 13% vol. fielen nicht unangenehm auf.
Im Gegensatz zu dem von mir letztens verkosteten Cuvée Jeanne der JS-Linie von Stodden, fiel die Trockenheit des Weines extrem auf. Vermutlich lag es daran, dass es eben ein reinsortiger Spätburgunder und kein Verschnitt war.
Während der Cuvée mehr Eleganz und Fruchtigkeit besass, ist der Spätburgunder ein eher erdverbundener und herber Wein.
Eine Wertung, ob der eine besser war als der andere, ist schier unmöglich. Während der Cuvée zu dem einen Anlass besser passen könnte, wäre er vielleicht zu einem anderen vollkommen verfehlt. Genauso ist es eben auch mit dem Spätburgunder. Beiden gleich ist aber, dass sie auf ihre Art und Weise spitze sind.

Montag, 29. Oktober 2007

Checkpoints Valmontone

Im Umkreis vom Checkpoint Charlie in Berlin gibt es eine Vielzahl von Restaurants, die mehr oder weniger gut oder schlecht sind.
Direkt mit Blick auf den ehemaligen Grenzübergang ist das italienische Restaurant Valmontone gelegen.
In zwei grossen - auf italienische Art - hell erleuchteten Räumen, kann man an einer Vielzahl von Tischen sitzen und die vorbeigehenden Spaziergänger, Touristen und Geschäftsleute beobachten. Ideal ist das Restaurant für die Mittagszeit, wenn die Geschäftsleute aus den Büros rechts und links lunchen, oder wenn man in einer grösseren Gruppe unterwegs ist. Für ein Tête-à-tête ist das Restaurant weniger ideal, das es wenig Intimität bietet.
Der Service ist aber sehr nett und zuvorkommend, jedoch nicht der schnellste. Das macht aber wenig aus, wenn man nicht unter Zeitdruck steht.
Weitere Überraschungen bietet das Valmontone aber nicht. Die Liste der angebotenen Weine ist ausgewogen und mehr als fair und bietet sowohl hochpreisige als auch vernünftige und bezahlbare Weine an. Der offene Chianti-Hauswein war sauber und fruchtig, ohne überladend ins Süssliche und Marmeladige überzugehen.
Auch das Essen ist so kalkukiert, dass auch der schmalere Geldbeutel auf sein Genusskosten kommt. Neben den grossen Pizzen, die wohl im Steinofen gebacken werden und mit 5,50 € aufwärts veranschlagt werden, kann man auch kleine italienische Köstlichkeiten verdrücken. Die drei nett angerichteten Bruschetta (geröstetes Brot bedeckt mit Tomate in Öl und Knoblauch) kann man schon für 2,50 € bestellen und schmecken sehr gut.
Inwieweit das Restaurant zu empfehlen ist, bin ich mir noch unschlüssig. Es ist definitiv nicht schlecht, das Essen ist gut, der Wein ist gut und der Service ist sehr nett.
Aber aufgrund der Restauranteinrichtung und der sonst fehlenden Highlights wird es vermutlich nicht zu den Restaurants gehören, die einem sofort einfallen würden, wenn man einen unvergesslichen Abend verbringen möchte.

Valmontone
Friedrichstraße 50
10117 Berlin
Tel. +49.(0)30.22002281
www.valmontone.de

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Geister im Hause der Familie Trueba

Vor 15 Jahren habe ich Das Geisterhaus von Isabel Allende das erste Mal gelesen. Seitdem lag es in meinem Schrank und wurde hin und wieder interessierten Freunden ausgeliehen.
Nachdem ich vergeblich versucht hatte, mich wieder an die Geschichte zu erinnern, beschloss ich das Buch nochmal zu lesen.
Überraschenderweise las es sich so, als ob ich es das erste Mal in der Hand halten würde. Alles war wieder unbekannt und spannend!
Die Geschichte des Senators Esteban Trueba und seinen Frauen ist eine wunderbare Familiensaga, die sich über mehrere Generationen hinzieht. Die verschiedenen politischen Regierungssysteme wie die Demokratie, Militärdiktatur und der Sozialismus berühren das Leben dieser Familie mit einer Intensität, die sogar vor dem Tod nicht halt macht. Schillernde Persönlichkeiten wie Pinochet, Salvador Allende und Pablo Neruda finden ungenannt Gestalt in einigen tragenden Personen. Weitere chilenische Persönlichkeiten sind in diesem Buch bestimmt zu finden. Mangels eigener unzureichender Kenntnis chilenischer Geschichte, sind sie allerdings unerkannt geblieben.
Normalerweise reicht eine Liebesgeschichte für einen Roman. Nicht jedoch bei Isabel Allende. Nicht nur, dass über drei Generationen die Liebesbeziehungen der Familie Trueba geschildert werden, auch in einer Generation häufen sich die Liebesverwicklungen. Über allem steht jedoch die Liebe des Senators Trueba zu seiner Frau Clara, die mit den Geistern und Toten kommunizierte, vorhersagte und Gegenstände - mit Vorliebe einen dreibeinigen Tisch - durch die Gegend wandern liess. Diese übernatürlichen Fähigkeiten faszinierten und schreckten Trueba. In seinem Ehrgeiz seine Frau ganz für sich zu haben, ging er soweit, dass sich Clara entschloss kein Wort mehr mit ihm zu reden. Die zärtliche Liebe, die er weder seiner Frau noch seinen Kindern entgegenbringen konnte, nahm sich seine Enkelin Alba ganz selbstverständlich. Für sie warf er schlussendlich seine gefestigten politischen Ansichten und seinen Hass gegenüber dem Vater seiner Enkelin über Bord. Er wurde zu dem liebevollen Grossvater, der er immer im Herzen sein wollte.

Schwarzsauer

Entgegen dem Ruf Berlins, dass hier nur so das Nachtleben tobt, muss man in der Stadt die Orte gut kennen, in denen man auch mal während der Woche etwas länger Freunde treffen kann. Ohne, dass man in einen Club gehen muss.
Eine derartige location ist das Schwarzsauer in der Kastanienallee. Während alle gastronomischen Läden rundherum schliessen, kann man im Schwarzsauer bis in den Morgen sitzen oder stehen. Und anschliessend auch noch nett frühstücken.
Hinter dem riesigen Tresen haben zwei Damen den Laden voll im Griff und haben auch nicht die Hemmung, hin und wieder die an dem Tresen installierte Stange zu nutzen, um vom Tresen wieder auf den Boden der Tatsachen zu springen. Fast fühlt man sich an den Film "Coyote Ugly" erinnert. Aber auch nur fast, da es in Berlin dann doch ein wenig ruhiger zugeht und der Besucher glücklich ist, wenn er sein Bier oder seinen Drink in der Hand hat. Wahrscheinlich liegts auch an den riesigen Fenstern, durch die die Vorbeigehenden das Treiben im Laden beobachten können.

Schwarzsauer
Kastanienallee 13
10435 Berlin
Tel. +49(0)30.4485633

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Les Launes 2001 von Delas mit Poulet

1. WINE
Endlich musste die kleine Weinflasche
Les Launes 2001
Crozes-Hermitage
Delas Frères
geöffnet werden, die noch von einer vergangenen Rhone-Weinreise stammte. Zeit wurde es, bevor der Wein endgültig kippt.
Die Rebsorten für Les Launes ist in der Appelation Crozes-Hermitage gewachsen. Die Appelation von Crozes-Hermitage ist die grösste des nördlichen Rhone-Tals mit über 1000 ha Fläche.
Der Boden, auf dem die Reben im Norden stehen, besteht z.T. aus Granit, bedeckt mit Löß. Zu 90 % wird in der Appelation Crozes-Hermitages Rotwein angebaut. Die restlichen 10 % entfallen hauptsächlich auf die weissen Rebsorten Roussanne und Marsanne.
Les Launes ist ein Verschnitt aus beide Rebsorten, wobei 80 % Marsanne und 20 % auf Roussanne entfallen.
Insgesamt erreicht Les Launes 12,5 % vol. und hat im Glas eine intensive gold-gelbe Färbung.
In der Nase hat er schon leichtes Sherryaroma, was darauf hindeutet, dass der Wein demnächst vollständig kippt. Aber auch das für diesen Wein typische Lychee-Aroma und auch Zitronengrasaroma ist in der Nase sehr dominant.
Am Gaumen entwickelt der Wein, der nicht zu kalt sein darf, einen aromatigen karamel- und lycheeartigen, buttery Geschmack. Bei einer gewissen Wärme kommt auch das reife Mango- und Zitronenaroma zum Tragen.

2. FOOD
Perfekt passte der Wein zu Geflügel.
Ich entschied mich heute für ein Poule farci au basilic, also eine Hühnerbrust mit Basilikumfüllung, was sich schlussendlich als perfektes match zu dem Les Launes herausstellte.
Fein gemörsertes Basilikum habe ich zuerst mit ein paar Teelöffeln Olivenöl gemixt. Zwei Teelöffel dieser Mischung habe ich auf die weichgeklopften gesalzenen und gepfefferten Hühnerbrustfilets getan und diese dann eingerollt. Mit einem Zahnstocher zusammengehalten, habe ich dann das Ganze ca. 20 min auf kleiner Flamme in Öl gebraten.
Parallel habe ich fein geschnittenen Lauch gedünstet und mit Creme fraiche, Salz und Pfeffer und der restlichen Basilikummischung gemischt und verfeinert.
Bisschen umrühren, hübsch anrichten und ...geniessen!

3. RESULT
Die würzige Basilikumsauce mit der Hühnerbrust ergab einen wunderbaren Kontrapunkt zu dem karamelligen, buttery, fruchtigen Wein.
Im Ergebnis würde ich den Wein als hervorragenden Essensbegleiter bezeichnen. Der Wein wird sich in seinen feinen Nuancen jedoch wahrscheinlich nicht dem unbedarfteren Weintrinker voll erschliessen. Daher ist der Wein nur dem bewusst und aufmerksam Geniessenden zu empfehlen.




Dienstag, 23. Oktober 2007

Focaccias, Tiramisu, Fasswein und Espresso

Es wurde Zeit, dass dem Focaccino am Stuttgarter Platz 16 in Berlin mal ein Besuch abgestattet wird. Heute war es dann soweit.
Beim Eintritt blickt man zuerst auf eine grosses Weinfass, Tresen, in denen die Focaccias präsentiert werden und den Backofen, in dem sie knusprig gebacken werden.
Im zweiten hinteren Raum kann man an riesengroßen langen Tischen wunderbare Gruppen-Essgelage veranstalten. Die Dekoration ist schlicht, aber sehr wohnlich. Besonders die kleinen Details fallen sehr positiv auf. Statt lieblos Öl, Salz, etc. auf dem Tisch zu platzieren, wurden die Flaschen in einen schönen Strauchkranz gestellt.
Neben fünf unterschiedlichen und sehr leckeren Focaccias, gibt es u.a. auch Pasta, Salat, eine sogenannte Wurstplatte mit italienischen kleinen Schweinereien, sizilianische Oliven und Desserts. Als Desserts werden Tiramisu und Macedonia angeboten. Tiramisu musste unbedingt auf die Karte, nicht nur weil es ein typisch italienisches Dessert ist, sondern auch weil einer der Betreiber des Ladens seine Frau über Tiramisu kennengelernt hatte und es ihn so nach Deutschland verschlagen habe. Fortune!
Unter Macedonia hat man sich dagegen eine Obstkomposition vorzustellen. Auf Nachfrage, wie es zu dem Namen komme, wurde mir erklärt, dass in Italien Obstsalat Macedonia genannt werde. Wieder was gelernt!
Mir hat es insbesondere die Focaccia mit Aubergine und Spinat angetan, die auf einem Brett serviert wurde. Aber es gibt auch eine Focaccia mit Käse, Thunfisch oder Rucola. Je mehr Personen sich eine Focaccia teilen, desto grösser werden die Portionen. Die längste Focaccia, die wohl ca. 70 cm misst, kann man schon für lächerliche 13 € bestellen. Also satt essen kann man sich auf jeden Fall im Focaccia!
An Getränken werden neben einer italienischen Biersorte auch weitere deutsche gängige Biere angeboten, Prosecco, verschiedene Mineralwassersorten, Bionade und roten und weissen Wein vom Fass. Der rote Wein kostet im 0,1 Glass bescheidene 1,90 € und ist hervorragend. Man merkt, dass es noch ein sehr junger, prickelnder Wein ist, der aber eine unglaubliche Frucht am Gaumen entfaltet. Alleine die runden Standard-Gastronomiegläser nerven, da der Geschmack des Weines durch das plumpe Glas beeinträchtigt wird.
Der mir angebotene Espresso entsprach auch meinen Vorstellungen: schwarz und kräftig. Der leichte schokoladige Geschmack der Kaffeebohne spricht sehr für die Qualität der angebotenen Produkte.
Für die Qualität des Essens gibt es auch noch ein weiteres kleines Zeichen, das mich sehr überraschte und erfreute. Für die Vorbereitung der verschiedenen Kaffeearten mit Milch wird nur Biomilch verwendet!!! Das nenn' ich wirklich Qualität und Erkennen des Zeitgeistes!
Das Focaccino sollte daher wohl gerade hinsichtlich der verwendeten Produkte ein gastronomisches Qualitätsbiosiegel erhalten! Nur weiter so!

Focaccino Berlin
Stuttgarter Platz 16
10627 Berlin
Tel.: +49 (0) 30.3248838
email: info@focaccino.de
www.focaccino.de



Montag, 22. Oktober 2007

Beziehungsweise Cicero

Still war es um unseren deutschen Eurovisionshelden Roger Cicero geworden.
Bis jetzt.
Denn am 12. Oktober 2007 erschien seine neue CD beziehungsweise, die sich mittlerweile auf Platz 5 der Verkaufsrankingliste von Amazon hochgearbeitet hat.
Nach Männersachen stehen auch diesmal wieder in altbewährter Swing-, Latin- und Jazzmanier die Beziehungen zwischen Frauen und Männern im Vordergrund. Aus männlicher Sicht erzählt bzw. besingt Cicero allerdings nicht nur die Liebe, sondern hauptsächlich die Unterschiede zwischen Männlein und Weiblein.
Besondere highlights der CD sind vor allem das erste und das letzte Lied. Die Lieder dazwischen sind auch anhörbar, aber eine Ohrwurmqualität haben sie aus meiner Sicht nicht.
Das schnelle Swinglied Die Liste ist absolut das ultimative Berlin-Frühlingslied, während das Lied Bin heute Abend bei dir perfekt zu der kommenden Weihnachtszeit passt. Man glaubt fast im Hintergrund die Schlittenglöckchen zu hören, während Er sich Ihr als Weihnachtsgeschenk mit roter Schleife präsentiert. Das Lied wird man definitiv in den nächsten zwei Monaten noch öfters überall hören.

Sonntag, 21. Oktober 2007

Verliebte Dorfbewohner auf der Bühne

In der Staatsoper Unter den Linden in Berlin hob sich am 21. Oktober 2007 das letzte Mal der rote Vorhang für eine Vorstellung des Moskauer Bolschoi Balletts!
Die vier Gastspieltage des russischen weltbekannten Balletts sind wie im Fluge vergangen.
Nach zwei Schwanensee-Abenden, folgte an zwei Abenden eine deutsche Bühnenpremiere. Das erste Mal wurde in Deutschland das zweiaktige Ballett Der Helle Bach nach der Musik von Dmitri Schostakowitsch aufgeführt. Die Uraufführung gab es allerdings schon am 4. Juni 1935 im Maly-Theater in Leningrad. Das Libretto schrieben Adrian Piotrowski und Fjodor Lopuchow. Alexej Ratmanksi hat die Geschichte neu choreographiert und feierte die Premiere der Neufassung am 18. April 2003 im Bolschoi-Theater in Moskau.
Die amüsante Geschichte des Balletts spielt in einer nordkaukasischen Kolchose, in der zum Erntefest Künstler und Tänzer aus dem Theater der Hauptstadt angereist sind. Die hübschen Künstler verdrehen den Kolchosbewohnern den Kopf. Um jedoch das Gefühlswirrwarr der Bauern zu entwirren und die Gemüter zu beruhigen, hatten sich die Tänzer einen Streich mit den Kolchosbewohnern ausgedacht. Während Yan Godovsky, der einen der Hauptstadt-Tänzer darstellt und tanzt, sich als weibliche Sylphide verkleidet, erscheint die von Natalia Osipova gespielte Tänzerin als Mann. In dieser Verkleidung führen sie die verliebten Dorfbewohner an der Nase herum, um schlussendlich den Kolchosniken klar zu machen, dass sie nur Phantomen hinterherjagen. Zum Ende klärt sich die verwickelte Situation auf und die wiedervereinigten Dorfbewohner feiern zusammen mit den Künstlern das Erntefest.
Auch wenn die Geschichte des Balletts trivial ist, ist die Choreographie mehr als anspruchsvoll. Das rasante Musiktempo verlangt nach präzisen und unglaublich schnellen Bewegungen der Tänzer. Es gibt in dem ganzen Stück kaum eine Minute, in der die Tänzer still standen und sich nicht drehten, über die Bühne sprangen oder akrobatisch verrenkten. Und trotz dieser Hektik war jede Bewegung der Tänzer so genau, dass jede einzelne Bewegung als Pose hätte photographiert werden können. Die genaue Bein- und Armarbeit ist insbesondere bei den Solotänzerinnen Natalia Osipova, Yekaterina Krysanova und Anna Chesnokova sehr bemerkenswert gewesen. Besonders bei Natalia Osipova fielen die wunderschönen langen Beine und ihre Sprungkraft auf, die mit zusätzlichen Publikumsbeifällen honoriert wurden.
Die bewusst komischen und ungelenken und dennoch grazilen Tanzbewegungen des als Sylphide verkleideten Yan Godovsky, brachten die Zuschauer zum Lachen und Klatschen. Yan Godovsky in einem weissen romantischen Tutu mit Kranz auf dem Kopf und Spitzenschuhe an den Füssen gab eine hervorragende Sylphide ab. Die aus La Sylphide kopierten Schritte wurden von Godovsky umwerfend parodiert und ausgeführt. Das Publikum kam kaum aus dem Staunen heraus, da er hervorragend und sicher auf der Spitze tanzte.
Einen weiteren Lacher hatte auch die Datschenbewohnerin, die von Anastasia Vinokur gespielt wurde, immer auf ihrer Seite. Als kleine, korpulente und durchsetzungskräftige Frau gab sie einen komischen Kontrast zu dem langen, schlacksigen Ehemann ab, der die vermeintliche Sylphide anhimmelt und ihr hinterherrennt.
Die farbenprächtige Bühnendekoration und die bunten Kleider der Tänzer sind für den modernen Zuschauer vielleicht etwas ungewöhnlich. Besonders auf den westeuropäischen Bühnen versucht man immer mehr moderne Elemente in das Bühnebild einzubringen, sei es, dass Mobiltelefone irgendwo erscheinen oder die Kleidung der Tänzer modern ist. Dadurch soll wohl eine besondere Beziehung des Zuschauers zu dem Stück hergestellt werden und der Geschichte eine besondere psychologische Bedeutung zugemessen werden.
Mit solchen Elementen wird bei dem Stück "Der helle Bach" nicht gearbeitet, sondern man setzt eher auf eine bunte Retrowelle. Dem Publikum soll in zeitlich realistischen Kostümen und Kulissen suggeriert werden, was für ein schönes Leben die Kolchosbewohner der dreissiger Jahre hatten.
Interessanterweise wurde gerade diese Art der Darstellung des Kolchoslebens in einem Artikel der am 6. Februar 1936 erschienenen Prawda kritisiert. Die Autoren hätten das Thema lediglich in ein Spiel mit Puppen verkehrt, wie es traditionellen Balletten entspreche: als "ein zuckriges Bauernspiel aus einer vorrevolutionären Schokoladenschachtel" (Programmheft des Bolschoi Balletts und Orchester, Gastspiel 18.-21. Oktober 2007 Staatsoper Unter den Linden, S. 38).
Zuckrig hin oder her.... solange man die kurzweilige Geschichte nicht für bare Münze nimmt und keine Lehrstunde des Bauernlebens erwartet, kann man sich zwei Stunden lang herrlich amüsieren und die grandiose tänzerische Leistung aller Bolschoi-Tänzer bewundern.
Bravo.

Samstag, 20. Oktober 2007

Literatenessen

Heute hatte ich das Vergnügen einer Tänzerin des Bolschoi Ballett ein wenig mein Berlin zu zeigen. Was präsentiert man aber einer Tänzerin, die die ganze Welt schon bereist hat und die Berlin noch nicht kannte?
Ich habe mich entschlossen mit einer Busfahrt der Nr. 100 vor der Staatsoper zu beginnen. Nach kurzen Stops am Brandenburger Tor und am Reichstag, ging es dann weiter über das Haus der Kulturen der Welt, Schloss Bellevue und Siegessäule bis zur Endhaltestelle am Zoologischen Garten. Über den Ku'damm flanierend landeten wir in der wunderschönen, ruhigen Fasanenstraße und setzten uns in das Café im Literaturhaus.
Im beheizten Wintergarten der Gründerzeitvilla sitzend, liessen wir es uns bei Käsespätzle, Roastbeafroulade, Kuchen und Tee gut gehen. Der bedienende ältere Herr war in seiner Ruppigkeit freundlich. Er muckte dankenswerterweise nicht auf, als wir uns samt Tellern, Gläsern, Tassen von einem zugigen Platz wegsetzten und es uns in einer geschützten Ecke gemütlich machten.
Die Portion der Käsespätzle war mehr als üppig, alleine die drüber gestreuten Röstzwiebeln waren zäh wie Kaugummi und der dazuservierte grüne Mischsalat war langweilig und ein wenig geschmacklos. Das hätte wirklich nicht sein müssen.
Die Roastbeefroulade war allerdings ordentlich und auch der in einer ästhetischen weissen Kanne servierte schwarze Earlgrey-Tee war absolut hervorragend.
In einer Zeit, in der klassische Kaffeehäuser Mangelware werden, ist das Cafe im Literaturhaus eine kleine paradiesische Oase, in der man sich vom samstaglichen Einkaufstrubel des Kurfürstendamm genüsslich erholen kann.

Cafe im Literaturhaus
"Wintergarten"
Fasanenstraße 23
10719 Berlin
Tel. 030.8825414
www.literaturhaus-berlin.de

Pas de Deux vom St. Stephanshof aus der Pfalz

Ballett in der Staatsoper Unter den Linden.
Klingeln zur Pause zwischen den Akten.
Hunderte von Menschen rennen von den Rängen in den Keller zum Buffet und wollen ihren Veuve Clicquot Champagner, ihre Häppchen oder auch nur ein profanes Bier kaufen.
Für den Weinliebhaber hat die Staatsoper einen besonderen Tropfen aufgetrieben. Es wird nicht der chilenische Merlot oder der italienische Chianti angeboten.
Nein, man hat sich löblicherweise für einen deutschen Rotwein aus der Pfalz entschieden. Der angebotene Cuvée des Weingutes St. Stephanshof hat den passenden Namen Pas de Deux und besteht aus den Trauben Cabernet Sauvignon und Dornfelder. Der samtige, zarte Vanilleton des Weins erklärt sich durch den Barriqueausbau. Ein klasse Wein, der in seiner 2005-Ausgabe harmonisch den Geschmack der meisten weintrinkenden Opernbesucher treffen dürfte. Allein der Abgang war dann etwas dünn und nichtssagend.
Aber darüber kann man getrost hinwegsehen und es ist verzeihlich, wenn der zweite Akt mit einem Pas de Deux der anderen Art unmittelbar bevorsteht.
Klingeln zum zweiten Akt.
Wieder in die Ränge hochrennen.
Platz finden und.......Vorhang auf!

Freitag, 19. Oktober 2007

Grazile russische Schwäne und ein fliegender Narr

Die Stars und Sternchen vom Bolschoi Ballett sind endlich in Berlin angekommen und hatten gestern ihre erste Vorstellung in der Staatsoper Unter den Linden.
Während zur gestrigen Aufführung von Schwanensee die Sponsoren eingeladen waren, kamen heute hauptsächlich Ballettliebhaber (und deren mitgeschleiften Lebenspartner/Ehegatten), die frenetisch das Ballett und die Tänzer bejubelten.
Vor fast ausverkauftem Publikum tanzten die wirklich sehr attraktiven Herren und Damen die ersten Minuten etwas müde und lahm. Die Begeisterung der Zuschauer musste erkämpft werden. Mit jeder Minute kamen aber der Elan und Schwung zurück, welche das Ballett und die Tänzer so populär gemacht hat.
In prachtvollen Kostümen und Kulissen drehten, sprangen und bogen sich nur so die Körper. Keiner fiel unangenehm auf. Die Figuren der Tänzer waren aller wohlproportioniert und erinnerten zum Glück nicht an die Skelette, die sonst auf deutschen Bühnen so populär sind.
Die weiblichen Tänzerinnen hatten tatsächlich weibliche Brustformen und die Männer glänzten mit proportionierten muskulösen Körpern. Alleine die Frisuren der männlichen Tänzer ließen die persönlichen Eitelkeiten erahnen. Während der attraktive Prinz, der von Artem Shpilevsky getanzt wurde, eine kleine modische Tolle frisiert hatte, hatten andere Tänzer lange Haare, die sie zum Zopf gebunden haben. Wieder andere haben einen simplen Locken-Wuschelkopf oder hatten sich ganz keck einen Vukuhila schneiden/wachsen lassen. Ganz extravagant war der Haarschnitt eines Herren. Vorne und hinten waren die Haare lang, während am Hinterkopf die Haare kurz geschnitten waren, sozusagen "Volamikuhila". Naja, und dann gab's die Normalen, die einen simplen Kurzhaarschnitt hatten.
Die Frauen konnten weniger durch Äusserlichkeiten glänzen, denn durch tänzerisches Können. Beim Auftritt der Schwäne im weissgekleideten Tutu hatte man zum Glück nicht eine Horde Elefanten springen hören, sondern tatsächlich nur ein zartes Trippeln mit den Spitzenschuhen auf dem Bühnenboden. Ein Genuss! Neben der absolut perfekten Beinarbeit, waren auch die Armbewegen mehr als elegant und grazil. Alleine die etwas hektisch anmutenden Kopfbewegungen in alle Richtungen waren ein wenig irritierend.
Anna Antonicheva als Odette brillierte im zweiten Akt mit 32 sauberen Fouettés, wobei die letzten zwei in einem doppelten Fouettés endeten.
Einen absoluten Höhepunkt stellten die Auftritte von Viacheslav Lopatin als Narr dar. Seine Sprünge waren höher als die der anderen, seine Umdrehungen schneller und präziser und seine Beweglichkeit war mehr als beeindruckend. Bei den tour en l'air und den grand jeté glaubte man fast, der Narr fange an zu fliegen. Der Spagat in der Luft betrug nicht mehr 180 Grad, sondern näherte sich schon an die 200 Grad. Manche deutsche Ballettänzerin ist noch nicht mal auf dem Boden liegend so beweglich. Dementsprechend brach das Publikum bei jedem einzelnen Sprung von Lopatin in begeisteren Applaus und Bravorufen aus.
Zum Schluss konnte man in die glückstrahlenden Gesichter der Tänzer blicken.
Stolz haben sie das deutsche Publikum mit Schwanensee erobert.

Fastfood goes to coffeeshop

Die großen Fastfood-Ketten werden allmählich von kleineren Coffeeshop-Ketten abgelöst. An jeder Ecke findet man in Berlin mittlerweile Starbucks, Balzac Coffee, Einstein, Caras und was weiss ich was.
Statt mit Burgern füllt man den hungrigen Magen zu jeder Tageszeit mit den verschiedensten Kaffeekreationen, die eigentlich nichts mehr mit ursprünglichem Kaffee zu tun haben. Ein Kollege von mir erntet immer ungläubige Blicke, wenn er in einen solchen Laden hineingeht und "Einen Filterkaffee bitte mit einem Tröpfchen Milch.....für den Magen!" bestellt.
Aber nun zurück zum Thema.
Heute habe ich mich mangels Alternative und aufgrund akutem Zeitmangel ins Caras in der Neuen Schönhauser Straße 9 am Hackeschen Markt begeben. Einen Frischkäse-Mohnbagel und eine Kaffee-Milch Mischung mit Caramel (Caramel macchiato) schnappend, erwartete ich nicht unbedingt einen kulinarischen Höhepunkt.
Die pappartige Konsistenz des Bagels und die matschige bis breiige Tomate waren dann doch ziemlich enttäuschend und deuteten nicht unbedingt auf Frische hin. Dies verwundert doch ein wenig, weil das Unternehmen auf seiner Internetseite damit wirbt, dass alle Produkte täglich frisch hergestellt werden und praktisch vollständig auf Convenience Food und künstliche Farbstoffe verzichtet wird. Auch ansonsten war der Geschmack ziemlich fad. Salzarme Esser hätten eine wahre Freude an dem Bagel gehabt!
Allein der Kaffeemix war in Ordnung und tröstete ein wenig über den Bagel hinweg. Den hätte man sich aber auch sparen können.